Können Bewegungsübungen helfen?

Foto von Mann beim Krafttraining (PantherMedia / Robert Kneschke) Menschen mit Parkinson können durch Bewegungsübungen ihre Beweglichkeit und ihre Koordinationsfähigkeit verbessern. Regelmäßiges Training kann helfen, Alltagsaktivitäten besser zu bewältigen.

Bei der Parkinson-Krankheit werden Hirnzellen geschädigt, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Das Dopamin sorgt unter anderem dafür, dass elektrische Impulse vom Gehirn über die Nerven zu den Muskeln übertragen werden. Auf diese Weise werden zum Beispiel Bewegungen gesteuert. Typische Symptome einer Parkinson-Erkrankung sind Bewegungsarmut, Muskelsteife und Zittern in Ruhe. Menschen mit Parkinson können auch Probleme mit dem Gleichgewicht haben. Dadurch steigt das Risiko, zu stürzen und sich einen Knochenbruch zuzuziehen.

Bewegung und Sport als Ergänzung der Medikamentenbehandlung

Die medikamentöse Therapie zielt in der Regel darauf, das fehlende Dopamin zu ersetzen. Dadurch lassen sich häufig die Symptome lindern, aber nicht das Fortschreiten der Krankheit aufhalten. Die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit von Menschen mit Parkinson führt dazu, dass ihre Muskelkraft abnimmt. Bewegungsübungen und Sport sollen helfen, dies auszugleichen. Zudem liefern Studien Hinweise, dass sich Bewegung positiv auf das Gehirn auswirkt, etwa indem sie die Bildung von Gehirnzellen stimuliert und die Ausschüttung von Dopamin anregt. Ob dieser Effekt so stark ist, dass Menschen mit Parkinson spürbar davon profitieren, können jedoch nur Studien zeigen, in denen Menschen über einen längeren Zeitraum behandelt und beobachtet werden.

Studien zum Nutzen von Bewegungsübungen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Birmingham, Großbritannien, haben den Nutzen von Bewegung bei Parkinson untersucht. Sie fanden 39 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1827 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In diesen Studien wurden einer Teilnehmergruppe Bewegungsübungen angeboten, der anderen Gruppe nicht. Solche direkten Vergleiche sind nötig, um die Wirksamkeit von Behandlungen beurteilen zu können. 

In den Studien, die die britische Forschergruppe analysiert hat, wurden sehr unterschiedliche Bewegungsübungen untersucht. Die Übungen stammten unter anderem aus folgenden Bereichen: Dehnung (Stretching), Ausdauertraining, Muskelaktivierung und -entspannung, Krafttraining, Gleichgewichtstraining, Tanzen, Tai-Chi, Qigong sowie Geh- und Lauftraining. Einige neuere Studien untersuchten das sogenannte Cueing: Dabei bekommen die Betroffenen akustische oder optische Reize, die zum Beispiel Anlaufschwierigkeiten mindern sollen. Solche Reize können markierte Linien auf dem Boden sein, die eine Orientierung beim Gehen bieten, oder Klick-Geräusche, die den Schrittrhythmus vorgeben.

Sowohl die Übungen selbst als auch die Häufigkeit und Dauer des Trainings unterschieden sich. In den meisten Studien wurden die Übungen durch Physiotherapeutinnen oder Physiotherapeuten angeleitet. In einem Teil der Studien trainierten die Teilnehmenden in Gruppen, in den anderen einzeln. Die meisten Studien dauerten einige Wochen oder wenige Monate. Deshalb lässt sich nur sagen, wie sich die Maßnahmen kurzfristig – über einen Zeitraum von drei Monaten – auswirken. 

Bewegungsfähigkeit und Koordination verbessert

Die Studien zeigen, dass Bewegungsübungen eine positive Wirkung haben können. Die Personen, die an Bewegungsübungen teilnahmen, waren beweglicher, konnten etwas schneller gehen und ihr Gleichgewicht besser halten als Personen, die nicht an den Übungen teilnahmen.

In den Studien verbesserten die Bewegungsübungen die Mobilität und Beweglichkeit im Alltag. Um dies festzustellen, wurde beispielsweise folgender Test durchgeführt: Die Teilnehmenden sollten sich ohne fremde Hilfe aus einem Stuhl erheben, eine kurze Strecke gehen und sich wieder setzen. Solche Bewegungsabläufe klappten nach den Bewegungsübungen besser.

In einigen Studien wurde untersucht, wie sich der Schweregrad der Krankheit verändert. Dies wurde mithilfe einer Skala erfasst, die unter anderem folgende Bereiche misst: geistige Fähigkeiten und Stimmung, Bewältigung von Alltagsaktivitäten, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit. Dabei wurde festgestellt, dass Bewegungsübungen die Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit verbessern und so auch helfen konnten, Alltagsaktivitäten zu bewältigen.

Forschungsergebnisse zu möglichen Nebenwirkungen wie Verletzungen fehlen weitgehend. Einige Studien haben aber untersucht, ob Bewegungsübungen beeinflussen können, ob Menschen mit Parkinson seltener oder häufiger stürzen. Ihre Ergebnisse weisen aber weder auf das eine noch auf das andere hin.  

Unklar, welche Bewegungsübungen am effektivsten sind

Es gibt insgesamt zu wenige Studien zu einzelnen Übungsangeboten, um sagen zu können, ob bestimmte Übungen besser wirken als andere. Die Auswahl passender Übungen hängt auch von persönlichen Vorlieben sowie von der körperlichen und psychischen Situation des Einzelnen ab. So kann jemand, dessen Krankheit noch nicht sehr fortgeschritten ist, ein stärker belastendes Training wählen als jemand mit ausgeprägten Beschwerden.

Die Parkinson-Krankheit begleitet viele Menschen über Jahrzehnte. Welchen Einfluss konsequente Bewegungs- und Koordinationsübungen über einen langen Zeitraum haben, ist unklar. Man weiß zum Beispiel nicht, ob sie das Fortschreiten der Krankheit längerfristig hinausschieben können – auch wenn die vorliegenden Studien darauf hoffen lassen.

Schlagwörter: Alter und Pflege, G20, G25, Kopf und Nerven, Parkinson, Schüttellähmung