Einleitung

Foto von Patientin und Ärztin (wavebreakmedia / iStockphoto / Thinkstock) Gebärmutterhalskrebs ist die Bezeichnung für Tumoren, die am untersten Teil der Gebärmutter entstehen können. Bereits in den 1960er Jahren wurde entdeckt, dass Gebärmutterhalskrebs in fast allen Fällen auf eine lange zurückliegende Infektion mit bestimmten Viren zurückgeht. Das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, lässt sich durch Vorbeugung und Krebsfrüherkennung nachweislich verringern. Der Gebärmutterhals (medizinisch: Zervix) ist der untere Teil der Gebärmutter. Er ist ein kräftiger Muskelschlauch, dessen Innenseite mit einer drüsenreichen Schleimhaut ausgekleidet ist. Sein unteres Ende bildet den Muttermund, der sich leicht in die Scheide vorwölbt. Die von den Drüsen der Schleimhaut produzierte zähe Flüssigkeit (der Zervixschleim) verhindert, dass Krankheitserreger aus der Scheide in die Gebärmutter eindringen können.

Gebärmutterhalskrebs (medizinisch: Zervixkarzinom) entsteht meist in der sogenannten Übergangszone des Muttermundes, in der die Schleimhaut der Scheide und des Gebärmutterhalses aneinandergrenzen. Die meisten Tumore entwickeln sich hier aus veränderten Zellen an der Oberfläche des Muttermunds. Sie werden Plattenepithelkarzinome genannt. Seltener kommt es vor, dass ein Krebs aus Drüsenzellen entsteht. Solche Tumore werden Adenokarzinome genannt.

Grafik: Gebärmutterhals und Muttermund

Symptome

Gebärmutterhalskrebs braucht meist Jahre bis Jahrzehnte, um sich aus gutartigen Vorstufen zu entwickeln. Diese Vorstufen sind harmlos und verursachen keine oder nur wenig Beschwerden. Hat sich ein Krebs entwickelt, macht er sich manchmal durch ungewöhnliche Blutungen bemerkbar, etwa nach Geschlechtsverkehr oder durch erneute Blutungen nach der Menopause (der letzten Regelblutung in den Wechseljahren).

Ursachen

Gebärmutterhalskrebs ist die seltene Folge einer Infektion mit bestimmten Viren, den sogenannten Humanen Papillomviren (HPV). Da sie sehr verbreitet sind, infizieren sich die meisten Frauen irgendwann im Laufe ihres Lebens. HP-Viren kommen nur beim Menschen vor und befallen Haut- und Schleimhautzellen. Es sind über 100 verschiedene HPV-Typen bekannt, davon haben sich etwa 40 auf den Genitalbereich spezialisiert und sind sexuell übertragbar. Dabei steckt man sich über den Kontakt mit infizierten (Schleim-)Hautzellen an – und höchstwahrscheinlich nicht über Sperma, Blut oder Speichel. Einige dieser Viren vermehren sich vor allem in Schleimhautzellen des Muttermundes.

Im Normalfall bleibt die Ansteckung unbemerkt und das Virus wird vom Immunsystem erfolgreich bekämpft. Dann verschwinden die Viren ohne weitere Folgen wieder. Bestimmte Virusvarianten, sogenannte Hochrisiko-Typen wie zum Beispiel „HPV 16“ oder „HPV 18“, setzen sich manchmal jedoch dauerhaft in Schleimhautzellen fest.

Sie können die Teilung der Zellen stören, die dadurch anfälliger werden für weitere Schäden. In seltenen Fällen kann sich aus diesen Zellen im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten ein Krebs entwickeln.

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Risikofaktoren

Bestimmte Gruppen von Frauen erkranken häufiger an Gebärmutterhalskrebs als andere. Dies gilt zum Beispiel für Raucherinnen, möglicherweise weil das Immunsystem die Viren weniger wirksam bekämpft. Da HPV bei sexuellen Kontakten übertragen wird, gelten alle Faktoren und Verhaltensweisen, die allgemein das Risiko für sexuell bedingte Infektionen erhöhen, auch als Risikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs. Das Risiko steigt also beispielsweise mit der Zahl der Sexualpartner oder -partnerinnen.

Häufigkeit

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 4800 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Im Laufe ihres Lebens erkranken etwa 90 von 10.000 Frauen an dem Tumor. Etwa ein Drittel der Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, stirbt daran.

Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs hängt auch vom Alter ab: Am häufigsten erkranken Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren. Von 10.000 Frauen dieser Altersgruppe entwickeln etwa 16 bis 18 in ihren nächsten zehn Lebensjahren einen Gebärmutterhalskrebs.

Die folgende Tabelle vermittelt einen Eindruck davon, wie stark das Risiko vom Alter abhängt. Sie zeigt, wie viele von 10.000 Frauen in einem bestimmten Alter in den nächsten zehn Jahren an Gebärmutterhalskrebs sterben. 
 

Von 10.000 Frauen im Alter von … … sterben in den nächsten 10 Jahren an Gebärmutterhalskrebs:
40 Jahren 4
50 Jahren 5
60 Jahren 6
70 Jahren 7

 In den letzten Jahrzehnten ist in Deutschland die Zahl der Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs sterben, deutlich zurückgegangen. Zu den Gründen zählt neben allgemeinen Verbesserungen der Lebensbedingungen und der Hygiene vermutlich auch die Einführung von Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in den 1970er Jahren.

Früherkennung

Auch wenn die Immunabwehr einer Frau es nicht schafft, HP-Viren zu bekämpfen, dauert es in der Regel Jahre bis Jahrzehnte, bis aus infizierten Schleimhautzellen Krebs entstehen kann. Während dieser Zeit verändern die betroffenen Zellen zunehmend ihr Aussehen, so dass man sie unter einem Mikroskop von normalen Zellen unterscheiden kann. Dies lässt sich zur Vorsorge und Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs nutzen. Dazu wird eine Zellabstrich-Untersuchung gemacht, auch als PAP-Test bekannt.

Seit einigen Jahren werden verschiedene chemische Tests angeboten, die nachweisen können, ob die entnommenen Schleimhautzellen HPV enthalten. Mithilfe eines solchen HPV-Tests lässt sich herausfinden, ob eine Frau ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs hat. Er dient daher nicht der Früherkennung, sondern der Vorsorge.

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Vorbeugung

Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich fast immer als seltene Spätfolge einer Ansteckung mit bestimmten HP-Viren. Deshalb sind – zumindest theoretisch – drei Wege der Vorbeugung möglich:

  • Sexuelle Enthaltsamkeit oder der Gebrauch von Kondomen
  • Impfung gegen HP-Viren
  • Früherkennung von noch gutartigen Gewebeveränderungen 

Wer sich sicher vor einer Ansteckung schützen wollte, müsste völlig enthaltsam sein oder einen Partner haben, die oder der ebenfalls keine anderen intimen Kontakte hat und hatte.

Kondome können wirksam vor vielen Geschlechtskrankheiten schützen und sind deshalb bei wechselnden Geschlechtspartnern auf jeden Fall sinnvoll. Kondome schützen aber nicht zuverlässig vor HPV, weil sie nicht alle möglicherweise befallenen Hautstellen im Genitalbereich abschirmen.

Für Mädchen und Frauen, die sich noch nicht mit HPV infiziert haben, steht eine Impfung zur Verfügung.

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Behandlung

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie groß ein Gebärmutterhalskrebs ist und wie weit er fortgeschritten ist. Bei einem Tumor in sehr frühem Stadium kann ein kleinerer Eingriff am Gebärmutterhals (Konisation) ausreichen. Hat sich der Tumor bereits in umliegendes Gewebe ausgebreitet, raten Ärztinnen und Ärzte gewöhnlich zu einer Operation, bei der die gesamte Gebärmutter entfernt wird (Hysterektomie). Zusätzlich werden die Lymphknoten weiträumig entfernt. Auch eine Bestrahlung kommt infrage. Bestrahlungen sind auch dann noch eine Möglichkeit, wenn ein Tumor nicht mehr durch eine Operation entfernt werden kann. Bei bestimmten Patientinnen kann sie mit einer Chemotherapie kombiniert werden.

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