Ist eine Thrombose-Vorbeugung auf Flugreisen nötig?

Foto von Frauen im Flugzeug (PantherMedia / Jean-Marie Guyon) Die Gefahr, eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) zu entwickeln, ist für gesunde Flugreisende sehr gering. Wer ein erhöhtes Thromboserisiko hat, kann mit Kompressionsstrümpfen vorbeugen.

Zu einer tiefen Venenthrombose (TVT) kommt es, wenn sich in den Venen eines Menschen ein Blutgerinnsel bildet. Eine TVT kann zu Druckempfindlichkeit, Hautrötung, Erwärmung oder Schwellung meist am Unterschenkel führen. Oft verursachen sie aber auch gar keine Beschwerden und lösen sich von selbst wieder auf. Lange Flugreisen können Thrombosen begünstigen, wenn man die Beine während solcher Flüge kaum bewegt.

Eine Wissenschaftlergruppe der Universität Harvard in den USA hat nach Studien zu tiefen Venenthrombosen bei Flugreisen gesucht. Sie fand mehrere Studien, die das Thromboserisiko bei Flugreisen untersucht haben. Eine große Studie ging der Frage nach, wie häufig es bei Flügen von über vier Stunden Dauer zu Reisethrombosen kommt.

Reisethrombosen bei Langstreckenflügen sehr selten

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass nach einem Langstreckenflug von über vier Stunden ungefähr 2 von 10.000 Passagieren eine Reisethrombose entwickeln, die zu Beschwerden führt. Die Wissenschaftlergruppe fand außerdem heraus, dass das Risiko zunimmt, je länger man im Flugzeug unterwegs ist. In keiner der Studien wurde untersucht, ob eine TVT bei Passagieren auf Plätzen mit wenig Beinfreiheit häufiger ist als bei Passagieren auf Plätzen mit mehr Beinfreiheit.

Was bringen Kompressionsstrümpfe?

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat untersucht, ob das Tragen kniehoher Kompressionsstrümpfe das Risiko für eine Reisethrombose verringern kann. Dazu werteten sie die Ergebnisse von neun vergleichenden Studien aus, an denen gut 2600 Fluggäste teilnahmen. Die Hälfte der Passagiere trug Kompressionsstrümpfe, die andere Hälfte nicht. Nach dem Flug wurden sie in der Regel per Ultraschall untersucht, um festzustellen, ob sich ein Blutgerinnsel gebildet hat.

In den Studien wurden Strümpfe unterschiedlicher Hersteller untersucht. Sie waren knielang und übten einen Druck zwischen 15 und 30 mm Hg aus. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden angehalten, die Strümpfe spätestens zwei Stunden vor dem Flug anzuziehen. Die Flüge dauerten zwischen 7 und 15 Stunden. An den Studien nahmen vor allem Menschen mit einem eher niedrigen Thromboserisiko teil.

Die Studienergebnisse

In den Studien traten keine tiefen Venenthrombosen auf, die Beschwerden verursachten. Bei den Untersuchungen nach den Flügen wurden aber bei einigen Passagieren Thrombosen entdeckt, die sich nicht bemerkbar gemacht hatten. Dabei zeigte sich, dass die Kompressionsstrümpfe das Risiko für solche Thrombosen deutlich gesenkt hatten:

  • Ohne Kompressionsstrümpfe kam es bei 22 von 1000 Passagieren zu einer symptomlosen Reisethrombose.
  • Mit Kompressionsstrümpfen kam es bei 2 von 1000 Passagieren zu einer symptomlosen Reisethrombose.

Mit anderen Worten: Die Strümpfe konnten in diesen Studien 20 von 1000 Flugpassagieren vor einem Blutgerinnsel schützen.

Ein weiteres Ergebnis der Studien: Bei den Passagieren, die Kompressionsstrümpfe trugen, schwollen die Beine weniger an – das heißt, sie waren besser vor Wassereinlagerungen in den Beinen durch das lange Sitzen geschützt.

Wann werden Kompressionsstrümpfe empfohlen?

Das Risiko, auf längeren Flugreisen eine tiefe Venenthrombose zu entwickeln, die zu gesundheitlichen Problemen führt, ist sehr gering – vor allem für Menschen, die keine Risikofaktoren für eine TVT haben. Ob man dieses Risiko durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen weiter senken möchte, ist eine Frage der persönlichen Abwägung.

Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland und international sehen in der Regel keinen Anlass dazu, auf Langstreckenflügen Kompressionsstrümpfe zu tragen. Für Menschen mit bestimmten Risikofaktoren, die eine TVT unbedingt vermeiden möchten, sehen sie darin jedoch eine gute Möglichkeit zur Vorbeugung. Ein erhöhtes Risiko hat zum Beispiel, wer bereits eine TVT hatte oder an Krebs erkrankt ist.

Welche Alternativen gibt es?

Andere Möglichkeiten, die empfohlen werden, um das Risiko für eine Reisethrombose zu senken, sind:

  • während des Flugs möglichst häufig aufzustehen und umherzugehen
  • Übungen für die Wadenmuskeln zu machen, zum Beispiel mit den Füßen zu wippen
  • sich wegen der größeren Bewegungsfreiheit möglichst einen Sitzplatz am Gang zu reservieren
  • ausreichend zu trinken
  • bequeme, locker sitzende Kleidung zu tragen

Wie wirksam diese Maßnahmen sind, wurde bislang jedoch nicht in Studien untersucht.