Hautpflege bei Neurodermitis

Foto von Mädchen bei einer Untersuchung durch einen Hautarzt (PantherMedia / imagepointfr) Bei einer Neurodermitis trocknet die Haut aus und wird rissig. Das begünstigt Juckreiz und beeinträchtigt die Schutzfunktion der Haut. Die grundlegende Behandlung einer Neurodermitis ist deshalb eine tägliche Hautpflege.

Bei einer Neurodermitis ist es sehr wichtig, die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Dies hilft gegen Juckreiz, schützt vor Entzündungen und beugt einer Verdickung der Haut vor. Studien weisen außerdem darauf hin, dass eine gute Hautpflege den Bedarf an Kortisonpräparaten senken kann.

Eine leichte Neurodermitis äußert sich vor allem durch trockene Haut. Sie gut zu pflegen, reicht häufig schon aus. Akute Hautausschläge werden zusätzlich mit entzündungshemmenden Salben behandelt, die zum Beispiel Kortison enthalten.

Da es sich bei rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Mitteln (Emollentien) meist nicht um Arzneimittel handelt, können Ärztinnen und Ärzte sie in der Regel nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Das heißt, sie müssen selbst bezahlt werden – mit wenigen Ausnahmen: Bestimmte Präparate, die es nur in der Apotheke gibt, können für Kinder bis zum 12. Geburtstag ärztlich verordnet werden.

Wie unterscheiden sich Salben, Cremes und Lotionen?

Emollentien bestehen hauptsächlich aus Fetten und Wasser. Wie dickflüssig ein Produkt ist, hängt davon ab, wie viel Fett es im Verhältnis zu anderen Inhaltsstoffen enthält und welche Fette verwendet werden:

  • Salben: Salben bilden einen dicken Schutzfilm und verhindern dadurch, dass sie austrocknet.
  • Cremes: Cremes enthalten mehr Wasser als Salben. Sie haben eine weniger feste Konsistenz und lassen sich deshalb leichter und angenehmer auftragen.
  • Lotionen: Lotionen enthalten von allen Pflegeprodukten am meisten Wasser. Dies verdunstet leicht, was einen kühlenden und eher austrocknenden Effekt hat.

Manche Produkte enthalten zusätzlich wasserbindende Substanzen wie Harnstoff (Urea). Vor allem bei Kindern und Säuglingen können harnstoffhaltige Mittel die Haut reizen und leichtes Brennen auslösen.

Wie werden Pflegemittel angewendet?

Je höher der Fettanteil eines Pflegeprodukts ist, desto besser schützt es die Haut vor dem Austrocknen. Bei Neurodermitis wird deshalb oft zu einem fetthaltigen Mittel geraten. Salben haben aber den Nachteil, dass sie sich schlechter auftragen lassen, was die Haut wiederum reizen kann. Außerdem sind sie im Alltag weniger praktisch, weil sie nicht so schnell einziehen. Das Auftragen von flüssigeren Cremes ist angenehmer und einfacher. Lotionen eignen sich wegen ihres sehr hohen Wasseranteils bei sehr trockener Haut weniger gut. Wegen ihrer kühlenden und austrocknenden Wirkung werden sie vor allem bei nässender Haut eingesetzt.

Manche Menschen wählen die Mittel nach ihrem aktuellen Hautzustand und äußeren Einflüssen wie trockener oder feuchter Luft, Hitze oder Kälte aus: Zum Beispiel benutzen sie im Winter ein fetthaltigeres Produkt als im Sommer. Die Wahl der geeigneten Pflegeprodukte ist aber auch eine Frage der persönlichen Vorlieben. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass bestimmte Präparate besser sind als andere.

Wichtig ist: Viele Produkte enthalten Stoffe, auf die manche Menschen allergisch reagieren (Kontaktallergene). Es ist daher sinnvoll, bei der Wahl eines Mittels auf die Inhaltsstoffe zu schauen, um bekannte Reizstoffe zu meiden. Spezielle, zum Beispiel parfümfreie Produkte sind allerdings oft teurer. Hier hilft nur ausprobieren: Wer auch mit preisgünstigen Mitteln zurechtkommt, kann sie guten Gewissens benutzen.

Fachleute empfehlen, Emollentien zwei- bis dreimal am Tag anzuwenden und dabei darauf zu achten, eine ausreichende Menge auf die Haut aufzutragen.

Baden oder Duschen: Was ist besser für die Haut?

Beim Baden gelangt viel Feuchtigkeit in die Haut, außerdem werden dabei Hautschuppen und Reizstoffe an der Hautoberfläche gelöst und weggeschwemmt. Baden gilt deshalb bei Neurodermitis grundsätzlich als günstig. Es gibt jedoch keine Studien, die untersucht haben, ob Kinder und Erwachsene mit Neurodermitis besser baden oder duschen.

Sowohl beim Duschen als auch beim Baden wird empfohlen, warmes, aber nicht zu heißes Wasser zu verwenden und die Dauer auf 5 bis 10 Minuten zu beschränken. Zu heißes Wasser kann Juckreiz begünstigen und die Haut reizen. Das wichtigste ist, die Haut im Anschluss an das Bad oder die Dusche einzucremen oder einzuölen, damit die aufgenommene Feuchtigkeit nicht wieder verdunstet.

Oft wird empfohlen, Reinigungsprodukte zu verwenden, die einen niedrigen pH-Wert haben und keine Reiz- oder Duftstoffe enthalten. Seifenhaltige Produkte mit einem hohen pH-Wert können die Haut reizen und austrocknen. Allerdings gibt es zum Vergleich verschiedener Reinigungsprodukte bislang ebenfalls keine aussagekräftige Forschung.

Für Menschen mit Neurodermitis werden auch spezielle Badezusätze verkauft. Sie enthalten Öle oder andere Substanzen, die die Haut schützen und geschmeidig halten sollen. Es ist aber nicht nachgewiesen, dass solche Produkte einen Nutzen haben, wenn die Haut nach dem Baden ohnehin mit Emollentien eingecremt wird. Dermatologische Fachgesellschaften empfehlen diese Badezusätze daher nicht routinemäßig. Dies gilt auch für Produkte, die das Wasser weicher machen sollen.

Wenn die Haut akut entzündet ist, trägt man am besten direkt im Anschluss an das Bad oder die Dusche eine entzündungshemmende Creme auf (zum Beispiel mit Kortison). Die betroffenen Hautstellen sollten dann nicht oder nur vorsichtig mit einem Handtuch getrocknet werden, um sie nicht zusätzlich zu reizen.

Können feuchte Umschläge helfen?

Feuchte Umschläge werden vor allem bei Kindern und Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis eingesetzt. Dazu schneidet man zunächst zwei Stücke Wundverband in der richtigen Größe zu. Anschließend wird eine fettreiche Creme auf die Haut aufgetragen. Dann wird ein Verband mit lauwarmem Wasser angefeuchtet (überschüssiges Wasser auswringen) und auf die betroffene Hautstelle gelegt. Der zweite, trockene Verband wird auf den feuchten gelegt oder darum gewickelt.

Die Umschläge lindern den Juckreiz, indem sie die Haut feucht halten und kühlen. Außerdem schützen sie die Haut vor Schäden durch Kratzen. Es gibt keine zuverlässigen Studien, die die Vor- und Nachteile von feuchten Umschlägen untersucht haben. Viele Menschen empfinden sie aber als angenehm und machen die Erfahrung, dass sie damit zum Beispiel besser schlafen können.

Hilft spezielle Kleidung?

Raue Textilien wie Wolle oder grobes Leinen können die Haut reizen. Fein gewebte Bekleidung aus Baumwolle oder Seide ist bei empfindlicher Haut deshalb meist die bessere Wahl. Außerdem ist locker sitzende Kleidung oft angenehmer zu tragen als eng anliegende.

Es werden auch spezielle Stoffe aus Seide sowie Kleidung mit einer Silberbeschichtung verkauft, die die Vermehrung von Bakterien auf der Haut hemmen sollen. Bisherige Studien zeigen jedoch nicht, dass diese Produkte bei Neurodermitis helfen. Daher werden sie bislang auch nicht von dermatologischen Fachgesellschaften empfohlen.

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