Entwicklungsstörungen der Sprache

Foto von Mutter und Kind mit Buch (PantherMedia / _ella_) Entwicklungsstörungen der Sprache zeigen sich meist schon in den ersten Lebensjahren. Die Kinder können im Alltag gezielt gefördert werden und eine Sprachtherapie erhalten. Mit der Zeit bessern sich die Sprachprobleme dann oft.

Etwa 5 bis 8 % aller Kinder haben eine Entwicklungsstörung der Sprache. Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Einige dieser Kinder entwickeln zusätzlich eine Lese- und Rechtschreibschwäche.

Sprachprobleme deuten sich oft im Alter von zwei bis drei Jahren an. In diesem Alter ist es aber nicht immer leicht zu unterscheiden, ob ein Kind eine Sprachentwicklungsstörung hat oder nur etwas langsamer ist. Gerade in dieser Zeit gibt es große Unterschiede unter gleichaltrigen Kindern. Sogenannte „Late Talkers“ (späte Sprecher) sprechen zwar mit 24 Monaten weniger Wörter als die meisten anderen gleichaltrigen Kinder – allerdings holt etwa die Hälfte dieser Kinder bis zum 3. Geburtstag wieder auf. Die anderen entwickeln eine Sprachentwicklungsstörung.

Wie äußert sich eine Sprachentwicklungsstörung?

Ein Kind mit einer Sprachentwicklungsstörung hat Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder andere zu verstehen. Man unterscheidet

  • Probleme beim Sprachausdruck (expressive Sprachstörung): Das Kind lernt deutlich später sprechen als andere oder hat nur einen geringen Wortschatz. Es lässt Wörter aus oder ersetzt sie durch falsche Begriffe. Vielleicht spricht es grammatikalisch auffällig falsch (vertauscht beispielsweise ständig Satzteile) oder hat Schwierigkeiten, Inhalte auszudrücken. Viele haben auch Probleme, einzelne Laute zu bilden.
  • Probleme beim Sprachverständnis (rezeptive Sprachstörung): Den Kindern fällt es schwer zu verstehen, was andere ihnen sagen. Das führt zum Beispiel dazu, dass sie einfachen Aufforderungen nicht folgen oder unangemessen reagieren.

Bei einer Sprachentwicklungsstörung liegen diese Fähigkeiten deutlich unter dem Niveau, das für das Alter des Kindes zu erwarten wäre.

Welche Folgen hat die Entwicklungsstörung?

Mit den Jahren können sich die Sprachprobleme bessern oder ganz legen. Dies gilt vor allem für Probleme mit der Aussprache. Sprachprobleme, die bis ins Erwachsenenalter anhalten, können dauerhaft beeinträchtigen. Dies gilt besonders für Probleme beim Sprachverständnis.

Manche Kinder sind aufgrund ihrer Sprachprobleme wenig selbstbewusst und ängstlich. Vielleicht sind sie auch Hänseleien ausgesetzt und psychisch belastet.

Eine Sprachentwicklungsstörung kann das Risiko für eine Lese- und Rechtschreibstörung erhöhen. Zudem fällt Kindern, die sprachlich vermittelte Informationen nur schlecht verstehen, das Lernen insgesamt schwerer. Das kann nicht nur sprachliche, sondern auch andere Fächer wie Mathematik betreffen: zum Beispiel, wenn ein Kind Aufgaben nicht lösen kann, weil es ihren Text nicht versteht. Probleme beim Lernen können einen schlechteren Schulabschluss zur Folge haben und die Berufswahl einschränken.

Wie wird eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt?

Erste Hinweise können die U-Untersuchungen in der kinder- oder hausärztlichen Praxis geben. Dabei werden zunächst die Eltern zur sprachlichen Entwicklung ihres Kindes befragt. Danach folgen gezielte Sprachtests und ergänzende Untersuchungen des Kindes.

Ein auffälliger Sprachtest allein sagt aber nur wenig aus: Es kann sein, dass ein Kind einfach etwas langsamer sprechen lernt als Gleichaltrige – oder es hat beim Sprachtest nicht gut mitgemacht, weil es aufgeregt war. Auch Kinder mit Migrationshintergrund schneiden bei Sprachtests, die nicht in ihrer Muttersprache abgefasst sind, im Schnitt schlechter ab.

Eine Sprachentwicklungsstörung kann erst nach weitergehenden Untersuchungen festgestellt werden. Diese werden in erster Linie durch Fachärztinnen und -ärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen (Phoniatrie und Pädaudiologie) durchgeführt, ergänzend auch in einer logopädischen oder anderen Facharztpraxis.

Neben der Sprachentwicklung wird auch die psychische und emotionale Entwicklung des Kindes beurteilt. Zudem wird das Gehör untersucht, da Sprachprobleme manchmal aufgrund unerkannter Hörprobleme entstehen.

Eine zuverlässige Diagnose einer Sprachentwicklungsstörung ist meist erst ab einem Alter von drei Jahren möglich.

Welche Förder- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei einer Sprachentwicklungsstörung gibt es folgende Unterstützungsmöglichkeiten:

  • Sprachförderung, etwa in der Familie und im Kindergarten: Um die Sprachentwicklung anzuregen, eignen sich zum Beispiel häufige Gespräche mit dem Kind, Vorlesen oder Singen. Manche Kindergärten bieten auch spezielle Programme zur Sprachförderung an. Zudem kann es sinnvoll sein, weniger Filme zu schauen oder Computerspiele zu machen, wenn ein Kind sehr viel Zeit damit verbringt.
  • Sprachtherapie, meist bei einer Logopädin oder einem Logopäden: Im Rahmen einer Sprachtherapie werden meist ein- bis zweimal wöchentlich gezielte, aber kindgerechte Übungen gemacht, um zum Beispiel die Aussprache, Atmung oder Stimmbildung zu trainieren, den Wortschatz zu erweitern und die Satzbildung und Grammatik zu verbessern. Auch die Sprachwahrnehmung wird trainiert, also zum Beispiel die Fähigkeit, bestimmte Laute zu unterscheiden.

Auch als Eltern ist es wichtig, sich beraten zu lassen, wie man am besten mit den Einschränkungen des Kindes umgehen und es unterstützen kann. Vielleicht benötigt das Kind auch eine psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung, um mit Problemen im Kindergarten oder in der Schule zurechtzukommen. Solche Hilfe ist vor allem auch dann sinnvoll, wenn zugleich Verhaltensprobleme oder psychische Schwierigkeiten bestehen.