Einleitung

Foto von Paar im Gespräch mit einer Ärztin (PantherMedia / Lev Dolgachov) Ungewollt kinderlos zu sein, ist für die meisten Betroffenen sehr belastend: Ein (weiteres) Kind zu bekommen, gehört zum Lebensplan vieler Frauen und Männer selbstverständlich dazu. Wenn sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllt, suchen viele Paare irgendwann medizinische Hilfe. Je nach den möglichen Ursachen der Fruchtbarkeitsstörung kommen verschiedene Behandlungen infrage.

Fruchtbarkeitsstörungen werden in der Medizin als „Unfruchtbarkeit“ bezeichnet, wenn ein Paar ein Jahr lang regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und sich kein Nachwuchs ankündigen will.

Ursachen

Die Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch können vielfältig sein. Zu den möglichen körperlichen Ursachen gehören zum Beispiel bei der Frau:

  • hormonelle Störungen,
  • Schädigungen des Eileiters oder der Eierstöcke,
  • Myome oder eine Endometriose.

Körperliche Ursachen beim Mann können zum Beispiel sein:

  • hormonelle Störungen,
  • eingeschränkte Samenqualität (beispielsweise zu wenige, nicht ausreichend bewegliche oder fehlgebildete Samenzellen),
  • verschlossene Samenleiter, deshalb keine Samenzellen im Ejakulat,
  • Erektionsstörungen.

Auch bestimmte Krankheiten, Infektionen, genetische, psychische oder Umwelteinflüsse können die Fruchtbarkeit stören. Diese Faktoren können einzeln oder zusammen dazu führen, dass ein Paar ungewollt kinderlos ist. Manchmal bleibt die Ursache aber auch unklar.

Nicht zuletzt spielt das Alter für die Fruchtbarkeit eine wichtige Rolle: Je älter das Paar und vor allem die Frau ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich ein Kinderwunsch auf natürlichem Wege schnell erfüllt.

Häufigkeit

In Europa bekommen Schätzungen zufolge etwa 1 bis 2 von 100 Frauen im Alter von 20 bis 44 Jahre kein erstes Kind, obwohl sie seit mehreren Jahren nicht verhüten und regelmäßig Geschlechtsverkehr haben. Etwa 10 von 100 Frauen, die schon mindestens ein Kind haben und sich noch ein Kind wünschen, sind betroffen.

Diagnose

Da die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit beim Mann, bei der Frau oder bei beiden gemeinsam liegen kann, ist es wichtig, dass sich beide Partner ärztlich untersuchen lassen. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt (Anamnese), außerdem körperliche Untersuchungen einschließlich einer Blutprobe. In der Regel wird der Hormonspiegel im Blut bestimmt. Beim Mann wird außerdem eine Samenprobe untersucht, bei der Frau eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter gemacht.

Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung. Die Entscheidung für eine Methode hängt vor allem davon ab, welches Problem bei der Frau oder dem Mann festgestellt wurde. So kommen zum Beispiel Hormonpräparate zum Einsatz, wenn der Zyklus der Frau gestört ist. Bei Myomen kann manchmal eine Operation helfen. Auch beim Mann können je nach Ursache der Fruchtbarkeitsstörung beispielsweise hormonelle oder operative Behandlungen eine Möglichkeit sein.

Wenn der Mann nur sehr wenig Samen bildet oder sich die Spermien nur schwach bewegen, kann der Samen direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen werden. Diese Behandlung wird Insemination genannt. Sie kann beispielsweise auch infrage kommen, wenn ein Paar keinen Geschlechtsverkehr haben kann oder wenn der Schleim im Bereich des Gebärmutterhalses (Zervixschleim) von den Samenzellen nicht durchdrungen werden kann. Eine Alternative ist eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF): Dabei werden der Frau mit einer dünnen Hohlnadel durch die Scheide Eizellen entnommen und nach dem Eingriff mit den Spermien des Mannes zusammengebracht. Zuvor müssen die Eierstöcke der Frau durch eine Hormonbehandlung angeregt werden, in einem Zyklus gleichzeitig mehrere reife Eizellen freizugeben. Diese Hormonbehandlung kann wegen ihrer Nebenwirkungen sehr belastend sein.

Die Befruchtung findet außerhalb des Körpers der Frau im Labor statt. Bei der IVF werden Samenzellen zu einer Eizelle gegeben, die Befruchtung findet dann von selbst statt. Bei der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird eine Samenzelle direkt mit einer feinen Nadel in eine Eizelle eingespritzt.

Wenn die Befruchtung erfolgreich war und sich die Eizellen weiterentwickeln, setzt die Ärztin oder der Arzt nach einigen Tagen höchstens drei Embryonen in die Gebärmutter ein. Für den seltenen Fall, dass sich mehr Eizellen zu Embryonen entwickelt haben, können sie auf Wunsch der Frau entweder tiefgefroren (kryokonserviert) oder vernichtet werden. Dies gilt auch für Eizellen im sogenannten Vorkernstadium, in dem die Chromosomensätze der Samenzelle und der Eizelle noch nicht vollständig miteinander verschmolzen sind. Kryokonservierte Embryonen oder befruchtete Eizellen können dann in einem späteren Zyklus aufgetaut und eingesetzt werden, wenn die erste Übertragung nicht erfolgreich war.

Was Studien sagen

Weitere Informationen

Das Portal www.familienplanung.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert über Kinderwunsch, Fruchtbarkeitsstörungen und Behandlungsmöglichkeiten.

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