Borreliose

Foto von Ärztin beim Entfernen einer Zecke
PantherMedia / Alexander Raths

Manche Zecken übertragen bei einem Stich eine Borreliose auf den Menschen. Entfernt man die Zecke frühzeitig, kann das vor der Bakterieninfektion schützen. Eine Borreliose wird in der Regel mit behandelt. Unbehandelt kann die zu Folgeerkrankungen führen. Dies ist aber selten.

Die Borreliose ist eine durch ausgelöste Infektionskrankheit. Sie ist häufiger als die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die auch durch Zecken übertragen werden kann. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3 von 10.000 Menschen an einer Borreliose.

Wie erkennt man eine Borreliose?

Bei einer Borreliose entzündet sich zunächst die Haut in der Nähe der Einstichstelle. Später können die „Borrelien“ genannten Bakterien auch Gelenke und verschiedene Organe angreifen. Meist verursacht die jedoch keine starken Beschwerden.

Eine durch einen Zeckenstich ausgelöste, meist juckende Rötung ist eine normale Entzündungsreaktion. Sie hat nichts mit Borreliose zu tun und bildet sich nach Entfernen des Tieres oft innerhalb von wenigen Tagen zurück. Wenn sich aber einige Tage oder Wochen nach einem Stich ein abgrenzbarer roter Hautfleck an der Einstichstelle zeigt, kann dies auf eine Borreliose hindeuten. Typisch ist ein Fleck, der sich ringförmig ausbreitet, bis er einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern erreicht. Man spricht deshalb auch von „Wanderröte“.

Grafik: Typisches Anzeichen einer Borreliose - wie im Text beschrieben

Typisches Anzeichen einer Borreliose

Wenn es zu einer Wanderröte kommt, ist es wichtig, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen. Das gilt auch, wenn innerhalb von sechs Wochen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen auftreten. Solche Beschwerden können ebenfalls auf eine Borreliose hinweisen, auch wenn sich keine Wanderröte zeigt.

Eine Borreliose kann bereits durch die körperliche Untersuchung festgestellt werden, wenn sich ein typischer Hautfleck gebildet hat. Wichtig ist, die Ärztin oder den Arzt über den Zeckenstich zu informieren. Reicht die körperliche Untersuchung nicht aus, wird möglicherweise das Blut auf Borrelien untersucht.

Wie hoch ist das Risiko, nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken?

Nach Schätzungen erkrankt etwa einer von 100 Menschen nach einem Zeckenstich an einer Borreliose. Das Borreliose-Risiko hängt vor allem davon ab,

  • wie lange die Zecke in der Haut gesteckt hat und
  • wie alt und groß sie war.

Große Zecken sind häufiger mit Borrelien infiziert als kleine Zecken, da sie älter sind und in der Regel schon mehr Wirte gestochen haben. Borrelien kommen überall in Deutschland vor. Die Rate der infizierten Zecken schwankt stark von Region zu Region, verlässliche Zahlen liegen nicht vor.

Wenn eine infizierte Zecke sticht, überträgt sie aber nicht zwangsläufig . Borrelien leben im Darm der Zecke und nicht in ihren Speicheldrüsen wie FSME-Viren. Wenn überhaupt, kommt es daher erst nach längerem Saugen der Zecke zu einer . Man kann sich deshalb wirksam vor einer Borreliose schützen, wenn man den Körper gleich nach einem Aufenthalt im Freien auf Zecken untersucht und sie innerhalb von 24 Stunden entfernt.

Wie wird eine Borreliose behandelt und wie verläuft sie?

Eine Borreliose wird mit behandelt, je nach Beschwerden über zwei bis vier Wochen. Meist heilt sie folgenlos aus. Es kann jedoch passieren, dass eine erste Antibiotikabehandlung nicht ausreichend wirkt. Dann kann es nötig sein, auf ein anderes Antibiotikum zu wechseln.

Borreliose-Beschwerden können auch ohne von allein abklingen. Dann ist aber das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf höher. Breitet sich der Erreger im Körper aus, treten zunächst brennende Schmerzen an der Einstichstelle auf. Bei etwa 3 von 100 Menschen kommt es zu einer sogenannten Neuroborreliose. Dabei befallen die das Gehirn und die Nerven. Dies kann zu Lähmungserscheinungen (oft im Gesicht), schmerzhaften Nervenentzündungen oder einer führen.

Bei etwa 2 von 100 Menschen entwickelt sich Monate bis Jahre nach einer eine Lyme-Arthritis. Diese entsteht, wenn Borrelien die Gelenke infizieren. Dabei kommt es zu schmerzhaften Gelenkentzündungen und Schwellungen. Sehr seltene Folgen sind chronische Entzündungen der Haut und Herzprobleme.

Sowohl die Neuroborreliose als auch die Lyme-Arthritis lassen sich wirksam mit behandeln und bleiben meist ohne Spätfolgen. Genaue Zahlen fehlen, wie hoch das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf ist, wenn eine Borreliose nicht oder nicht ausreichend behandelt wird.

Ist es sinnvoll, vorbeugend Antibiotika einzunehmen?

Nein. Es wird davon abgeraten, nach einem Zeckenstich vorbeugend einzunehmen, um das Risiko für eine Borreliose zu verringern. Es gibt keine Studien, die einen Vorteil der vorbeugenden Einnahme zeigen. Zudem können Nebenwirkungen haben.

Wichtig ist, dann zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen, wenn die genannten Krankheitszeichen auftreten.

Post-Lyme-Syndrom und „chronische Borreliose“ – was ist das?

Manche Menschen bemerken Monate oder Jahre nach einem Zeckenstich Muskel- und Gelenkbeschwerden, starke Müdigkeit oder Gedächtnisstörungen. Einige Betroffene und manche Ärztinnen und Ärzte sehen in diesen Symptomen eine Spätfolge einer Borrelien-Infektion. Das Krankheitsbild wird manchmal als Post-Lyme-Syndrom oder „chronische Borreliose“ bezeichnet – auch wenn letzteres keine allgemein anerkannte ist.

Manchmal werden solche Beschwerden auch auf eine Borreliose zurückgeführt, wenn gar kein Zeckenstich bekannt ist und außerdem eine Blutuntersuchung keine entsprechenden Anhaltspunkte liefert. Es ist dann unwahrscheinlich, dass die Beschwerden tatsächlich mit einer Borrelien-Infektion im Zusammenhang stehen. Solche Symptome können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Es gibt Ärztinnen und Ärzte, die Menschen mit unklaren Gelenkbeschwerden, Erschöpfungszuständen oder Konzentrationsstörungen eine sehr langwierige Antibiotika-Behandlung vorschlagen. Von einer solchen ist jedoch abzuraten. Denn wenn die Ursache keine Borrelien-Infektion ist, bleibt die unwirksam. Zudem hat eine solche Antibiotika-Therapie Nebenwirkungen und kann zu Resistenzen führen.

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Aktualisiert am 10. April 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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