Hören und Sprechen

Foto von Mutter mit Tochter und Sohn
PantherMedia / Kobyakov

Das Gehör ist besonders empfindlich für Töne, die wir selbst erzeugen können – zum Beispiel beim Sprechen, Rufen oder Singen. Die eigene Stimme können wir wiederum nur deshalb einsetzen, weil wir auch hören können.

Hören und Sprechen sind zwei eng verbundene Fähigkeiten. Sie ermöglichen es, per Sprache zu kommunizieren. Die Voraussetzung für das Sprechen ist jedoch ein funktionierendes Gehör.

Die Ohren nehmen Schallwellen auf und wandeln sie in Signale um, die über den Hörnerv ins Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden sie verarbeitet und letztlich bewusst wahrgenommen. Daran sind unter anderem Gehirngebiete beteiligt, die auch für das Sprechen benötigt werden. Fehlt der Sinneseindruck des Hörens von Geburt an, erlernt ein Kind nur schwer, Laute zu bilden, die von anderen als Sprache wahrgenommen werden können.

Warum hören wir Sprache besonders gut?

Schallwellen werden zum Beispiel durch das Vibrieren einer Klaviersaite ausgelöst – oder durch die Schwingungen der Stimmlippen im Kehlkopf.

Wie gut man etwas hört, hängt zum einen vom sogenannten Schalldruckpegel und zum anderen von der Tonhöhe ab – genauer gesagt von der Frequenz der Schallwellen. Der Schalldruckpegel wird in Dezibel (dB) angegeben, die Frequenz hat die Einheit Hertz (Hz).

Das Gehör ist für Frequenzen, die beim Sprechen entstehen, besonders empfindlich. Hier reicht schon ein relativ geringer Schalldruck aus, um die gesprochenen Worte und Sätze zu verstehen.

Die Sprachentwicklung hängt vom Hören ab

Kinder lernen über Zuhören und „Nachplappern“ (und sich dabei selber hören) die Sprache, die in ihrer Umgebung gesprochen wird. Sie können sogar mehrere Sprachen erlernen und später flüssig sprechen.

Vorrausetzung für dieses mühelose Erlernen von Sprache ist, dass das Gehör funktioniert: Wenn ein Kind stark schwerhörig oder gehörlos geboren und nicht behandelt wird, verzögert sich die sprachliche Entwicklung oder bleibt ganz aus. Der früher dafür verwendete Begriff „taubstumm“ sollte heute nicht mehr genutzt werden, da er oft als diskriminierend empfunden wird. Dies kann die Lernfähigkeit, aber auch die allgemeine persönliche und soziale Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Wie kann Verständigung ohne Hören gelingen?

Durch die rechtzeitige Versorgung mit einem Hörgerät oder einer Hörprothese (Cochlea-Implantat) gelingt es oft trotz der Hörbehinderung, akustische Reize wie gesprochene Sprache wahrzunehmen und dadurch selbst das Sprechen zu erlernen. Außerdem gibt es Möglichkeiten der Kommunikation, die auch ohne intaktes oder behandeltes Gehör erlernt werden können. Sie werden oft zusätzlich zu Hörgeräten und Cochlea-Implantaten genutzt. Dazu zählt die Gebärdensprache: Dabei werden Wörter und Sätze mithilfe von Gesten und Mimik dargestellt – das Hören wird also durch das Sehen ersetzt.

Eine andere Möglichkeit der Verständigung ist das Lippenlesen. Dabei achten gehörlose Menschen genau auf die Mundbewegungen einer sprechenden Person. Sie können daraus schließen, was die Person sagt. Über gezieltes Sprachtraining können sie auch selbst lernen, Laute mit Mund und Kehlkopf zu bilden und sich dann – wenn auch eingeschränkt – über gesprochene Sprache zu verständigen.

Wer Lippenlesen erlernt hat, kann sich auch mit hörenden Personen unterhalten, die keine Gebärdensprache beherrschen. Welche dieser beiden Kommunikationsmöglichkeiten sich besser eignet, ist aber schwer zu sagen.

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Erstellt am 10. März 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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