Nicht-medikamentöse Behandlung bei Parkinson-Krankheit

Foto von Mann beim Ausdauertraining (PantherMedia / Robert Kneschke) Neben Medikamenten sind Bewegungsübungen oder Sprachtherapie wichtige Bestandteile der Behandlung einer Parkinson-Krankheit.

Viele Menschen mit der Erkrankung machen Bewegungsübungen oder treiben Sport, um Bewegungseinschränkungen und Muskelsteife vorzubeugen oder um wieder etwas beweglicher zu werden. Das Ziel einer Ergotherapie ist es, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Wenn das Sprechen zunehmend schwerer fällt, kann eine Sprachtherapie (Logopädie) sinnvoll sein. Manchmal werden auch Entspannungsübungen und -hilfen wie die Progressive Muskelentspannung, Wärmebehandlungen oder Massagen eingesetzt.

Diese Behandlungen zielen vor allem darauf, Beschwerden zu bessern, die sich durch Medikamente nicht ausreichend behandeln lassen. Nicht zuletzt ist bei Bewegungs-, Entspannungs- und anderen Übungen auch die positive Wirkung auf die Psyche wichtig – ebenso wie die aktive Unterstützung durch Therapeutinnen oder Therapeuten.

Bewegung und Sport

Menschen mit Parkinson bewegen sich mit fortschreitender Erkrankung immer langsamer. Manchmal gelingt es ihnen auch gar nicht, in Gang zu kommen. Hinzu kommen Probleme mit dem Gleichgewicht und der Koordination. Da man sich zunehmend schlechter bewegen kann, nimmt die Muskelkraft allmählich ab. Bewegungsübungen und Sport sollen helfen, diesen Prozess etwas aufzuhalten. Zu einem Bewegungstraining können gehören: Dehnung (Stretching), Ausdauertraining, Muskelaktivierung und -entspannung, Krafttraining, Gleichgewichtstraining, Tanzen, Musiktherapie, Tai-Chi, Qigong sowie Geh- und Lauftraining.

Es ist möglich, sich von Physiotherapeutinnen oder -therapeuten begleiten zu lassen. Sie können Bewegungsübungen anleiten und zeigen, wie man sie eigenständig durchführen kann. Welche Übungen sinnvoll sind, hängt sehr von den persönlichen Vorlieben und dem körperlichen Allgemeinzustand ab. So ist bei noch nicht sehr fortgeschrittener Krankheit ein stärker belastendes Training möglich als bei schon ausgeprägten Beschwerden. Je nach Krankheitsphase hat die Behandlung auch unterschiedliche Schwerpunkte: Im frühen Stadium geht es meist darum, die körperliche Fitness und Beweglichkeit zu erhalten. Bei fortgeschrittener Erkrankung steht eher im Vordergrund, Stürze oder Gelenkversteifungen zu vermeiden.

Studien zeigen die mögliche positive Wirkung von Bewegungsübungen: Sie können die Beweglichkeit und die Bewegungsgeschwindigkeit zumindest kurzfristig verbessern. Zudem können sie die Koordination verbessern, sodass das Gleichgewicht besser gehalten werden kann. Auf diese Weise gelingt es eher, Alltagsaktivitäten wie beispielsweise Einkaufen zu bewältigen.

Was Studien sagen

Ergotherapie

Eine Ergotherapie soll helfen, solange wie möglich eigenständig den Alltag zu gestalten und für sich selbst zu sorgen. Die Übungen sollen unter anderem die Grob- und Feinmotorik fördern. Im Rahmen einer Ergotherapie wird beispielsweise geübt, sich anzuziehen, Essen zuzubereiten und mit Hilfsmitteln (wie Rollatoren oder speziellem Besteck) umzugehen. Auch handwerkliche und kreative Übungen wie Basteln oder Malen können Teil einer Ergotherapie sein. Die Ziele und dafür geeignete Übungen werden gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten abgestimmt.

Sprachtherapie

Viele Menschen denken bei der Parkinson-Krankheit vor allem an Bewegungsstörungen. Dabei sind besonders die zunehmenden Sprachschwierigkeiten oft sehr belastend. Viele Betroffene sprechen zunehmend verwaschener, monotoner und leiser. Dies liegt daran, dass die Muskeln im Kehlkopf, in der Zunge und im Gesicht unbeweglicher werden. Hinzu können Wortfindungsstörungen kommen und die Schwierigkeit, andere Menschen zu verstehen.

Bei der Sprachtherapie wird geübt, wieder klarer, lauter und deutlicher zu sprechen. Auch die Beweglichkeit der Gesichtsmuskulatur, die Mimik und die Atmung werden trainiert – zum Beispiel durch verschiedene Lockerungs- und Sprechübungen oder Singen. Welche Form der Sprachtherapie eingesetzt wird, hängt von den jeweiligen Beschwerden und persönlichen Vorlieben ab.

Ziel ist es, sich wieder besser ausdrücken zu können. Viele Menschen vermeiden es aus Unsicherheit und Scham zunehmend, mit anderen zu sprechen. Deshalb geht es auch darum, wieder mehr Selbstbewusstsein bei Gesprächen zu entwickeln. Schluckstörungen können ebenfalls behandelt werden.

Psychologische Unterstützung

Die Erkrankung geht besonders im fortgeschrittenen Stadium mit starken psychischen Belastungen einher. Doch auch zu Anfang fällt es oft schwer, mit der Diagnose zurechtzukommen – und dem Wissen, dass die Symptome mit den Jahren deutlich zunehmen werden. Eine psychologische Unterstützung und Begleitung kann deshalb sinnvoll sein. Zudem entwickeln manche Menschen im Verlauf der Erkrankung depressive Beschwerden bis hin zu behandlungsbedürftigen Depressionen.

Auch für Angehörige stehen verschiedene psychologische Beratungsangebote zur Verfügung. Nicht zuletzt gibt es an vielen Orten Selbsthilfegruppen, die eine wichtige Anlaufstelle sein können.

Offene Forschungsfragen

Physiotherapie, Ergo- und Sprachtherapie werden häufig eingesetzt, um Parkinson-Beschwerden zu lindern. Viele Menschen empfinden sie als sehr hilfreich. Dennoch gibt es zu ihrer Wirkung bei Parkinson bisher kaum verlässliche, aussagekräftige wissenschaftliche Studien. Viele wichtige Fragen sind deshalb noch nicht beantwortet.

So ist noch nicht erforscht, welchen Einfluss regelmäßige Bewegungs- und Koordinationsübungen über einen langen Zeitraum haben. Man weiß zum Beispiel nicht, ob sie das Fortschreiten der Krankheit verzögern können. Wie sich die Ergotherapie tatsächlich auf Symptome und Verlauf der Parkinson-Erkrankung auswirkt, ist ebenfalls unklar.

Offene Fragen gibt es auch bei der Sprachtherapie: Bisher lässt sich nur schwer beurteilen, inwieweit sie die oben genannten Ziele erreicht und die Beschwerden lindern kann. Zudem lassen die bisherigen Studien offen, welche Methoden der Sprachtherapie am besten helfen.

Schlagwörter: Alter und Pflege, G20, G25, Kopf und Nerven, Parkinson, Schüttellähmung