Einleitung

Das Arzneimittel Lorlatinib (Handelsname Lorviqua) ist seit Mai 2019 in Deutschland zur Behandlung von nicht kleinzelligem fortgeschrittenem Lungenkrebs zugelassen. Es kommt für vorbehandelte erwachsene Patientinnen und Patienten infrage, bei denen eine bestimmte Veränderung der Krebszellen zu einem beschleunigten Tumorwachstum führen kann.

Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Atemwege (Bronchien) und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:

  • das kleinzellige Karzinom (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
  • das nicht kleinzellige Karzinom (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).

Ein nicht kleinzelliges Karzinom wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist es jedoch schon zu groß oder es hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem Metastasen in anderen Körperregionen gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Manche Menschen mit NSCLC haben ein verändertes Enzym im Tumorgewebe, die sogenannte Anaplastische-Lymphom-Kinase (ALK). Man spricht dann von einem ALK-positiven nicht kleinzelligen Lungenkrebs. Das Enzym ALK kann zum unkontrollierten Wachstum des Tumorgewebes beitragen.

Lorlatinib ist ein sogenannter ALK-Hemmer (ALK-Inhibitor). Der Wirkstoff soll unter anderem das Enzym ALK und so auch das weitere Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Der Wirkstoff ist als Tablette in einer Dosierung von 25 und 100 mg verfügbar. Die empfohlene Dosis beträgt 100 mg einmal täglich. Sie kann bei Unverträglichkeiten verringert werden. Die Therapie wird beendet, wenn der Krebs trotzdem fortschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für Personen mit fortgeschrittenem ALK-positivem Lungenkrebs, die bereits mit einem anderen ALK-Inhibitor behandelt wurden, kommt abhängig von der Vorbehandlung eine weitere Therapie gegen den Krebs mit den Wirkstoffen Alectinib, Ceritinib oder eine Chemotherapie infrage. Die Behandlung wird von der Ärztin oder dem Arzt individuell angepasst.

Kommt keine weitere Therapie gegen den Krebs infrage, erfolgt eine bestmögliche unterstützende Behandlung (best supportive care, BSC). Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob Lorlatinib für vorbehandelte Personen mit fortgeschrittenem ALK-positivem Lungenkrebs Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Lorlatinib (Lorviqua).