Mit Geburtsschmerzen umgehen

Foto von Paar (PantherMedia / Craig Robinson) Wenn die Geburt kurz bevorsteht, sind die Gefühle häufig sehr gemischt – vor allem bei Frauen, die noch kein Kind bekommen haben. Viele fragen sich: Wie stark wird der Schmerz sein? Wie kann man damit umgehen? Gibt es Alternativen zu schmerzlindernden Medikamenten?

Ein Kind zu bekommen, ist eine der intensivsten Lebenserfahrungen. Am Ende der Schwangerschaft, wenn der Alltag beschwerlich geworden ist, sehnen die meisten Frauen die Geburt ihres Babys herbei. Oft mischt sich die Vorfreude aber mit Aufregung und Ängsten. Wie eine Geburt verläuft – oder verlaufen sollte –, dazu gibt es viele Geschichten und Ansichten.

Manche Frauen haben in einem Geburtsvorbereitungskurs oder im Internet schon Filme über die Geburt gesehen. Doch niemand kann vorher wissen, wie sich die Wehen wirklich anfühlen und wie die Geburt verlaufen wird. Was während einer Geburt passiert, lässt sich außerdem nur in Grenzen planen. Jede Frau muss sich auch auf unerwartete Ereignisse einstellen. Eine feste Vorstellung, wie die Geburt ablaufen sollte, kann das tatsächliche Erlebnis leicht zu einer Enttäuschung werden lassen.

Zur Vorbereitung sind gute Informationen genauso wichtig wie die Unterstützung durch andere. Auch Partner oder andere Nahestehende, die bei der Geburt dabei sein möchten, können am besten helfen, wenn sie gut informiert sind.

Medikamente können Geburtsschmerzen lindern. Daneben gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Entspannungstechniken oder das Ausprobieren der günstigsten Körperhaltung.

Wie kann ich mit Geburtsschmerzen umgehen?

Eine Geburt ist eine körperliche und emotionale Herausforderung, und eine gute Unterstützung die wichtigste Hilfe. Es ist für viele Frauen entlastend, jemanden um sich zu haben, der ermutigt und es einem so bequem wie möglich macht, vielleicht den Rücken massiert oder Wärmepackungen zubereitet. Das kann beispielsweise der Partner, eine Freundin oder die Hebamme sein.

Einen verlässlichen Beistand zu haben hilft nicht nur, die Anstrengungen emotional durchzustehen: Die Forschung hat gezeigt, dass eine kontinuierliche Unterstützung die Dauer der Geburt etwas verkürzen und auch die Wahrscheinlichkeit senken kann, dass man schmerzlindernde Mittel braucht.

Hebammen sind gut ausgebildet und sehr erfahren darin, herauszufinden, wie eine Frau die Schmerzen am besten bewältigen kann. Sie können unmittelbar während des Geschehens reagieren und erklären, welche Möglichkeiten es gibt. Manchmal glauben Frauen, sie sollten das vielbeschäftigte Personal in Kliniken oder Geburtshäusern besser nicht mit allzu vielen Fragen stören. Antworten zu bekommen, ist jedoch ein entscheidender Teil der Unterstützung, die in dieser Situation nötig ist. Durch Stress und Angst können sich zum Beispiel die Muskeln anspannen – das macht es nicht leichter, mit den Schmerzen umzugehen. Zu den traditionellen Mitteln, mit denen Frauen sich unabhängig von Schmerzmitteln immer schon geholfen haben, die Geburt durchzustehen, gehören:

  • Die Körperposition wechseln – zum Beispiel aufrecht sitzen statt liegen –, um herauszufinden, welche Position am angenehmsten ist.
  • Umhergehen, wenn dies möglich ist. Gehen und Bewegen können helfen, die Schmerzen etwas zu dämpfen und den Ablauf der Geburt zu erleichtern, vielleicht auch zu beschleunigen.
  • Kalte oder warme Packungen ausprobieren. Dies kann Schmerzen lindern – gerade auch Rückenbeschwerden, die oft mit Geburtsschmerzen einhergehen.
  • Ruhig und bewusst atmen oder versuchen, zu hecheln.

Während der Geburt ist die Körperhaltung besonders wichtig. Wenn zum Beispiel das Köpfchen des Babys zu tief in den Rücken drückt, kann eine andere Position meist die Beschwerden lindern und auch das Pressen sehr erleichtern. Wenn das Baby sich etwas weiterbewegt oder seine Lage verändert, kann auch die Mutter ihre Körperhaltung wieder anpassen, bis es sich besser anfühlt.

In Geburtsvorbereitungskursen werden Techniken vermittelt, die helfen können, die Schwerkraft während der Geburtswehen auszunutzen. Manche Frauen schwören besonders auf bestimmte Positionen oder Atemtechniken. Was als hilfreich empfunden wird, ist jedoch sehr individuell – was für die einen erleichternd ist, nützt anderen vielleicht wenig oder stört sie sogar eher.

Viele Frauen empfinden den Schmerz während der Geburt anders als bei anderen schmerzhaften Erfahrungen – zum Teil, weil der Schmerz ein „positives Ziel“ hat und weil sie wissen, dass er in absehbarer Zeit vorbei ist. Das Baby schließlich in den Armen zu halten, wenn alles vorüber ist, ist für die meisten Frauen eine überwältigende Belohnung für alle Anstrengungen.

Gibt es Alternativen zu Medikamenten?

Es gibt viele Tipps, wie man die Schmerzen während einer Geburt auch ohne Medikamente lindern kann. Aber nur wenige der häufig vorgeschlagenen Möglichkeiten haben in Studien positive Wirkungen gezeigt. Diese sind:

  • Entspannungstechniken und Yoga: Studien deuten darauf hin, dass manche Frauen durch entspannende Übungen während der Geburt weniger Schmerzen empfinden. Mithilfe von Techniken wie der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson und manchen Atem- und Bewegungsübungen aus dem Yoga kann man unter anderem lernen, die Gedanken von den Schmerzen abzulenken, die Muskulatur zu entspannen und ruhig zu atmen.
  • Baden: In der Badewanne, Dusche oder im Whirlpool mit warmem Wasser zu entspannen, kann dazu beitragen, dass weniger Schmerzmedikamente notwendig sind. 
  • Massagen: Rücken- oder Fußmassagen zu bekommen, kann die Muskeln lockern und beruhigen. Leichte Massagetechniken können Partner oder andere Geburtsbegleiter schon vor der Geburt erlernen.
  • Gymnastikball: Viele Frauen machen während der Schwangerschaft Übungen auf einem Gymnastikball, um die Rückenmuskulatur zu stärken und den Beckenboden zu trainieren. Es gibt Hinweise aus Studien, dass Übungen mit einem Gymnastikball auch zur Schmerzlinderung bei der Geburt beitragen können.

Für folgende Methoden fehlen wissenschaftliche Belege:

  • Akupunktur: Bei der Akupunktur werden an bestimmten Körperstellen feine Nadeln in die Haut gestochen, was schmerzlindernd wirken soll. Da die Nadeln in der Haut bleiben, können sie während der Geburt die Beweglichkeit einschränken. Die bisherigen Studien kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen.
  • Hypnose: Hypnosetechniken sollen Menschen helfen, sich zu entspannen und einen Zustand intensiver Konzentration zu erreichen. In diesem Zustand kann die eigene Wahrnehmung, etwa von Schmerzen, durch gezielte Anweisungen einer anderen Person beeinflusst werden. Auch eine Selbsthypnose ist möglich, bei der man selbst bestimmte Anweisungen wiederholt. Die bisherigen Studien zur Wirkung von Hypnose sind nicht aussagekräftig genug, um zu sagen, ob sie Geburtsschmerzen lindern kann.
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Dabei werden Elektroden auf die Haut geklebt, die leichte Stromimpulse übertragen. Das erzeugt auf der Haut ein leichtes Kribbeln. Die Stärke und Frequenz der Impulse lässt sich selbst kontrollieren und einstellen. Man nimmt an, dass diese Impulse die Schmerzsignale überdecken und so abschwächen. Nach den bisherigen Studien spricht aber wenig dafür, dass TENS das Schmerzempfinden beeinflusst. Zu Nebenwirkungen kam es nicht.
  • Biofeedback: Bei diesem Entspannungsverfahren werden mithilfe eines Computers Körpersignale wie Puls und Atemfrequenz – und damit auch die eigene körperliche Reaktion auf Schmerz oder Angst – hör- und sichtbar gemacht. Ziel ist, sie durch bewusste Entspannung wieder zu beruhigen. Belege für einen Nutzen während der Geburt fehlen.

Auch für das Hören von beruhigender oder ablenkender Musik oder Tönen sowie für Aromatherapie, Homöopathie und Akupressur fehlen Nachweise, dass Frauen dadurch weniger Schmerzen empfinden.

Wie kann der Partner helfen?

Die Unterstützung durch eine Begleitperson kann aus mehreren Gründen hilfreich sein. Für eine gute Begleitung ist es wichtig:

  • sicherzustellen, dass die Partnerin oder Freundin nicht allein bleibt (außer, sie möchte dies selbst): Das Gefühl, jemand Vertrautes um sich zu haben, der sich kümmert, kann sehr wichtig sein.
  • aufmerksam und flexibel zu bleiben und sich auf ihre Bedürfnisse zu konzentrieren. Es aber auch zu akzeptieren, wenn sie einfach in Ruhe gelassen werden will.
  • ihr Mut zu machen, sie zu bestärken und ihr zum Beispiel zu sagen, wie gut sie alles macht und wie tapfer sie ist.
  • es ihr so angenehm wie möglich zu machen: All die „kleinen“ Aufmerksamkeiten bedeuten viel und erleichtern sehr – wie Verständnis und Zuwendung zu erfahren, warm gehalten oder sanft massiert zu werden.
  • ihr zu helfen, informiert zu bleiben: Sie darin unterstützen, Fragen zu stellen. Vielleicht möchte sie auch, dass sich der Partner damit an die Hebamme, die Ärztin oder den Arzt wendet.

Natürlich kann eine Geburt auch für den Partner ein so überwältigendes Erlebnis sein, dass er sich hilflos fühlt und selbst Zuwendung braucht. Es ist auch nicht in jedem Krankenhaus möglich, dass ein Partner oder eine Begleitperson ganz selbstverständlich in den gesamten Ablauf der Geburt einbezogen wird. Diesen Punkt vorher mit der Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme zu klären hilft, Überraschungen zu vermeiden.

Manche Männer machen sich zum Beispiel Sorgen, ob sie es aushalten, ihre Partnerin mit so starken Schmerzen zu erleben. Oder wie sie darauf reagieren, viel Blut zu sehen. In der Realität fällt es Männern dann aber oft leichter als erwartet, sich auf die Partnerin zu konzentrieren, unabhängig davon, was gerade passiert.

Es kann auch für ein Paar hilfreich sein, im Voraus miteinander zu besprechen, was in einem Notfall zu tun wäre. Es könnte sein, dass der Partner einige Entscheidungen treffen muss, vor allem, wenn die Frau für einen Kaiserschnitt unter Vollnarkose steht. Wer weiß, was für seine Partnerin wichtig ist, kann bessere Entscheidungen treffen, wenn es darauf ankommt. Bei der Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs erfahren Paare vieles, was ihnen bei solchen gemeinsamen Überlegungen helfen könnte.

Der Geburt ihren Lauf lassen

Viele Frauen und ihre Partner stellen im Nachhinein fest, dass es ihnen bei der Vorbereitung auf die Geburt geholfen hat, Möglichkeiten zur Schmerzlinderung zu planen – aber auch, dass die Erfahrung der Geburt dann ganz anders war als gedacht.

Es ist nicht sehr hilfreich, sich vorher schon allzu genau vorzustellen, was einen erwartet: Es kann dann schwieriger sein, sich auf wechselnde und unvorhersehbare Umstände einzustellen. Auch wenn es überraschen mag: Der Schmerz und die Schmerzlinderung sind mitten im Geschehen oft weitaus weniger wichtig als vorher gedacht. Viele Frauen sind mit ihrer Entbindung und der Versorgung zufrieden, auch wenn sie große Schmerzen hatten.

Manche Frauen machen sich Sorgen darüber, ob andere Menschen während der Geburt finden, dass sie sich passend verhalten oder „alles richtig machen“. Bei einer Geburt geht es aber nicht darum, was andere denken: Es zählt allein, was das Beste für eine bestimmte Frau und ihr Baby ist. Zum Beispiel ist es völlig in Ordnung, während der Entbindung laut zu schreien oder zu stöhnen. Die Hebammen, Ärztinnen und Ärzte haben schon sehr viele Geburten miterlebt und sind nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Das Wichtigste ist, sich gut zu fühlen und das Baby gesund zur Welt zu bringen. Man kann ohne Bedenken alles tun, wonach einem zumute ist und was dabei hilft, die Geburt zu einem guten Ende zu bringen.

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