Wie können Herzklappenerkrankungen behandelt werden?

Foto von Frau im Krankehaus (PantherMedia / Lev Dolgachov) Leichte Herzklappenveränderungen werden meist nur beobachtet. Wenn Beschwerden auftreten oder sich bei einer Kontrolluntersuchung eine Verschlechterung zeigt, kommen unterschiedliche Behandlungen infrage. Viele Menschen erhalten eine Herzklappenprothese, manchmal ist aber auch ein anderes Vorgehen möglich.

Die Planung der Behandlung und die Verfahren selbst – ein Kathetereingriff oder eine offene Operation am Herzen –, sind aufwendig. Deshalb werden Menschen mit Herzklappenerkrankungen von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten betreut, die als sogenanntes Herz-Team zusammenarbeiten, oft im Verbund mit speziellen Krankenhäusern (Herz-Zentren).

Die Entscheidung für eine bestimmte Behandlung hängt von vielen persönlichen Faktoren ab: zum Beispiel vom Alter oder zusätzlichen Erkrankungen, von der Ursache und vom Schweregrad der Herzklappenerkrankung. Es kommt aber auch darauf an, welche Herzklappe in welchem Ausmaß erkrankt ist.

Wie wird eine Verengung (Stenose) der Aortenklappe behandelt?

Eine Aortenklappenstenose ist hierzulande die häufigste Herzklappenerkrankung. Dabei ist die Klappe zwischen linker Herzkammer und der Hauptschlagader verengt. Das Herz muss dann mehr Kraft aufbringen, um genügend Blut in den Körper zu pumpen. Kommt es dadurch zu Beschwerden oder besteht ein Komplikationsrisiko, wird die verengte Klappe meist durch eine Klappenprothese ersetzt. Dazu kann eine offene Operation nötig sein, oft kann die Klappenprothese aber auch mithilfe eines Katheters eingesetzt werden. Es gibt zwei verschiedene Prothesenformen:

  • Mechanische Klappenprothesen: Verschiedene Prothesenmodelle aus Metall und Kunststoff können die Funktion der natürlichen Klappe übernehmen. Wenn die Klappenprothese einwandfrei schließt, ist bei jedem Herzschlag ein leises Klicken zu hören. Der Vorteil der mechanischen Klappen ist ihre lange Haltbarkeit. Sie werden deshalb vor allem bei jüngeren Menschen eingesetzt – insgesamt aber nur noch selten. Ihr Nachteil ist, dass sich an ihnen Blutgerinnsel bilden und die gesamte Klappenprothese verstopfen können (Klappenthrombose). Gerinnsel können auch mit dem Blut in den Körper gelangen und dort ein Blutgefäß verschließen (Embolie). Passiert das zum Beispiel im Gehirn, kommt es zu einem Schlaganfall. Um solche Komplikationen zu verhindern, nehmen Personen mit einer mechanischen Herzklappe ihr Leben lang Medikamente ein, die die Blutgerinnung hemmen (Antikoagulanzien). Als Nebenwirkung dieser Mittel können Beschwerden wie blaue Flecken auftreten. Schwere Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder im Gehirn sind seltene Nebenwirkungen – können aber lebensbedrohlich sein.
  • Biologische Klappenprothesen: Sie werden zum Beispiel aus Rinder- oder Schweineherzen gewonnen. Herzklappenspenden von verstorbenen Menschen sind auch möglich, aber eher die Ausnahme. Bei biologischen Prothesen ist es nicht grundsätzlich nötig, dauerhaft Antikoagulanzien einzunehmen, um die Blutgerinnung zu hemmen. Allerdings halten diese Klappen nicht so lange wie die mechanischen: Bei biologischen Aortenklappenprothesen steigt zum Beispiel 10 bis 15 Jahre nach der Operation das Risiko, dass sie verkalken und ein erneuter Eingriff nötig wird. Biologische Klappenprothesen werden in der Regel bei Menschen über 60 Jahre verwendet oder bei jüngeren, die nicht dauerhaft blutverdünnende Mittel einnehmen können.

Bei manchen jungen Menschen kann die Aortenklappe gegen eine eigene Herzklappe ausgetauscht werden. Dafür wird die Klappe, die zwischen rechter Herzkammer und dem Lungenkreislauf sitzt (Pulmonalklappe), entnommen und an die Stelle der Aortenklappe gesetzt. Die fehlende Pulmonalklappe wird durch eine biologische Klappenprothese ersetzt. Da eine Prothese an dieser Position weniger beansprucht wird, kann sie dort länger halten.

Wie wird eine Schwäche (Insuffizienz) der Mitralklappen behandelt?

Der zweithäufigste Klappenfehler ist die Mitralklappeninsuffizienz. Bei dieser Erkrankung ist die Klappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer undicht. Die Folge: Wenn sich die linke Herzkammer zusammenzieht, drückt sie einen Teil des Blutes nicht in den Körper, sondern zurück in den linken Vorhof.

Auch bei einer Mitralklappeninsuffizienz kann – ähnlich wie bei einer Aortenklappenstenose – eine Klappenprothese eingesetzt werden. In der Regel lässt sich die eigene Mitralklappe aber durch verschiedene Eingriffe erhalten. Per Katheter oder im Rahmen einer offenen Operation wird die Funktion der Mitralklappe wiederhergestellt.

Solche Eingriffe werden von Fachleuten als Klappenrekonstruktion bezeichnet. Die Klappe kann dabei mit Gewebe – zum Beispiel aus dem Herzbeutel – etwas verstärkt werden. Wenn die Mitralklappe nicht mehr richtig im Herzmuskel befestigt und deshalb undicht ist, kann sie mit festen Kunststofffäden wieder fixiert werden. Eine zu weite Klappe kann auch durch das Einnähen eines Kunststoffrings wieder in die richtige Form gebracht werden, sodass sie im geschlossenen Zustand wieder dichter hält.

Eine andere Möglichkeit ist, die Segel der undichten Klappe mit einem kleinen Metall-Clip etwas zusammenzuziehen, sodass sie sich wieder vollständig verschließen kann.

Wie werden andere Klappenerkrankungen behandelt?

Auch bei selteneren Klappenerkrankungen kommen die beschriebenen Behandlungsverfahren infrage. Wenn die Aortenklappe undicht ist (Aorteninsuffizienz), kann zum Beispiel eine Klappenrekonstruktion hilfreich sein. Meist ist jedoch eine Prothese sinnvoll.

Wie laufen Kathetereingriff und offene Herz-Operation ab?

Der Katheter wird über einen kleinen Schnitt in ein Blutgefäß – meist in der Leiste – eingeführt. Über den Katheterschlauch können dann zum Beispiel eine Aortenklappenprothese oder ein Mitralklappen-Clip bis ins Herz vorgeschoben und platziert werden. Bei solchen Verfahren sind Komplikationen wie Wundheilungstörungen oder Infektionen seltener. Nebenwirkungen beim Katheterverfahren sind eher Verletzungen durch den Katheter oder Herzrhythmusstörungen. Meist erholt man sich aber nach dem Eingriff schneller wieder als nach einer OP am offenen Herzen. Ob ein Kathetereingriff auch langfristig vorteilhafter ist, ist noch nicht durch Studien belegt.

Bei einer Operation am offenen Herzen wird der Brustkorb in Vollnarkose geöffnet. Das Herz wird dabei künstlich angehalten. Während der Operation übernimmt eine Herz-Lungen-Maschine seine Pumpfunktion. Solche Operationen belasten den Körper und es braucht Zeit, bis die Wunde abgeheilt ist. Komplikationen können Blutungen und Infektionen sein. Das Komplikationsrisiko ist vor allem bei alten, gebrechlichen oder durch eine andere Erkrankung geschwächte Menschen erhöht.

Manchmal ist eine Operation aber auch durch einen kleineren Schnitt in sogenannter Schlüsselloch-Technik (minimal invasiv) möglich. Solche Eingriffe werden in der Regel nur dann gemacht, wenn Kathetereingriff und offene Operation nicht möglich sind.

Können auch Medikamente helfen?

Mit Medikamenten lassen sich die Veränderungen an einer Herzklappe nicht beheben. Medikamente können aber ein Teil der Behandlung sein. Ein Beispiel sind gerinnungshemmende Mittel nach dem Einsatz einer Klappenprothese. Aber auch wenn die Herzklappenerkrankung zu Spätfolgen geführt hat, sind Medikamente sinnvoll. Bei einer Herzschwäche kommen zum Beispiel blutdrucksenkende Mittel oder harntreibende Medikamente infrage.

Ist eine Behandlung immer nötig?

Bei leichten Herzklappenveränderungen, die keine Beschwerden machen, ist oft keine Behandlung nötig. Dann wird meist in regelmäßigen Kontrolluntersuchungen darauf geachtet, ob sich die Funktion der Klappe verschlechtert hat oder Symptome auftreten. Aber auch sehr gebrechliche Menschen mit schweren Herzklappenerkrankungen entscheiden sich manchmal gegen eine Behandlung, weil sie ihr Leben nicht verlängern oder die Lebensqualität nicht verbessern würde.

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