Wie wird eine Amblyopie behandelt?

Foto von Kindern und Erzieherin (PantherMedia / Cathy Yeulet) Eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) bei Kindern kann mit einer Brille, einem Augenpflaster oder Augentropfen behandelt werden. Die Therapie hängt unter anderem von der Art und Schwere der Schwachsichtigkeit ab.

Einige Kinder haben eine Sehschwäche, bei der sie nur mit einem Auge scharf sehen (Amblyopie). Sie entsteht, wenn beide Augen unterschiedliche Bilder an das Gehirn senden. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn das Kind schielt oder auf einem Auge stärker kurz- oder weitsichtig ist als auf dem anderen. Das Gehirn verarbeitet dann vor allem die Informationen des schärfer sehenden Auges und „vernachlässigt“ das andere.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wie eine Amblyopie behandelt wird, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt sie ist. Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten bei Amblyopie sind:

  • Eine Brille, die bestehende Brechungsfehler (Kurz- oder Weitsichtigkeit, verzerrtes Sehen) korrigiert.
  • Okklusionsbehandlung mit Augenpflaster: Hierbei wird das stärkere Auge für mehrere Stunden am Tag mit einem speziellen Pflaster abgedeckt. Wenn das Kind eine Brille trägt, kann auch das Brillenglas auf dieser Seite abgeklebt werden. Dadurch soll das Sehen mit dem schwächeren Auge gefördert werden. Der lateinische Begriff „Okklusion“ bedeutet „Verschluss“.
  • Augentropfen: Das Sehen mit dem stärkeren Auge wird durch Augentropfen vorübergehend erschwert, sodass das schwächere Auge übernehmen muss und so trainiert wird. Die Augentropfen enthalten zum Beispiel den Wirkstoff Atropin. Dieser betäubt die Muskeln im stärkeren Auge, dadurch kann die Linse das gesehene Bild für ein paar Stunden nicht mehr scharf stellen.

Selten ist Schwachsichtigkeit die Folge einer angeborenen Trübung der Augenlinse (Grauer Star) oder eines hängenden Augenlids. Dann wird zunächst dieses Problem behandelt und dann die Amblyopie.

Wie läuft die Behandlung ab?

Weil ein Kind mit Amblyopie meist auf einem Auge stärker kurz- oder weitsichtig ist oder eine Hornhautverkrümmung hat, wird dies zunächst durch eine Brille korrigiert. Bei manchen Kindern reicht das bereits aus. Viele benötigen jedoch zusätzlich ein Pflaster oder Augentropfen, um die Sehschwäche zu behandeln.

Wenn ein Kind nach spätestens zwölf Wochen Brille tragen mit dem schwachen Auge nicht deutlich besser sieht, wird mit Augenpflaster oder Augentropfen behandelt. Diese Behandlung dauert in der Regel mehrere Monate. In dieser Zeit werden die Augen regelmäßig in einer augenärztlichen Praxis kontrolliert.

Augenpflaster müssen mindestens sechs Stunden täglich getragen werden. Augentropfen werden einmal am Tag nach dem Aufstehen gegeben und wirken ebenfalls einige Stunden.

Studien zeigen, dass eine Behandlung mit Augenpflaster oder -tropfen die Sehkraft bei Kindern mit Amblyopie verbessern kann. Dabei zeigte sich kein Unterschied zwischen beiden Behandlungen.

Wie wird eine Amblyopie aufgrund von Schielen behandelt?

Wenn Schielen die Schwachsichtigkeit verursacht, wird sie üblicherweise mit einem Augenpflaster behandelt – wenn nötig, zusammen mit einer Brille. Viele Kinder, die schielen, haben zusätzlich einen Brechungsfehler. In Studien besserte sich die Sehkraft bei schielenden Kindern durch Brille und Augenpflaster.

Kinder, die stark schielen, werden manchmal operiert. Dabei werden die Augenmuskeln gestrafft oder gelockert, um die Fehlstellung des Auges zu korrigieren. Dies soll eine Verbesserung des räumlichen Sehens ermöglichen und die Auffälligkeit des Schielens verringern. Die Schwachsichtigkeit wird durch eine Operation jedoch nicht beseitigt. Deshalb wird in der Regel erst nach der Amblyopie-Behandlung operiert.

Gibt es auch Nebenwirkungen?

Manche Eltern befürchten, dass ein Augenpflaster dazu führen könnte, dass das gesunde Auge an Sehkraft verliert, weil es während der Behandlung weniger genutzt wird. Dies hat sich in Studien aber nicht bestätigt.

Die Augenpflaster können bei manchen Kindern die Haut reizen. Augentropfen können zu vorübergehender Lichtempfindlichkeit oder Augenbrennen führen. Manchmal sieht das Kind mit dem gesunden Auge nach einer Behandlung mit Augentropfen kurzzeitig etwas schlechter. Augentropfen können besonders für Kinder eine Alternative sein, die sich schwer damit tun, ein Augenpflaster zu tragen.

Ist eine Amblyopie später noch behandelbar?

Fachleute empfehlen, eine Amblyopie möglichst früh zu behandeln. Lange Zeit wurde sogar angenommen, dass die Behandlung nur erfolgreich ist, wenn sie vor dem siebten Geburtstag begonnen wird. Inzwischen deuten Studien mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren aber darauf hin, dass auch eine spätere Behandlung die Sehkraft verbessern kann.

Können spezielle Übungen die Sehkraft weiter verbessern?

Manchmal werden Kinder dazu ermuntert, ihr schwaches Auge durch Tätigkeiten wie Malen oder Basteln zu trainieren, während sie das Augenpflaster tragen. Zwei Studien haben ergeben, dass die meisten Kinder ihre Sehkraft damit nicht weiter verbessern konnten. Ob solche Übungen für bestimmte Kinder – zum Beispiel mit einer schweren Sehschwäche – hilfreich sein könnten, blieb unklar.

Was kann ich selbst tun, um meinem Kind zu helfen?

Die meisten Kinder kommen im Alltag gut mit einem Augenpflaster zurecht. Manchen fällt es jedoch schwer, eine Behandlung mit einem Augenpflaster wie vorgesehen durchzuhalten. Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe: Zum einen weil das „gute“ Auge abgedeckt wird. Während der Behandlung sehen sie daher nur mit dem schwächeren Auge und deshalb schlechter. Das kann beim Spielen oder Lernen einschränken und auch anstrengend sein. Zum anderen ist es möglich, dass sie im Kindergarten oder in der Schule gehänselt werden, wenn sie ein Augenpflaster tragen.

Wenn ein Kind einen großen Teil des Tages ein Augenpflaster tragen muss, kann das eine starke Belastung sein. Eltern wenden unterschiedliche Strategien an, um ihren Kindern dabei zu helfen, mit dem Augenpflaster zurechtzukommen. Manche erklären ihrem Kind, warum es wichtig ist, das Augenpflaster zu tragen. Einige erklären auch die Ergebnisse der Augentests, um ihm zu zeigen, dass sich das Sehen tatsächlich verbessert. Man kann auch gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob und wann die Tragezeit verkürzt werden kann.

Manche Eltern berichten, dass es ihrem Kind hilft, wenn sie dem Kuscheltier oder der Puppe ebenfalls ein Augenpflaster aufkleben – oder wenn sie selbst zeitweise eins tragen, sodass das Pflaster für das Kind selbstverständlich wird. Einige Eltern loben ihr Kind oder belohnen es mit kleinen Geschenken, um es zu motivieren. Andere Familien kommen besser damit zurecht, aus dem Tragen des Pflasters gar keine große Sache zu machen.

Augenpflaster können unschön und langweilig aussehen. Manche Kinder mögen es lieber, wenn sie ihre Brille mit einem Motiv bekleben können, das sie selbst ausgewählt haben. Wie bei vielen anderen Dingen auch, kann es für ein Kind außerdem wichtig sein, das Tragen des Augenpflasters zu einem täglichen Ritual zu machen, das immer gleich abläuft. Tröstlich ist, dass dieses Ritual wahrscheinlich schon in einigen Monaten der Vergangenheit angehören wird.