Einleitung

Foto von Frau mit Schulterschmerzen (PantherMedia / Martin Novak) Bei einer Schultersteife beginnt die Schulter ohne erkennbaren Grund allmählich zu schmerzen und steif zu werden. Meist tritt die Erkrankung um das 50. Lebensjahr auf.

Auch ohne Behandlung heilt eine Schultersteife normalerweise von selbst wieder aus. Es kann allerdings mehrere Monate dauern, bis die Schmerzen ganz verschwinden – und noch deutlich länger, bis die Schulter wieder voll beweglich ist. Einige Behandlungen können die Beschwerden aber vorübergehend lindern.

Symptome

Eine Schultersteife beginnt schleichend. Die anfangs oft nur leichten Schmerzen werden über einige Monate stärker und stören häufig den Schlaf. Es wird immer schwieriger, den betroffenen Arm nach oben und hinten zu bewegen. Die Schulter kann mit der Zeit so steif werden, dass man sie kaum noch bewegen kann: Sie ist wie „eingefroren“. In englischsprachigen Ländern wird die Schultersteife daher auch als „frozen shoulder“ (eingefrorene Schulter) bezeichnet. Die medizinischen Fachbegriffe für Schultersteife sind „Adhäsive Kapsulitis“ oder „Periarthritis“.

Ursachen

Gelenke sind die verbindenden Elemente zwischen zwei Knochen. Im Schultergelenk greift die Kugel des Oberarmknochens (Humerus) in eine Vertiefung, die Pfanne des Schulterblattknochens (Scapula). Dieses Kugelgelenk ist von einer festen Faserschicht umschlossen, der Gelenkkapsel.

 

Grafik: Schultergelenk (außen) mit Entzündung in der Gelenkkapsel - wie im Text beschriebenSchultergelenk (außen) mit Entzündung in der Gelenkkapsel  

Grafik: Schultersteife: Narbenähnliche Verklebungen in der Gelenkkapsel - wie im Text beschriebenSchultersteife: Narbenähnliche Verklebungen in der Gelenkkapsel

 

Bei einer Schultersteife bilden sich narbenähnliche Verklebungen (Adhäsionen) in der Gelenkkapsel. Dadurch verdickt sich das Kapselgewebe. Man vermutet, dass Entzündungen dabei eine entscheidende Rolle spielen. Wie es dazu kommt, ist aber nicht genau geklärt. Meist lässt sich keine Ursache für die Schultersteife finden. In seltenen Fällen bildet sich die Schultersteife nach Unfällen, Entzündungen oder nach Ruhigstellung der Schulter etwa durch eine Operation. Dann spricht man von einer sekundären Schultersteife.

Häufigkeit

Eine Schultersteife tritt typischerweise im Alter von 40 bis 60 Jahren auf. Schätzungsweise 2 bis 5 % der Bevölkerung haben irgendwann damit zu tun, Frauen etwas häufiger als Männer. Besonders oft sind Menschen mit Diabetes betroffen: Etwa 10 bis 20 % von ihnen erkranken. Auch dafür gibt es noch keine Erklärung.

Verlauf

Eine Schultersteife heilt in der Regel auch ohne Behandlung von selbst aus. Dies kann jedoch eine ganze Weile dauern.

Die Erkrankung verläuft in drei Phasen:

  • In der ersten Phase fängt die Schulter an, immer stärker zu schmerzen. Die Schmerzen treten vor allem nachts auf, wenn man auf dem betroffenen Arm liegt oder wenn man die Schulter nach oben oder hinten bewegt. Dieses Stadium kann zwischen zwei und neun Monate andauern.
  • In der zweiten Phase „friert“ die Schulter ein. Die Beweglichkeit nimmt immer weiter ab, während die Schmerzen nachlassen. Durch die Bewegungseinschränkungen baut die Schultermuskulatur oft etwas ab. Diese Phase dauert zwischen vier und zwölf Monate.
  • In der dritten Phase löst sich die Schultersteife und die Beweglichkeit kommt allmählich zurück. Bis die Schulter wieder so beweglich oder fast so beweglich ist wie zuvor, kann es ein bis drei Jahre dauern.

Eine Schultersteife kann also sehr unterschiedlich verlaufen: Viele Menschen haben nach ein bis eineinhalb Jahren nur noch wenige Einschränkungen. Bei anderen dauert der Heilungsprozess deutlich länger.

Eine Schulter versteift normalerweise nur einmal im Leben. Allerdings erkrankt bei 6 bis 17 von 100 Betroffenen innerhalb von fünf Jahren auch die andere Schulter.

Diagnose

Schulterbeschwerden können verschiedene Ursachen haben. Die Diagnose „Schultersteife“ können Ärztinnen und Ärzte anhand der Beschreibung der Symptome und nach einer Untersuchung der Schulter stellen.

Wenn andere Probleme ausgeschlossen werden sollen oder die Ursache der Beschwerden schwer festzustellen ist, wird manchmal geröntgt oder ein MRT der Schulter gemacht. Dies ist normalerweise aber nicht notwendig.

Behandlung

Die Heilung einer Schultersteife braucht Zeit und lässt sich nicht beschleunigen. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Steht in der ersten Erkrankungsphase die Schmerzbehandlung im Vordergrund, geht es in späteren Phasen vor allem darum, die Schulter wieder beweglicher zu machen.

Gängige Behandlungen gegen die Schmerzen sind:

  • Wärme- und Kälteanwendungen
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen (zum Beispiel als Tablette oder Creme)
  • Kortison (als Tablette oder Spritze in das Schultergelenk)
  • Distensionsarthrografien (Spritzen einer Lösung zur Dehnung des Gelenks)

Um die Beweglichkeit zu verbessern, werden Dehnübungen und Physiotherapie eingesetzt. Eine versteifte Schulter wird nur selten operiert, weil die Erkrankung mit der Zeit von selbst ausheilt und jeder Eingriff mit einem Operations- und Narkoserisiko verbunden ist. Ähnliches gilt für eine Mobilisation des Gelenks unter Narkose.

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