Der Impfstoff Janssen (Janssen-Cilag, Johnson und Johnson) zur Impfung gegen Corona

Foto der Desinfektion eines Oberarms vor einer Impfung
PantherMedia / Tapanakornkaow@gmail.com

Der Impfstoff Janssen (Ad26.COV2.S, Janssen-Cilag/Johnson und Johnson) ist ein Impfstoff gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2. Der Impfstoff wurde zur Zulassung in einer Studie mit etwa 44.000 Teilnehmenden erprobt. Nach den Ergebnissen kann er vor Covid-19 schützen, der Erkrankung durch dieses . Vorübergehende Nebenwirkungen der Impfungen wie Schmerzen an der Einstichstelle und Beschwerden wie Kopf- und Muskelschmerzen sowie Fieber sind zwar häufig, bleiben aber meist leicht. Fragen zur längerfristigen Wirkung des Impfstoffs lassen sich im Moment noch nicht beantworten.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Impfstoff nur für Personen ab 60 Jahren.

Art des Impfstoffs

Der Impfstoff Janssen (vorher: Ad26.COV2.S) ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff. Der Impfstoff besteht aus den "Hüllen" harmloser Viren, die den „Bauplan“ (Abschnitt der ) für ein Eiweiß auf der Oberfläche des Coronavius SARS-CoV-2 enthalten. Diese Vektoren werden von Körperzellen aufgenommen, die dann für eine kurze Zeit dieses Corona-Eiweiß (S-Protein) herstellen. Dadurch wird das angeregt, Abwehrstoffe ( und T-Zellen) gegen das S-Protein zu bilden. Wenn die geimpfte Person später in Kontakt mit diesem Coronavirus kommt, wird dieser schnell durch das erkannt und gezielt bekämpft.

Durch die entstehen keine Coronaviren. Auch die Vektoren können sich nicht vermehren.

Informationen zu weiteren Inhaltsstoffen finden sich im Beipackzettel.

Für wen ist der Impfstoff Janssen zugelassen?

Die EU-Kommission hat den Impfstoff Janssen am 11. März 2021 in der europäischen Union für Personen ab 18 Jahren zugelassen.

Der Hersteller Janssen-Cilag ist eine Tochter des US-Unternehmens Johnson und Johnson (J&J). Deshalb wird der Impfstoff auch als "Johnson und Johnson-Impfstoff" bezeichnet.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch Instituts informiert darüber, welchen Personengruppen in Deutschland in welcher Reihenfolge eine Corona-Impfung angeboten wird.

Die STIKO empfiehlt den Impfstoff nur für Personen ab 60 Jahren. Jüngere Männer und Frauen können jedoch nach ärztlichem Ermessen, persönlicher Risikoabwägung und sorgfältiger Aufklärung eine mit Janssen erhalten.

Zugelassene Corona-Impfstoffe

In Deutschland stehen folgende Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zur Verfügung:

Tabelle: In Deutschland zugelassene Corona-Impfstoffe
Name des Impfstoffs Altersgruppe Hersteller Zulassung
Comirnaty ab 16 Biontech/Pfizer Dezember 2020
Comirnaty ab 12 Biontech/Pfizer steht noch aus
Covid-19 Vaccine Moderna ab 18 Moderna Biotech
Januar 2021
Vaxzevria/Covid-19 Vaccine AstraZeneca ab 18 AstraZeneca Januar 2021
Covid-19 Vaccine Janssen ab 18 Janssen-Cilag/Johnson und Johnson März 2021

Wie läuft die Impfung ab?

Der Impfstoff Janssen wird in die Muskulatur eines Oberarms gespritzt. Es ist nur eine Spritze erforderlich.

Wie wurde der Impfstoff Janssen untersucht?

Der Impfstoff wurde zur Zulassung in einer Studie mit insgesamt etwa 44.000 Teilnehmenden untersucht. Die letzte Auswertung erfolgte Januar 2021. Bis dahin waren im Mittel () etwa 2 Monate nach der vergangen.

Die Studie hat untersucht, wie gut der Impfstoff Janssen eine Erkrankung mit Covid-19 verhindern konnte. Darunter fielen alle Arten von Erkrankungen, von leicht bis schwer.

Wer nahm an der Studie teil?

Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 100 Jahren alt. Etwa 40 % waren älter als 60 Jahre. Neben Gesunden nahmen auch Personen mit leichteren chronischen Erkrankungen teil. Unter letzteren waren auch Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes, bei denen das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöht ist. Es nahmen etwas mehr Männer (55 %) als Frauen (45 %) teil.

Welche Studiengruppen gab es?

Eine Hälfte der Teilnehmenden bekam den Impfstoff Janssen, die andere ein Scheinmedikament () in Form einer Kochsalzlösung.

Wer wurde von der Teilnahme ausgeschlossen?

Ausgeschlossen wurden beispielsweise Personen mit bestimmten akuten Beschwerden wie Fieber, einer Immunschwäche oder anderen speziellen Risiken. Auch Kinder und Jugendliche sowie Schwangere und stillende Mütter nahmen nicht teil.

Wie gut wirkt der Impfstoff Janssen?

In der Zulassungsstudie wurde untersucht, wie gut die eine durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Covid-19-Erkrankung verhindern konnte. Covid-19-Erkrankung hieß: neben einem positiven PCR-Test mussten Symptome wie beispielsweise Fieber, Husten oder Atemnot vorliegen.

Wie gut beugt die Impfung einer Covid-19-Erkrankung vor?

Um die Zahlen besser vergleichen zu können, haben wir alle Ergebnisse auf 10.000 Personen umgerechnet.

Tabelle: Wirksamkeit des Impfstoffs Janssen/Johnson und Johnson
Wie viele Personen erkrankten an Covid-19?
Janssen
101
von
10.000
34
von
10.000
Prozentuale Verringerung des Risikos: ca. 66 %

Die Tabelle zeigt: Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, sank durch die mit Janssen um etwa 66 %. Der Schutz beginnt etwa 2 Wochen nach der Spritze.

Zum Vergleich: Die Grippe-Impfung hat im Durchschnitt eine Wirksamkeit von 60 %.

Die schützte in den unterschiedlichen Altersgruppen ähnlich gut. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen war der Impfstoff etwas weniger wirksam (etwa 60 %).

Wie gut beugt die Impfung schweren Verläufen vor?

Es wurde auch untersucht, ob eine mit Janssen schwere Krankheitsverläufe vermeiden kann. Eine schwere Covid-19-Erkrankung hieß unter anderem: Jemand hatte eine sehr niedrige Sauerstoffsättigung, sodass er zum Beispiel eine Behandlung mit Sauerstoff benötigte, einen Kreislaufschock, Lungenversagen, wurde auf eine Intensivstation verlegt oder starb an Covid-19.

Tabelle: Wirksamkeit von Janssen/Johnson und Johnson - schwere Covid-19-Erkrankungen
Wie viele Personen erkrankten schwer an Covid-19?
Janssen
18
von
10.000
3
von
10.000
Prozentuale Verringerung des Risikos: ca. 85 %

Die Tabelle zeigt: Der Impfstoff Janssen konnte das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich verringern (um 85 %).

In der Placebogruppe starben 7 Menschen an Covid-19 (4 von 10.000). In der Impfstoffgruppe starb dagegen niemand an der Erkrankung.

Zudem mussten nur wenige der schwer erkrankten Personen in der Impfstoffgruppe in ein Krankenhaus aufgenommen werden.

Ist die Impfung auch für Menschen sinnvoll, die bereits eine SARS-CoV-2-Infektion hinter sich haben?

Menschen, die bereits infiziert waren, haben einen gewissen Schutz vor einer Erkrankung mit COVID-19. Laut der STIKO reicht in diesem Fall eine einmalige aus, um ausreichend geschützt zu sein. Die sollte frühestens 6 Monate nach der erfolgen.

Wie wirksam ist der Impfstoff gegen Varianten des Corona-Virus?

In verschiedenen Ländern und Regionen treten Varianten des Corona-Virus auf. Diese Varianten unterscheiden sich zum Beispiel durch Mutationen des S-Proteins voneinander. Sie werden wissenschaftlich untersucht, unter anderem um festzustellen, ob sie leichter von Mensch zu Mensch übertragbar sind und wie gut die vorhandenen Impfstoffe schützen.

Die Studie zum Impfstoff Janssen fand in den USA, Brasilien und Südafrika statt. Die Ergebnisse zeigen, dass die wirksam ist gegen die während der Studie häufigen Varianten in diesen Ländern. Die sich auch in Deutschland ausbreitende "britische " (B.1.1.7) trat bei den Teilnehmenden nicht auf.

Das Robert Koch-Institut (RKI) überwacht die in Deutschland vorkommenden Corona-Varianten und aktualisiert regelmäßig seine Einschätzung der Wirksamkeit der Impfstoffe.

Kann man trotz Impfschutz das Coronavirus übertragen?

Wer geimpft ist, gibt das nach Einschätzung des RKI nur noch selten weiter. Manche stecken sich zwar trotz mit dem Coronavirus an, das vermehrt sich dann aber in kleineren Mengen und verschwindet auch schneller wieder. Trotzdem werden auch Geimpften derzeit noch die allgemeinen Schutzmaßnahmen empfohlen.

Welche Nebenwirkungen hat der Impfstoff?

Es ist normal, dass nach einer bestimmte Nebenwirkungen auftreten. Denn es kann zeigen, dass der Körper auf den Impfstoff reagiert und Abwehrstoffe bildet. Meist sind diese Impfreaktionen leicht und legen sich innerhalb einiger Tage wieder.

Impfreaktionen von Janssen / Johnson und Johnson

Die folgenden Zahlen stammen aus der Zulassungsstudie. Um sie besser vergleichen zu können, haben wir alle Ergebnisse auf Prozent umgerechnet.

Tabelle: Impfreaktionen von Janssen / Johnson und Johnson
Wie häufig traten vorübergehende Impfreaktionen auf? Placebo Janssen
Reaktionen an der Einstichstelle
(wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung)
Bei 19 % Bei 50 %
Körperliche Beschwerden
(wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Muskelschmerzen, Übelkeit, Fieber)
Bei 35 % Bei 55 %

Impfkomplikationen von Janssen / Johnson und Johnson

Nach der Zulassung des Impfstoffs Janssen traten bei einzelnen Personen nach der Blutgerinnsel an ungewöhnlichen Stellen auf. Dazu gehören Venen von Kopf (Sinusvenenthrombose) und Bauch (splanchnische Venenthrombose). Außerdem ist die Anzahl an () im Blut oft auffallend gering.

Eine Auswertung dieser Verdachtsmeldungen durch die EMA zeigt, dass sich diese Blutgerinnsel nur sehr selten bilden. Die meisten von ihnen traten bei Frauen unter 60 Jahren und innerhalb von drei Wochen nach der auf.

Wenn innerhalb von drei Wochen nach der mit dem Impfstoff Janssen eines der folgenden Symptome auftritt, soll schnell eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht und auf die hingewiesen werden:

  • Atemnot
  • Schmerzen in der Brust oder im Magen
  • Schwellung in einem Bein
  • schwere oder sich verschlimmernde Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen
  • mehrere kleine Blutergüsse, rötliche oder violette Flecken oder Blutbläschen unter der Haut.

Wie wird die Sicherheit der Impfstoffe überwacht?

Sehr seltene Nebenwirkungen können während der Zulassungsstudien eines Impfstoffs meist nicht erkannt werden. Deshalb überwachen internationale Behörden nach der Zulassung von Impfstoffen immer die Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen. In Deutschland veröffentlicht das Paul-Ehrlich-Institut dazu regelmäßig "Sicherheitsberichte".

Wenn jetzt nach und nach in Deutschland und weltweit Millionen von Menschen gegen Corona geimpft werden, ist allein aufgrund von Zufall zu erwarten, dass immer wieder nach einer schwerere Erkrankungen auftreten.

Die Behörden müssen dann genau prüfen, ob tatsächlich ein Zusammenhang mit der besteht oder ob es sich um Zufall handelt. Diese Prüfung führt dann unter Umständen dazu, dass die Liste der möglichen Nebenwirkungen im Laufe der Zeit ergänzt wird.

Nach der Impfung: Welche Vorsichtsmaßnahmen werden empfohlen?

Die Arzneimittelbehörden empfehlen, Geimpfte nach der Spritze für mindestens 15 Minuten zu beobachten, um auf unmittelbare Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen reagieren zu können.

Bei bestimmten Menschen könnte das Risiko für Nebenwirkungen durch den Impfstoff höher sein. Deshalb ist es wichtig, beim Aufklärungsgespräch vor der zu klären, ob jemand

  • schon einmal eine schwere allergische Reaktion nach einer früheren hatte,
  • nach einer schon einmal ohnmächtig wurde (beispielsweise aus Stress oder Angst vor der Spritze),
  • gerade eine schwere Erkrankung oder eine mit hohem Fieber hat,
  • eine Störung der hat oder leicht zu Blutungen neigt,
  • schwanger ist (oder dies vermutet) oder stillt.

Das gilt auch für Personen mit einem geschwächten , beispielsweise durch HIV oder durch die Einnahme von Medikamenten wie .

Der Vektor-Impfstoff Janssen ist kein Lebendimpfstoff. Er kommt deshalb grundsätzlich auch für Menschen mit einen geschwächten infrage.

Welche Fragen sind noch offen?

Unklar ist:

  • Wie lange hält der Impfschutz an?
  • Gibt es weitere seltene Nebenwirkungen, die sich bisher nicht zeigten?
  • Gibt es verzögerte Nebenwirkungen, die sich erst Monate nach der zeigen?
  • Wie wirksam und sicher ist der Impfstoff bei Gruppen, die in den Studien entweder gar nicht oder kaum eingeschlossen waren (zum Beispiel Kinder, Schwangere oder Menschen mit einer starken Immunschwäche)?
  • Wie gut schützt die vor Langzeitschäden durch Covid-19?
  • Wie wirksam werden auch asymptomatische Infektionen verhindert?
  • Wie gut verhindert der Impfstoff die Übertragung des Coronavirus?

Die Zulassungsstudie zum Impfstoff Janssen wird fortgesetzt. Zudem wurde eine weitere Studie begonnen, in der die Wirksamkeit von zwei Impfspritzen untersucht wird. Auch die Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren wird noch untersucht. Deshalb kann es in den nächsten Monaten noch weitere Erkenntnisse zur Wirksamkeit und zu Nebenwirkungen geben.

European medicines Agency (EMA). COVID-19 Vaccine Janssen. 2021

European medicines Agency (EMA). COVID-19 Vaccine Janssen safety update. 2021

Food and Drug Administration (FDA). Vaccines and Related Biological Products Advisory Committee Meeting February 26, 2021. FDA Briefing Document. Janssen Ad26.COV2.S Vaccine for the Prevention of COVID-19. 2021.

Janssen Vaccines & Prevention B.V. A Randomized, Double-blind, Placebo-controlled Phase 3 Study to Assess the Efficacy and Safety of Ad26.COV2.S for the Prevention of SARS-CoV-2-mediated COVID-19 in Adults Aged 18 Years and Older. ENSEMBLE. 2020.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Seite kommentieren

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise zu Beratungsangeboten finden Sie hier.

Aktualisiert am 28. Mai 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

So halten wir Sie auf dem Laufenden

Folgen Sie uns auf Twitter oder abonnieren Sie unseren Newsletter oder Newsfeed. Auf YouTube finden Sie unsere wachsende Videosammlung.