Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) bei allergischem Schnupfen

Foto von Ärztin und Patientin (PantherMedia / Iakov Filimonov) Menschen mit Heuschnupfen, Hausstaub- oder Tierallergie müssen häufig niesen, ihre Nase läuft oder ist verstopft. Wenn die Beschwerden sehr ausgeprägt und belastend sind, versuchen es viele Menschen mit einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie). Diese Behandlung soll das Immunsystem an Allergieauslöser gewöhnen, damit es weniger stark auf sie reagiert.

Das Ziel einer Hyposensibilisierung ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern. Sie muss regelmäßig wiederholt werden und hilft erst nach längerer Zeit. Der Begriff Hyposensibilisierung beschreibt das Ziel der Behandlung: Sie soll weniger empfindlich machen. Denn wenn ein Mensch gegen etwas allergisch ist, reagiert sein Körper überempfindlich auf ein Allergen – die Substanz, die die allergische Reaktion bei ihm auslöst. Sein Organismus produziert Antikörper, um sich vor dem Allergen zu schützen, obwohl die Substanz harmlos ist. Die Antikörper sind Teil einer Kettenreaktion, die zu den allergischen Beschwerden führt.

Bei der Hyposensibilisierung werden Allergenextrakte verabreicht. Dadurch versucht man, dem Körper beizubringen, anders zu reagieren: Es ist in etwa so, als würde man gegen die eigene Allergie „geimpft“. Die Allergenextrakte können gespritzt oder als Tablette oder Tropfen eingenommen werden.

Bei welchen Allergien ist eine Hyposensibilisierung möglich?

Die Hyposensibilisierung eignet sich nicht für jede Allergie. Sie wird medizinisch „spezifische Immuntherapie (SIT)“ genannt, weil der Allergenextrakt individuell auf die allergische Reaktion einer Person angepasst werden muss. Diese Therapie-Allergene gibt es nicht für alle Allergieauslöser. Zugelassen sind derzeit Therapie-Allergene für

Eine Hyposensibilisierung ist aber auch mit Therapie-Allergenen möglich, die nicht zugelassen sind – etwa bei einer Allergie gegen Katzen oder Schimmel. Anders als bei den zugelassenen Therapie-Allergenen kann aber nicht garantiert werden, dass hierbei immer mit ausreichend wirksamen Zusammensetzungen behandelt wird.

Woraus besteht die Behandlung?

Bei einer Hyposensibilisierung wird einem Menschen wiederholt eine winzige Menge des Allergens verabreicht. Um dem Körper zu helfen, sich an das Allergen zu gewöhnen, ist die zugeführte Menge des Extrakts zunächst sehr klein. Die Dosis wird schrittweise erhöht, bis eine persönliche Höchstdosis erreicht ist, die dann in regelmäßigen Abständen gegeben wird. Sie sollte so hoch wie möglich sein, ohne eine zu starke allergische Reaktion auszulösen. Das bedeutet, sowohl die behandelte Person als auch die Ärztin oder der Arzt müssen sehr aufmerksam auf die Reaktionen achten.

Es gibt zwei Formen der Hyposensibilisierung:

Für eine Hyposensibilisierung mithilfe von Spritzen sind regelmäßige Arztbesuche nötig. Das Allergen wird dem Körper zunächst wöchentlich oder alle zwei Wochen zugeführt, später dann in größeren Abständen von meist vier Wochen. Bei einer sublingualen Immuntherapie werden die Tropfen oder Tabletten in der Regel täglich eingenommen.

Kann eine Hyposensibilisierung helfen?

Beide Formen der Hyposensibilisierung – also das Spritzen und die Einnahme unter die Zunge – sind wirksame Behandlungen. Viele Studien zeigen, dass sie die Beschwerden und den Medikamentenbedarf bei allergischem Schnupfen verringern können. Eine Besserung der Beschwerden ist schon im ersten Jahr möglich. Normalerweise dauert es aber mindestens zwei bis drei Jahre, bis die Behandlung ihre volle Wirkung zeigt.

Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht: Bei einigen Menschen kann die Therapie Niesreiz, Schleimhautschwellung, Augenjucken und -tränen nicht lindern. Manchmal verstärken sich die Symptome nach Ende der Behandlung auch wieder. Die Hyposensibilisierung hat aber wichtige Vorteile gegenüber allen anderen antiallergischen Behandlungen: Sie kann verhindern, dass sich die ursprüngliche Allergie auf neue Allergene ausweitet (Kreuzallergie) oder sich ein Asthma entwickelt. Zudem ist sie die einzige Therapie, die direkt an den Ursachen der Beschwerden ansetzt. Nach einer erfolgreichen Behandlung sind deshalb weniger oder gar keine Medikamente mehr nötig.

Studien zeigen, dass die Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen und ganzjährigem allergischem Schnupfen wirkt. Das heißt, die Behandlung eignet sich sowohl für Menschen, die gegen Baum-, Pflanzen- oder Gräserpollen allergisch sind, als auch für Menschen mit Allergie gegen Hausstaubmilben. Ihr Nutzen bei Tierallergie ist weniger gut untersucht. Einige Studien weisen aber darauf hin, dass die Therapie auch bei einer Katzenallergie wirksam sein kann.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Leichtere und vorübergehende Nebenwirkungen treten bei einer Hyposensibilisierung sehr häufig auf. Dies ist zu erwarten, wenn dem Körper eine Substanz zugeführt wird, auf die er normalerweise allergisch reagiert. Das Risiko für Nebenwirkungen hängt unter anderem davon ab,

  • wie empfindlich jemand reagiert,
  • wie hoch die Dosis ist und
  • welcher Wirkstoff gegeben wird.

Etwa 10 bis 60 von 100 Behandelten müssen mit leichtem Ausschlag an der Einstichstelle rechnen. Bei einer Einnahme von Allergenen kommt es häufig zu Juckreiz und Schwellungen im Mund. Bei bis zu 50 von 100 Behandelten kommt es mindestens einmal zu allergischen Reaktionen wie Niesen, tränenden Augen oder asthmatischen Beschwerden. Auch Müdigkeit und Kopfschmerzen können auftreten. Meist sind diese Nebenwirkungen leicht und vorübergehend, nur selten ist eine Behandlung erforderlich.

Falls starke Nebenwirkungen auftreten, wird die Dosis verringert. Dann ist es sinnvoll, auch andere mögliche Ursachen abzuklären. Kann eine andere Ursache für die Beschwerden gefunden und beseitigt werden, lässt sich die Dosis möglicherweise wieder steigern.

Selten: Die anaphylaktische Reaktion

Die größte Befürchtung bei einer Hyposensibilisierung ist, dass sie eine heftige allergische Reaktion auslöst – die anaphylaktische Reaktion. Dabei kann es unter anderem zu starkem Juckreiz, Übelkeit sowie Atem- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen. Im schlimmsten Fall ist eine anaphylaktische Reaktion lebensbedrohlich. Stärkere Reaktionen müssen sofort ärztlich behandelt werden. Dann wird der Wirkstoff Adrenalin gespritzt, der die gefährliche Überreaktion des Körpers schnell eindämmen kann.

Eine anaphylaktische Reaktion ist bei ansonsten gesunden Menschen sehr selten. Das Risiko dafür lässt sich nur grob abschätzen. In Studien trat nach weniger als 1 von 1000 Spritzen eine Reaktion auf, die mit Adrenalin behandelt werden musste. Dieses geringe Risiko ist jedoch der Grund für eine Vorsichtsmaßnahme: Nach jeder Behandlung mit einem Allergen-Extrakt muss man mindestens 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben. Außerdem ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt die Symptome einer anaphylaktischen Reaktion genau erklärt und auch Angehörige mit einbezieht. Falls sie zu einem späteren Zeitpunkt auftritt, kann dann sofort ärztliche Hilfe geholt werden.

Das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion ist für manche Menschen allerdings höher: So können bestimmte Herzprobleme das Risiko erhöhen und Betablocker die Behandlung möglicher Nebenwirkungen erschweren. Eine Hyposensibilisierung ist bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen daher normalerweise nur möglich, wenn Betablocker durch andere Medikamente ersetzt werden können. Für Menschen mit schwerem Asthma kommt eine Hyposensibilisierung infrage, wenn das Asthma gut kontrolliert und stabil ist. Wer schon einmal allergisch auf irgendeine Spritze reagiert hat, sollte die Ärztin oder den Arzt vor Beginn einer Hyposensibilisierung darüber informieren.

Was hilft besser: Spritzen, Tropfen oder Tabletten?

Die Frage, ob die verschiedenen Formen der Hyposensibilisierung unterschiedlich wirken, lässt sich noch nicht abschließend beantworten. Es gibt aber einige Studien, die die Behandlungen miteinander verglichen haben. Sie deuten darauf hin, dass die Behandlung mit Spritzen die Beschwerden etwas besser lindern könnte als das Verabreichen des Wirkstoffs als Tablette oder Tropfen unter die Zunge. Da die Behandlungen aber zumindest ähnlich gut wirken, ist es bei der Wahl der Therapieform möglich, nach persönlichen Vorlieben oder Abneigungen zu entscheiden.

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