Kortison und andere Medikamente zum Auftragen

Foto von Mädchen mit Juckreiz im Nacken (PantherMedia / Dayna More) Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber Kortisonpräparaten. Bei sachgemäßer Anwendung kommt es aber nur selten zu Nebenwirkungen. Kortisonsalben werden zudem nicht dauerhaft, sondern nur zur Behandlung von Krankheitsschüben angewendet. Bei häufigen Schüben besteht die Möglichkeit einer vorbeugenden Intervalltherapie.

Bei leichter Neurodermitis kann eine gute Basispflege ausreichen, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Wenn die Haut entzündet ist und juckt, wird der Ausschlag zusätzlich mit Kortisonsalben oder -cremes behandelt. Kortison kann das Jucken und die Entzündung wirksam lindern. Es wird aufgetragen, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Wenn es Gründe gegen die Verwendung von kortisonhaltigen Mitteln gibt, kommen die Medikamente Pimecrolimus oder Tacrolimus zur Behandlung infrage (sogenannte Calcineurin-Antagonisten). Sie werden zum Beispiel eingesetzt, wenn empfindliche Stellen wie das Gesicht oder die Genitalien betroffen sind.

Wie unterscheiden sich Kortisonpräparate?

Es gibt über 30 verschiedene Kortisonpräparate zur örtlichen Behandlung. Die Wirkstoffe unterscheiden sich deutlich in ihrer Stärke und werden grob in vier Klassen unterteilt:

  • schwache Kortikosteroide, zum Beispiel Hydrokortison und Prednisolon
  • mittelstarke Kortikosteroide, etwa Prednicarbat, Methylprednisolon und Triamcinolon
  • starke Kortikosteroide, wie Betamethason und Mometason
  • sehr starke Kortikosteroide wie Clobetasol

Wie stark ein Kortisonpräparat wirkt, hängt außer vom enthaltenen Wirkstoff noch von verschiedenen anderen Faktoren ab:

  • der Dosierung des Präparats
  • der Hautstelle, auf die es aufgetragen wird: Dünnere Haut nimmt mehr Kortison auf als dickere Haut. So dringt an den Handflächen und Fußsohlen relativ wenig Kortison in die Haut ein, während die Gesichts- und Kopfhaut deutlich mehr Wirkstoff aufnimmt. Besonders empfindlich ist die Haut an den Geschlechtsorganen und Augenlidern.
  • der Trägersubstanz: Kortison wirkt in Salben stärker als in Cremes oder Lotionen, da es dann von der Haut besser aufgenommen werden kann.
  • der Anwendung: Wenn ein Kortisonpräparat auf feuchte Haut aufgetragen wird, zum Beispiel nach dem Baden, wirkt es besser als auf trockener Haut. Die Wirkung verstärkt sich besonders, wenn das Kortison mit einem Verband oder feuchten Umschlag abgedeckt wird. Die Haut nimmt dann ein Vielfaches an Kortison auf.

Kortisonpräparate sind rezeptpflichtig. Eine Ausnahme ist schwach dosiertes Hydrokortison. Salben oder Cremes mit diesem Wirkstoff sind auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Welches Präparat wie angewendet wird, bespricht man am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.

Welches Kortisonpräparat ist geeignet?

Welches Mittel eingesetzt wird, hängt vom Alter eines Menschen, der Stärke der Neurodermitis und der betroffenen Körperregion ab. Meistens lässt sich Neurodermitis mit schwachen oder mittelstarken Kortisonpräparaten gut behandeln. Allgemein gilt:

  • Für empfindliche, dünne Haut wie im Gesicht und in den Gelenkbeugen, zum Beispiel in den Kniekehlen, an den Innenseiten der Ellbogen, in den Leisten und unter den Achseln, eignen sich vor allem schwache bis mittelstarke Präparate.
  • Starke und sehr starke Kortikosteroide kommen zur Behandlung von ausgeprägten Ekzemen an Händen und Füßen oder zur Behandlung stark verdickter Hautstellen infrage.
  • Bei großflächigen Ausschlägen sollten starke und sehr starke Mittel dagegen vermieden werden.
  • Sehr empfindliche Stellen wie der Hals oder die Geschlechtsorgane sollten nur mit schwachen Präparaten behandelt werden.

Möglich ist auch, zwischen Präparaten verschiedener Stärke zu wechseln. So bevorzugen es manche Ärztinnen und Ärzte, die Behandlung mit einem stärkeren Mittel zu beginnen, um den Schub möglichst schnell in den Griff zu bekommen und dann nach wenigen Tagen auf ein schwächeres Mittel zu wechseln. Andere fangen lieber mit einem schwachen Mittel an und wechseln erst auf ein stärkeres, wenn das erste Mittel nicht ausreichend wirkt. Am besten man bespricht die Strategie, die man selbst bevorzugt, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Wie wird Kortison angewendet?

Kortisonsalbe oder -creme wird ein- oder zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Viele Menschen machen dies morgens und / oder abends. Die Haut wird solange behandelt, bis die Entzündung abgeheilt ist. Wie lange dies dauert, lässt sich nicht genau vorhersagen. Die Behandlung kann zwischen einigen Tagen und sechs Wochen dauern. Dies hängt von der Stärke des Präparats und den betroffenen Hautstellen ab. Auf empfindliche Körperbereiche sollte Kortison in der Regel nicht länger als einige Tage aufgetragen werden.

Wichtig ist, die Haut auch während der Kortisonbehandlung weiter mit feuchtigkeitsspendenden Mitteln zu pflegen. Zwischen dem Auftragen des Kortisonpräparats und des Pflegeprodukts wird eine Pause von etwa 15 Minuten empfohlen, damit das Kortison richtig wirken kann. In welcher Reihenfolge die Mittel aufgetragen werden, spielt nach aktuellem Wissen keine Rolle.

Bei starker Neurodermitis kann die Haut erst mit Kortison behandelt und dann mit einem feuchten Umschlag abgedeckt werden, um die Wirkung zu verstärken. Die Vor- und Nachteile dieser Anwendung sind allerdings nicht gut untersucht. Einige Studien zeigen, dass sie ein höheres Risiko für Nebenwirkungen birgt. So kann es zu Entzündungen der Haarwurzeln und Hautinfektionen kommen. Bei dieser Art der Anwendung können außerdem größere Mengen Kortison in den Kreislauf gelangen. Daher ist es wichtig, vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen, ob dieses Vorgehen infrage kommt.

Die richtige Menge

Wie viel Kortisonsalbe oder -creme eingesetzt werden soll, hängt von der Größe der betroffenen Hautfläche ab. Zur Orientierung wird die sogenannte Fingerspitzeneinheit (FTU) verwendet. Sie entspricht der Menge Salbe, die mit der Tube auf das letzte Fingerglied eines Erwachsenen gedrückt wird (s. Grafik) – oder etwa 0,5 Gramm. 

Grafik: 1 Fingerspitzeneinheit (FTU) - wie im Text beschrieben1 Fingerspitzeneinheit (FTU)

 

Je nach Hautpartie wird das Auftragen folgender Mengen (FTU) empfohlen:

 Grafik: Empfohlene Salbenmenge für Kinder nach Alter und Körperfläche

 

Grafik: Empfohlene Salbenmenge für Erwachsene nach Körperfläche

Nebenwirkungen vermeiden

Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber Kortisonpräparaten, weil sie viel Negatives über Nebenwirkungen gehört haben. Tatsächlich hatten früher viele Menschen, die mit Kortison behandelt wurden, mit Nebenwirkungen zu tun. Der Grund dafür ist, dass Kortisonpräparate oft zu lange, zu häufig und in zu hoher Stärke eingesetzt wurden.

Die größte Sorge der meisten Betroffenen oder Eltern von Kindern mit Neurodermitis ist, dass die Haut durch das Kortison dünner werden könnte. Vergleichende Studien liefern aber keine Hinweise darauf, dass die Haut dauerhaft dünner wird, wenn man Kortisonpräparate nur zur Behandlung von Schüben und mit Bedacht einsetzt. Auch bei einer kurzzeitigen Anwendung kann die Haut dünner werden, sie erholt sich dann aber wieder.

Andere mögliche Nebenwirkungen sind leichte Pigmentstörungen der Haut (weiße Flecken) und die vorübergehende Bildung von Pickelchen. Es können auch sogenannte Teleangiektasien entstehen. Dies ist die medizinische Bezeichnung für kleine erweiterte Äderchen, die auf der Haut spinnennetzartig sichtbar werden. Außerdem kann eine Kortisonbehandlung Hautinfektionen begünstigen, da das Kortison die Abwehrfunktion der Haut hemmt.

Um Nebenwirkungen so weit wie möglich zu vermeiden, ist es wichtig, ein Präparat zu wählen, das dem Schweregrad der Neurodermitis angepasst ist und sich für die betroffene Hautstelle eignet. Bei längerer Anwendungsdauer sollte ein Mittel verwendet werden, das so stark wie nötig und so schwach wie möglich ist. Oft reicht es auch, das Mittel nur einmal täglich dünn aufzutragen. Nach dem aktuellen Forschungsstand sind zumindest stärkere Kortisonpräparate nicht wirksamer, wenn man sie zweimal täglich anwendet.

Wichtig ist zudem, die Haut während eines Schubs lange genug mit Kortison zu behandeln: Nämlich bis sie nicht mehr juckt und die Entzündung abgeheilt ist. Wenn die Behandlung zu früh beendet wird, kann der Ausschlag zurückkommen, was dazu führen kann, dass man am Ende mehr Kortison anwendet, als wenn man gleich ausreichend lange behandelt hätte.

Manche Menschen haben Angst vor schweren Nebenwirkungen, die den gesamten Körper betreffen. Wenn Kortison als Salbe oder Creme auf die Haut aufgetragen wird, gelangt aber viel weniger Wirkstoff in den Körper als wenn Kortison als Tablette eingenommen wird. Bei richtiger Anwendung ist das Risiko für schwere Nebenwirkungen daher sehr gering.

Ist Kortison in der Schwangerschaft sicher?

Eine Wissenschaftlergruppe hat Studien zur Sicherheit von Kortisoncremes und -salben in der Schwangerschaft untersucht. Sie wertete die Daten von mehr als einer Million Frauen und ihrer Babys aus und fand keinen Zusammenhang zwischen der Anwendung von schwachen oder mittelstarken Kortisonpräparaten und Schwangerschaftskomplikationen. Untersucht wurden unter anderem angeborene Fehlbildungen, das Geburtsgewicht und der Geburtszeitpunkt der Kinder. Wenn starke bis sehr starke Kortisonpräparate verwendet wurden, gab es Hinweise auf ein geringeres Geburtsgewicht – vor allem, wenn größere Mengen eingesetzt wurden. Ein Zusammenhang mit anderen Komplikationen wurde aber nicht gefunden.

Schüben vorbeugen

Bei Menschen mit mittelschwerer oder schwerer Neurodermitis, die regelmäßig Krankheitsschübe haben, kann eine sogenannte Intervalltherapie helfen, auch proaktive Therapie genannt. Dabei wird zusätzlich zur Basis-Hautpflege an zwei Tagen in der Woche eine Kortisonsalbe auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Die Häufigkeit von Schüben lässt sich dadurch deutlich verringern. Die Kortisonsalbe kann entweder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen oder mit einer Pause angewendet werden, etwa montags und donnerstags.

Eine Neurodermitis kann sich mit der Zeit bessern. Daher ist es sinnvoll, eine Intervalltherapie nach einer Weile zu unterbrechen, um herauszufinden, ob sie überhaupt noch nötig ist.

Pimecrolimus und Tacrolimus

Zur Behandlung von Neurodermitis sind noch zwei weitere Medikamente zugelassen: Pimecrolimus (Handelsname Elidel) und Tacrolimus (Handelsname Protopic). Dabei handelt es sich um Medikamente aus der Gruppe der sogenannten Calcineurin-Antagonisten. Sie werden auch als Immunmodulatoren bezeichnet und hemmen bestimmte Substanzen, die bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielen.

Pimecrolimus und Tacrolimus werden zweimal täglich dünn auf die entzündeten Hautstellen aufgetragen. Pimecrolimus ist als 1 %-Creme zugelassen. Tacrolimus gibt es in zwei Dosierungen: als 0,03 %-Salbe und als 0,1 %-Salbe.

Wann kommen Pimecrolimus oder Tacrolimus infrage?

Pimecrolimus ist zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Neurodermitis zugelassen, Tacrolimus zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis. Ihre Anwendung ist auf bestimmte Situationen beschränkt. Die Mittel können zum Beispiel verschrieben werden:

  • wenn Kortison die Beschwerden nicht ausreichend lindern kann.
  • zur Behandlung besonders empfindlicher Stellen wie dem Genitalbereich oder dem Gesicht, insbesondere an den Augenlidern.
  • wenn Kortison nicht vertragen wird.

Die Zulassung für Pimecrolimus und Tacrolimus 0,03 % gilt für Kinder ab zwei Jahren sowie für Jugendliche und Erwachsene. Tacrolimus 0,1 % darf erst ab einem Alter von 16 Jahren verordnet werden.

Wenn die Behandlung erfolgreich war, können Calcineurin-Antagonisten auch als proaktive Behandlung zur Vorbeugung weiterer Schübe eingesetzt werden. Das Mittel wird dann an zwei Tagen pro Woche jeweils einmal auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Zwischen den beiden Anwendungen sollen ein paar Tage Pause liegen. Pimecrolimus oder Tacrolimus könnte also zum Beispiel einmal am Montag und einmal am Donnerstag aufgetragen werden.

Wie wirksam sind Pimecrolimus und Tacrolimus und welche Nebenwirkungen können auftreten?

In Studien zeigte sich, dass Pimecrolimus und Tacrolimus Neurodermitis-Schübe lindern können. Sie sind aber nicht wirksamer als Kortisonpräparate in vergleichbarer Stärke. Beide Mittel können ebenfalls Nebenwirkungen haben. Vor allem in den ersten Tagen der Behandlung kann es zu Reizungen der Haut wie Brennen, Rötungen und Juckreiz kommen.

Wenn die Haut infiziert ist, sollte die Anwendung von Pimecrolimus und Tacrolimus nicht fortgesetzt werden.