Was hilft bei einem chronisch instabilen Sprunggelenk?

Foto von Füßen eines Mannes, der durch Herbstlaub geht (PantherMedia / Michael Simons) Kraft- und Koordinationstraining ist bei der Behandlung eines chronisch instabilen Fußgelenks hilfreich. Aber auch eine Operation kann sinnvoll sein. Wer schon zwei bis drei Wochen nach einer Operation mit Rehabilitationsübungen beginnt, ist wahrscheinlich früher wieder aktiv als Menschen, die erst nach sechs Wochen anfangen zu üben.

Aus einer Verstauchung des Sprunggelenks kann sich eine dauerhafte (chronische) Instabilität des Gelenks entwickeln. Ein Sprunggelenk (auch Fußgelenk genannt) gilt dann als chronisch instabil, wenn das Gelenk sechs Monate nach der ersten Verstauchung immer noch zu leicht nachgibt oder es zu erneuten Verstauchungen gekommen ist. Ein instabiles Gelenk kann leichter wieder umknicken. Etwa 10 bis 20 von 100 Menschen behalten nach einer Verstauchung ein instabiles Sprunggelenk.

Eine Instabilität kann entstehen, wenn die Bänder des Sprunggelenks überdehnt wurden oder gerissen und zu locker zusammengewachsen sind (mechanische Instabilität). Möglicherweise ist aber auch das Zusammenspiel von Gelenkknöchel, Bändern und Muskeln gestört. Der Körper verfügt über eine sogenannte Tiefenwahrnehmung (Propriozeption) seiner Gelenke. Diese Tiefenwahrnehmung koordiniert die Bewegungen der Gelenke, und hält sie durch unbewusste Reflexe stabil und den Körper im Gleichgewicht. Wenn sich ein Fußgelenk dauerhaft instabil anfühlt, liegt das also vielleicht nicht nur an überdehnten Bändern, sondern auch an einer Störung der Tiefenwahrnehmung beziehungsweise dadurch bedingten Störung der Muskelkoordination.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei einer anhaltenden Instabilität gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Zuerst wird versucht, sie „funktionell“ zu behandeln, das heißt, mit Physiotherapie zur Kräftigung und eventuell dem Tragen einer Schiene zur Stabilisierung.

Gängig ist das sogenannte neuromuskuläre Training. Es hat zum Ziel, die Kraft, Stabilität und Koordination des Sprunggelenks zu verbessern. Studien zeigen, dass neuromuskuläres Training die Stabilität und Beweglichkeit des Fußgelenks in den ersten Wochen schneller verbessern kann. Wie sich die Behandlung langfristig auf das Fußgelenk auswirkt, ist allerdings noch nicht ausreichend untersucht.

Bleibt das Gelenk trotz Training instabil, weil die Bänder zu locker sind, kommt eine  Operation infrage. Eine Möglichkeit ist, die Bänder im Sprunggelenk zu kürzen und zu straffen. Alternativ kann auch eine Sehne aus dem Unterschenkel entnommen und als Außenband in das Sprunggelenk eingenäht werden. Sehnen bestehen aus ähnlichem Gewebe wie Bänder.

Wie wird man nach einer Operation wieder fit?

Durch die Instabilität kommt es häufig zu Störungen der Muskelkoordination. Deshalb sind Beweglichkeitsübungen nach einer Operation immer ein wichtiger Teil der Rehabilitation. Während dieser Zeit ist auch das Tragen einer Schiene hilfreich. Sie gibt dem Gelenk nicht nur äußeren Halt – der Druck auf das Gelenk soll auch helfen, wieder ein Gefühl für die richtige Muskelkoordination zu entwickeln.

Nach einer Operation ist es wahrscheinlich von Vorteil, nach spätestens zwei bis drei Wochen mit Bewegungs-, Kraft- und Koordinierungsübungen zu beginnen. Studien weisen darauf hin, dass man dadurch schneller wieder aktiv wird, als wenn man sechs Wochen eine Schiene trägt und keine Übungen macht. In Studien konnten die Teilnehmenden, die früher mit Bewegungs- und Kräftigungsübungen begannen, etwa ein bis zwei Wochen früher ihre Arbeit wieder aufnehmen. Zudem waren sie rund drei Wochen früher wieder sportlich aktiv. Nach rund zwei Jahren zeigten sich jedoch keine Vorteile mehr: Beide Gruppen erreichten die gleiche Stabilität und Beweglichkeit der Sprunggelenke. Viele dieser Studien hatten jedoch eine geringe Teilnehmerzahl und auch Mängel in der Durchführung. Daher sind die Ergebnisse mit Zurückhaltung zu interpretieren.

Was ist besser: Physiotherapie oder Operation?

Es gibt keine Studien, in denen eine Operationsmethode direkt mit Physiotherapie oder anderen Behandlungen verglichen wurde. Daher lässt sich nicht sicher sagen, für welche Patientinnen und Patienten eine Operation am ehesten angebracht ist und wie nützlich sie im Vergleich zur konservativen Behandlung ist.

Unklar ist auch, wie gut die Operationsmethoden im Vergleich zueinander abschneiden. Dazu gibt es nur wenige kleine und nicht sehr aussagekräftige Studien. In einer Studie wurde ein Operationsverfahren mit dem Namen „Chrisman-Snook“ untersucht, bei dem die Bänder mit einer Sehne aus dem Fuß oder Unterschenkel gestärkt wurden. Dabei gab es jedoch mehr Komplikationen, einschließlich Nervenschädigungen. Dies könnte bedeuten, dass andere Operationsverfahren besser sind. Allerdings ist noch mehr Forschung nötig, um sicher zu sein.

Insgesamt ist bislang unklar, ob eine Operation zu einer schnelleren Heilung führt als Kraft- und Koordinationstraining. Wenn die Instabilität bestehen bleibt und die Ursache dafür zu lockere Bänder sind, kann aber eine Operation infrage kommen. Welche Behandlung man auch wählt: Bei den meisten Menschen wird ihr Sprunggelenk mit etwas Geduld wieder stabil.

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