Nicht medikamentöse Behandlung einer Demenz

Foto von zwei Frauen beim Gesellschaftsspiel (PantherMedia / Ramona Heim)

Zu den nicht medikamentösen Behandlungen der Alzheimer-Demenz gehören unter anderem Gedächtnisübungen, psychosoziale Aktivierung und Bewegungsprogramme. Einige dieser Maßnahmen können möglicherweise die geistige Leistungsfähigkeit und die Selbstständigkeit verbessern.

Im Verlauf einer Alzheimer-Demenz wird es immer schwieriger, alltägliche Aufgaben selbstständig zu bewältigen. Menschen mit Demenz werden vergesslich und haben zunehmend Probleme, sich sprachlich auszudrücken. Die räumliche und zeitliche Orientierungsfähigkeit nimmt ab, und die Persönlichkeit verändert sich. Umso wichtiger sind eine gute Versorgung und psychosoziale Unterstützung: Menschen mit Demenz benötigen neben Hilfen im Alltag liebevolle und stabile Beziehungen und ein tolerantes Umfeld.

Die Alzheimer-Demenz kann bislang nicht geheilt werden. Neben Medikamenten gibt es nicht medikamentöse Behandlungen, die zum Ziel haben, den Verlust der geistigen Fähigkeiten zu verzögern, die Selbstständigkeit im Alltag so lange wie möglich zu erhalten und das Wohlbefinden und die Lebensqualität zu erhöhen. Zu den nicht medikamentösen Behandlungen gehören beispielsweise Gedächtnis- oder Orientierungsübungen, Kunst-, Aroma- und Musiktherapie sowie der Einsatz von Tieren. Auch Angehörigenschulungen zählen dazu.

Welchen Nutzen die gängigen Therapien haben, lässt sich oft nicht sicher sagen. Einige wenige sind recht gut untersucht. Viele nicht medikamentöse Behandlungen wurden bislang jedoch kaum oder gar nicht in aussagekräftigen Studien geprüft. Welche Möglichkeiten im Einzelfall angebracht sind, hängt unter anderem davon ab, wie weit die Demenz fortgeschritten ist, welche Beschwerden bestehen, worin die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen liegen und wie die Lebensumstände sind. Auch unterschiedliche Behandlungsziele können bei der Wahl der Behandlung von Bedeutung sein. Nicht zuletzt spielen die Persönlichkeit und die Lebensgeschichte eines Betroffenen eine wichtige Rolle.

Wichtig ist, dass eine Maßnahme geistig und emotional nicht überfordert oder belastet und dass sie Erfolgserlebnisse ermöglicht, um die Lebensqualität zu verbessern. Welche Behandlungen für jemanden geeignet sind, lässt sich am besten gemeinsam mit Fachleuten herausfinden – zum Beispiel aus Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialarbeit, Ergo- und Physiotherapie.

Kognitive Behandlungen

Das Wort „kognitiv“ wird als Oberbegriff für alles verwendet, was mit den geistigen Fähigkeiten eines Menschen zu tun hat, wie zum Beispiel Wahrnehmen, Denken und Erinnern. Für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz gibt es unterschiedliche kognitive Behandlungen. Sie beinhalten zum Beispiel Rechenaufgaben oder Übungen, bei denen man Zahlenreihen vervollständigen oder Bilder wiedererkennen soll. Es gibt aber auch Wortspiele und Puzzles sowie Maßnahmen, bei denen Alltagstätigkeiten wie Einkaufen geübt werden. Solche Übungen werden individuell oder in Gruppen angeboten, oft ein- bis zweimal die Woche für jeweils 30 bis 90 Minuten.

Ein anderes verbreitetes Verfahren ist das sogenannte Realitäts-Orientierungs-Training (ROT). Es soll dabei helfen, sich räumlich und zeitlich besser zurechtzufinden. In einem RO-Training werden Menschen mit Demenz immer wieder grundlegende Informationen wie ihren Namen, das Datum oder die Uhrzeit vermittelt. Dies geschieht über Gespräche oder Orientierungshilfen in der Wohnung, zum Beispiel große Kalender oder Namensschilder an den Zimmertüren.

Studien liefern Hinweise, dass kognitive Behandlungen die geistige Leistungsfähigkeit von Menschen mit leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz verbessern können. Möglicherweise steigern sie auch das Wohlbefinden. Unklar ist bisher jedoch, ob sich durch die Behandlungen die Stimmung bessert oder die Fähigkeit, selbstständig für sich zu sorgen.

Es ist nicht auszuschließen, dass sich kognitive Verfahren manchmal auch ungünstig auswirken. So könnte es für Trainierende deprimierend sein, beim Lösen von Aufgaben immer wieder zu scheitern. Ein Realitäts-Orientierungs-Training kann unter Umständen überfordern und zu noch mehr Verwirrung führen. Das ROT wird von manchen Fachleuten kritisch gesehen, weil dabei manchmal sehr strenge Vorgaben gemacht werden, die die Betroffenen entmündigen können.

Wichtig ist, dass kognitive Verfahren an die Möglichkeiten und Bedürfnisse des Einzelnen angepasst und professionell begleitet werden.

Körperliche und psychosoziale Aktivierung

Bei diesen Behandlungen stehen unterschiedliche Aktivitäten im Mittelpunkt: zum Beispiel Diskussionsgruppen zu unterschiedlichen Themen, gemeinsame Essenszubereitung, praktische Übungen wie Zähne putzen, Kaffee kochen oder Briefe schreiben – aber auch körperliche Aktivitäten zur Verbesserung von Kraft, Ausdauer und Gleichgewicht sowie Kunst und Musik.

Studien zeigen, dass soziale Aktivitäten die Lebensqualität der Demenz-Erkrankten und ihrer Angehörigen verbessern können. Sie können der Apathie entgegenwirken, in die viele Demenzkranke fallen. Außerdem können sie bewirken, dass weniger Betreuung nötig ist.

Wie für andere Menschen auch, hat körperliche Aktivität für Menschen mit Alzheimer-Demenz gesundheitliche Vorteile. Es ist wichtig, älteren Menschen zu ermöglichen, in Bewegung zu bleiben, um beispielsweise Bettlägerigkeit zu vermeiden. Studien zeigen, dass Menschen mit Demenz, die an Bewegungsprogrammen teilnehmen, dadurch länger mobil sein können. Kombinierte Bewegungsprogramme zur Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht können vielleicht helfen, Alltagsaktivitäten länger selbstständig zu erledigen. Solche Bewegungsprogramme bestehen beispielsweise aus Gehübungen, Gymnastik, Kräftigungs- und Konditionstraining. Sie finden etwa zwei- bis dreimal pro Woche für 30 bis 60 Minuten statt.

Bestimmte Bewegungsprogramme führten im Rahmen von Studien jedoch auch dazu, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer häufiger ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Der Grund dafür blieb unklar. Da Bewegung und Sport auch überfordern und zu Verletzungen führen können, ist es wichtig, solche Angebote an die Möglichkeiten und Bedürfnisse eines Menschen anzupassen.

Ob sich Sport auch positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit und die psychische Gesundheit bei Alzheimer auswirkt, ist unklar.

Emotionsorientierte Behandlungen

Emotionsorientierte Behandlungsansätze sind Verfahren, die an den Gefühlen, Werten und Erfahrungen von Menschen mit Alzheimer-Demenz ansetzen, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Ein Beispiel ist die sogenannte Validation oder „validierendes“ (wertschätzendes) Verhalten. Dabei wenden die betreuenden oder pflegenden Personen bestimmte Gesprächstechniken an und achten im persönlichen Umgang mit den Betreuten auf viel Nähe und Fürsorglichkeit. Das Ziel ist, eine Atmosphäre von Verständnis, Sicherheit und Geborgenheit zu schaffen. Sie urteilen nicht über die Verhaltensweisen erkrankter Menschen und akzeptieren Gefühlsäußerungen so, wie sie sind.

Ein Beispiel: Eine demenzkranke Frau findet ihre Geldbörse nicht und ist der festen Überzeugung, dass sie gestohlen wurde. Sie ist wütend und will die Polizei rufen. Ihr in dieser Situation zu sagen, dass sie immer vergisst, wo sie die Geldbörse hinlegt, wird sie noch wütender machen. Validierendes Verhalten würde in diesem Fall bedeuten, den Verlust der Geldbörse nicht infrage zu stellen, Verständnis für die Situation zu zeigen und eine Lösungsstrategie vorzuschlagen – zum Beispiel, vorsichtshalber noch einmal gemeinsam zu suchen, bevor die Polizei informiert wird.

Eine andere emotionsorientierte Behandlung ist die Reminiszenz-Therapie. Der Begriff „Reminiszenz“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Erinnerung“. Bei einer Reminiszenz-Therapie haben Menschen mit Alzheimer-Demenz die Möglichkeit, in Einzel- oder Gruppengesprächen beispielsweise von ihrer Heimat, Schulzeit oder Arbeit zu erzählen. Dies soll ihre geistigen Fähigkeiten fördern, aber auch ihre Lebensqualität verbessern und psychische Folgen einer Demenz wie etwa Depressionen mildern. Studien weisen darauf hin, dass sich die Reminiszenz-Therapie positiv auf die Stimmung und die geistige Leistungsfähigkeit auswirken kann.

Angehörigenschulungen

Menschen mit Alzheimer-Demenz werden im Verlauf der Erkrankung zunehmend hilfsbedürftig, was für Angehörige eine große Belastung und Herausforderung sein kann. Um pflegende Angehörige zu unterstützen, wurden Schulungen entwickelt. Sie sollen vermitteln, wie man Menschen mit Demenz fördern kann, um ihre Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten. Außerdem sollen sie helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und praktische Probleme bei der Pflege zu lösen. Ein wesentlicher Teil vieler Schulungen ist der Erfahrungsaustausch mit anderen pflegenden Angehörigen.

Studien liefern Hinweise darauf, dass Menschen mit Alzheimer-Demenz länger zu Hause leben können, wenn ihre pflegenden Angehörigen geschult werden. Es gibt auch Hinweise darauf, dass sich spezielle Schulungen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten positiv auswirken. Sie könnten dazu beitragen, dass herausforderndes Verhalten wie Aggressivität oder Unruhe seltener auftritt und die Angehörigen damit besser umgehen können.

Trotz der Belastung durch die Pflege empfinden es viele Angehörige gleichzeitig als bereichernd, sich um die eigenen Eltern, die Partnerin oder den Partner mit Demenz zu kümmern. Sie ermöglichen ihnen damit, in der vertrauten Umgebung zu bleiben und von nahestehenden Menschen versorgt zu werden. Wichtig ist, sich als Angehöriger Unterstützung und Hilfe zu holen, um den oft belastenden Umständen der Pflege besser gewachsen zu sein.

Ernährung

Einige Fachleute vermuten, dass eine gesunde Ernährung hilft, Demenz vorzubeugen oder sie zu verlangsamen. Insbesondere die mediterrane Diät (Mittelmeerküche) soll sich positiv auf Erinnerung und Denkvermögen auswirken. Zu einer mediterranen Ernährung gehören vor allem viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Olivenöl, Vollkornprodukte, Fisch und Geflügel. Dafür, dass eine mediterrane Ernährung Alzheimer vorbeugt oder verlangsamt, gibt es jedoch keine Belege.

Zudem werden verschiedene Nahrungsergänzungsmittel damit beworben, dass sie die geistige Leistungsfähigkeit verbessern sollen. In einigen Studien wurde untersucht, ob Fischöl-Kapseln (Omega-3-Fettsäuren) bei Alzheimer helfen. Sie hatten jedoch keinen Einfluss auf die Krankheit. Auch für andere Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine Hinweise für einen Nutzen.

Weitere Behandlungen

Zur Behandlung von Alzheimer-Demenz werden zahlreiche weitere nicht medikamentöse Methoden angeboten. Wissenschaftlich untersucht wurden beispielsweise die Reflexzonenmassage und die Aromatherapie. Wie sich die Reflexzonenmassage auf die Beschwerden auswirkt, ist unklar. Die Aromatherapie soll bei Unruhe oder aggressivem Verhalten entspannend wirken. Die bisherigen Studien lassen jedoch offen, ob sie helfen kann.

Die Ergotherapie stellt eine wirksame Behandlungsmöglichkeit dar, zum Beispiel beim Training von Alltagsfertigkeiten. Psychotherapeutische Behandlungen können infrage kommen, wenn die Demenz zu starken psychischen Belastungen führt.

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