Leben mit Myomen

Foto von Frau beim Lesen auf der Terrasse (PantherMedia / Design Pics) Wenn Myome Beschwerden machen, können sie zu einer Belastung werden. Bei der Entscheidung für eine Behandlung geht es vielen Frauen auch darum, im Alltag einen guten Umgang mit den Beschwerden zu finden.

Selbst wenn die gutartigen Geschwulste nicht immer spürbar sind: Wenn sie starke Beschwerden auslösen, können sie das Alltagsleben sehr beeinträchtigen. Viele Frauen erleben ihre Myome dann als schmerzhafte Erkrankung, die sie immer wieder für Tage außer Gefecht setzt.

Die Behandlung von Myomen richtet sich nach den Beschwerden, aber auch nach der persönlichen Situation und dem Alter einer Frau: Manche fühlen sich am meisten durch starke Regelblutungen, Krämpfe und Erschöpfung beeinträchtigt. Für andere steht die Sorge im Vordergrund, vielleicht keine Kinder (mehr) bekommen zu können. Da die Symptome in den Wechseljahren abklingen und danach meist ganz verschwinden, erwägen Frauen mit Mitte 40 oft andere Behandlungsmöglichkeiten als mit Anfang 20.

Allen gemeinsam ist jedoch die Frage, wie sie die Beschwerden auch selbst in den Griff bekommen können. Viele Frauen finden einen eigenen Weg, die Auswirkungen auf den Alltag möglichst gering zu halten.

Wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?

Beschwerden wie starke Regelblutungen, Krämpfe und Regelschmerzen werden manchmal – auch von anderen – als „normale Frauenbeschwerden“ abgetan. Es kann schwierig sein, für sich zu entscheiden, ab wann solche Symptome „nicht mehr normal“ sind und einen Arztbesuch „rechtfertigen“. Doch auch wenn die Regelblutung zum Leben einer Frau gehört: Für starke, belastende Beschwerden trifft das nicht zu. Keine Frau muss sie aushalten, außerdem lassen sie sich meist behandeln. Deshalb ist ein Arztbesuch zur Abklärung sinnvoll und oft hilfreich.

Myome, die keine Beschwerden verursachen, werden häufig bei frauenärztlichen Routineuntersuchungen entdeckt. Viele Frauen mit Beschwerden wenden sich gezielt an ihre Frauenärztin oder ihren Frauenarzt, um eine Erklärung für ihre Schmerzen zu finden und weil sie sich Sorgen machen, dass eine ernsthafte Erkrankung die Ursache ist. Dass Myome nicht bösartig sind, wissen viele Frauen zu Anfang nicht. Umso wichtiger ist die Information, dass ein Myom keine Krebserkrankung ist und kein Krebs daraus entstehen kann.

Wie beeinflussen Myom-Beschwerden den Alltag und das Lebensgefühl?

Starke Regelbeschwerden oder andere Symptome wie Blasenschwäche oder Erschöpfung können das Berufs- und Privatleben belasten und die Lebensqualität beeinträchtigen. Wer wegen der Beschwerden regelmäßig nicht zur Arbeit gehen kann, hat oft mit Schuldgefühlen gegenüber Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten zu kämpfen oder gerät beruflich unter Druck. Aber auch Freizeitaktivitäten mit Partner, Familie oder Freunden müssen häufig ausfallen, Verabredungen können nicht eingehalten werden.

Starke Regelblutungen können sehr lästig sein, müde machen und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit herabsetzen. Im Alltag stören aber nicht nur die körperlichen Beschwerden durch den hohen Blutverlust: Eine starke Regelblutung kann als peinlich erlebt werden, manchmal auch als Angst einflößend. Einige Frauen haben das unangenehme Gefühl, regelrecht „auszulaufen“. Manche vermeiden es, während der Tage mit heftiger Blutung aus dem Haus zu gehen und sagen Termine ab.

Starke Beschwerden können die Stimmung eintrüben und dazu führen, dass man sich gereizt und unleidlich fühlt. Dies kann die Partnerschaft in Mitleidenschaft ziehen – zumal die Beschwerden oft auch die Lust auf Sex dämpfen. Wenn der Partner sich abgelehnt fühlt oder wenig Verständnis zeigt, können leicht Konflikte entstehen. Manche Frauen haben Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, möchten deshalb weniger Sex oder vermeiden ihn ganz. Zuwendung und offene Gespräche sind dann wichtig – für beide Partner.

Bei Frauen mit großen oder besonders vielen Myomen kann sich das Körpergefühl ändern; viele fühlen sich insgesamt weniger attraktiv. Für manche fühlt es sich an, als würde etwas Fremdes, Unkontrollierbares in ihnen wachsen. Besonders belastend kann es sein, scheinbar grundlos zuzunehmen oder „wie schwanger“ auszusehen.

Was kann ich von einer Behandlung erwarten?

Es kann sein, dass eine Behandlung die Beschwerden dauerhaft verschwinden lässt. Doch nicht jede Therapie führt zum erhofften Ergebnis, manche helfen nur vorübergehend, und alle haben ihre Nachteile. Die Abwägung zwischen Nutzen und Risiken ist nicht immer einfach, doch es gibt keinen Grund zur Eile: Man kann sich in Ruhe darüber klar werden, welche Beschwerden am meisten belasten und sich dann informieren, welche Behandlung sie am besten zu lindern verspricht.

Erfolglose Behandlungen können mutlos machen, zumal wenn auch noch unangenehme Nebenwirkungen auftreten. Manche Frauen erleben dies als Wechselbad zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Einige machen sich Sorgen, dass die Myome zum Beispiel nach einer Operation wiederkommen oder dass der Eingriff andere Probleme auslöst. Bei Behandlungsentscheidungen spielen – neben dem ärztlichen Rat – oft auch Empfehlungen und Erfahrungen von Freunden oder Angehörigen eine Rolle. Schwierig wird es, wenn diese sich Sorgen machen und „gut gemeinten“ Druck ausüben, sich für eine bestimmte Behandlung zu entscheiden.

Bei der Wahl einer Behandlung ist das Thema Kinderwunsch von großer Bedeutung, denn nicht alle Therapien eignen sich für Frauen, die sich ein Kind wünschen. Viele Behandlungen wirken empfängnisverhütend, schränken die Fruchtbarkeit ein oder erhöhen das Risiko für Fehlgeburten. Eine Gebärmutter-Entfernung kommt bei Kinderwunsch gar nicht infrage.

Manche Frauen machen die Erfahrung, dass eine Ärztin oder ein Arzt wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Frauen über 40 keine Kinder mehr haben möchten. Auch die früher weit verbreitete Ansicht, die Gebärmutter sei bei Frauen ohne Kinderwunsch ein überflüssiges Organ, ist bei einigen Ärztinnen und Ärzten noch vorhanden. Sie kann für eine Frau aber ein wichtiger Teil ihres Körpers und weiblichen Selbstgefühls sein. Zudem zieht die Entfernung der Gebärmutter manchmal auch Probleme wie eine Blasenschwäche nach sich. Dennoch fühlen sich viele Frauen nach der Operation erleichtert und sind froh, keine Regelblutung und keine Myom-Beschwerden mehr zu haben.

Viele Ärztinnen und Ärzte gehen heute einfühlsam mit diesem Thema um und beraten ausführlich dazu, welche Behandlungen bei Kinderwunsch infrage kommen und welche Risiken sie haben können.

Den eigenen Weg finden

Abgesehen von einer Behandlung gibt es einige Möglichkeiten, mit den Beschwerden im Alltag besser zurechtzukommen. Viele Frauen machen die Erfahrung, dass ihnen das Gefühl hilft, ihre Beschwerden selbst kontrollieren zu können. Sie versuchen herauszufinden, wie sich die Folgen für den Alltag so gering wie möglich halten lassen. Eine Möglichkeit dazu ist, den Verlauf der Beschwerden aufmerksam zu beobachten, zum Beispiel mithilfe eines Tagebuchs. Wenn deutlich wird, wann welche Symptome auftreten, fällt es leichter, Strategien zum Umgang mit ihnen zu entwickeln. Dies kann zum Beispiel bei starken Regelblutungen sehr hilfreich sein.

Häufig probieren Frauen auch verschiedene Möglichkeiten der Selbsthilfe aus, wie etwa eine bewusstere Ernährung oder mehr körperliche Aktivität. Andere machen Yoga oder versuchen es mit Entspannungstechniken. Neben Hausmitteln wie Wärmeanwendungen gegen Krämpfe und Schmerzen kommen auch pflanzliche Mittel, Akupunktur oder andere Behandlungsmethoden aus der „komplementären“ Medizin zum Einsatz. Allerdings sind solche Methoden kaum in guten Studien überprüft – deshalb lässt sich wenig dazu sagen, ob sie bei Myomen helfen.

Das spricht aber nicht dagegen, für sich selbst herauszufinden, was einem gut tut. Das kann auch der Austausch mit anderen betroffenen Frauen sein – ob im Internet, im privaten Umfeld oder in Selbsthilfegruppen. Ein solcher Austausch kann zudem dabei unterstützen, sich gut auf Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten vorzubereiten – oder bei der Suche nach einer Ärztin oder einem Arzt helfen, der die eigenen Wünsche berücksichtigt.