Anhaltende Schmerzen nach einer Gürtelrose (Post-Zoster-Neuralgie)

Foto von Arzt und Patient mit Gürtelrose (Wavebreakmedia Ltd. / Thinkstock ) Wenn der Hautausschlag einer Gürtelrose schon abgeheilt ist, die Schmerzen aber noch längere Zeit anhalten, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sie ist die häufigste Komplikation einer Gürtelrose. Sie kann mit verschiedenen Wirkstoffen behandelt werden. Wie man ihr vorbeugen kann, ist noch unklar.

Eine Gürtelrose verursacht meist einen schmerzhaften Ausschlag. Normalerweise verschwinden die Schmerzen mit dem Abklingen des Ausschlags nach 2 bis 4 Wochen. Bleiben sie länger als drei Monate bestehen, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sehr selten kehren die Schmerzen auch wieder zurück, nachdem sie bereits verschwunden waren.

Das Hauptsymptom einer Post-Zoster-Neuralgie sind die Nervenschmerzen (Neuralgie). Häufig ist auch die Haut überempfindlich und juckt. Dann kann es zum Beispiel unangenehm oder schmerzhaft sein, sich zu waschen, im Bett umzudrehen oder jemanden in den Arm zu nehmen. Die Schmerzen und der Juckreiz können sehr belastend sein und den Schlaf stören. Sie können über Wochen, Monate oder auch Jahre andauern.

Wann ist das Risiko für langanhaltende Schmerzen erhöht?

Das Risiko, eine Post-Zoster-Neuralgie zu entwickeln, nimmt mit dem Alter zu. So haben nach vier Wochen noch

  • 27 % der 55- bis 59-jährigen und
  • 73 % der über 70-jährigen Menschen mit Gürtelrose Nervenschmerzen.

Bei Frauen treten länger anhaltende Nervenschmerzen anscheinend öfter auf als bei Männern. Wenn die Augen von der Gürtelrose betroffen sind, ist eine Post-Zoster-Neuralgie ebenfalls wahrscheinlicher.

Kann man einer Post-Zoster-Neuralgie vorbeugen?

Bei schwerer Gürtelrose oder erhöhtem Risiko für Komplikationen wird häufig geraten, Medikamente einzunehmen, die die Viren bekämpfen. Diese sogenannte antivirale Therapie soll vor Post-Zoster-Neuralgien schützen.

Einige Studien haben untersucht, ob eine solche Behandlung langanhaltenden Nervenschmerzen vorbeugen kann. Eine Therapie mit dem antiviralen Wirkstoff Aciclovir konnte eine Post-Zoster-Neuralgie jedoch nicht verhindern: Sowohl 4 als auch 6 Monate nach der Gürtelrose hatten noch immer gleich viele Personen Nervenschmerzen – egal, ob sie das Medikament eingenommen hatten oder ein Präparat ohne Wirkstoff (Placebo).

Ob antivirale Therapien mit den Wirkstoffen Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir einer Post-Zoster-Neuralgie vorbeugen können, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Selten wird auch eine vorbeugende Behandlung mit Kortison empfohlen. Kortison kann als Tablette eingenommen oder in einen Muskel gespritzt werden. Bisherige Studien zeigen aber ebenfalls keine Vorteile gegenüber einer Behandlung mit einem Placebo.

Wie wird eine Post-Zoster-Neuralgie behandelt?

Anhaltende Nervenschmerzen können auf verschiedene Weise behandelt werden:

  • mit krampflösenden Medikamenten (Antiepileptika),
  • Schmerzmitteln,
  • angstlösenden Medikamenten (Antidepressiva) und
  • schmerzbetäubenden Pflastern.

Bei anhaltenden Nervenschmerzen werden oft Antiepileptika wie Pregabalin oder Gabapentin eingesetzt. Sie werden anfangs mit Schmerzmitteln kombiniert, da es etwas dauert, bis sie wirken. Dann können die Schmerzmittel wieder abgesetzt werden.

Reichen Antiepileptika nicht aus, ist es möglich, zusätzlich Antidepressiva einzunehmen. Beide hemmen die Schmerzweiterleitung zum Gehirn und dämpfen die Erregbarkeit der betroffenen Nerven.

Sind die Schmerzen auf eine Körperstelle begrenzt, helfen möglicherweise Pflaster mit schmerzbetäubenden Wirkstoffen wie Lidocain oder Capsaicin. Studien deuten darauf hin, dass Pflaster mit hochdosiertem Capsaicin (8%ig) die Nervenschmerzen verringern können.

Welcher Wirkstoff und welche Kombination geeignet ist, hängt von der Stärke der Schmerzen ab und davon, wie man die Medikamente verträgt. Deshalb ist es sehr wichtig, der Ärztin oder dem Arzt möglichst genau zu beschreiben, wie stark die Schmerzen sind, wie die Mittel wirken und ob es Nebenwirkungen gibt.

Andere Behandlungen wie Akupunktur oder TENS sind nicht ausreichend in Studien untersucht. Deshalb lässt sich nicht zuverlässig sagen, ob sie wirken und wie verträglich sie sind.

Wenn die Schmerzen trotz Behandlung anhalten, kann es sinnvoll sein, sich an Fachärztinnen und -ärzte für Schmerztherapie oder Neurologie, an ein Schmerzzentrum oder eine Schmerzklinik zu wenden.