Orale Candidose: Vorbeugung während einer Krebsbehandlung

Foto von Mann beim Spaziergang (Monkey Business / Thinkstock) Einige Antipilzmittel können während einer Krebsbehandlung mit Chemo- oder Strahlentherapie vor Pilzinfektionen im Mund (orale Candidose) schützen. Für Mittel, die nur örtlich im Mund wirken, konnten Studien jedoch keine vorbeugende Wirkung nachweisen.

Candida-Erreger gehören zu den Hefepilzen, die im Magen-Darm-Trakt vorkommen. Bei den meisten Menschen sind sie auch in der Mundhöhle zu finden und verursachen keine Probleme. Unter bestimmten Bedingungen können sich die Pilze allerdings stark vermehren – zum Beispiel, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Zu den Symptomen einer oralen Candidose gehören ein weißer Belag und entzündete Stellen im Mund- und Rachenraum.

Eine Pilzinfektion der Mundhöhle zählt zu den häufigen Nebenwirkungen von Krebstherapien. Diese greifen die Schleimhäute an und schwächen das Immunsystem des Körpers. Dadurch verringert sich auch die Widerstandsfähigkeit gegen die Candida-Erreger. Das Risiko für eine Candidose hängt jedoch von der Art der Krebserkrankung und der Intensität der Behandlung ab.

Mittel zur Vorbeugung von Candidosen

Eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut und Zunge wird mit verschiedenen Antipilzmitteln (Antimykotika) behandelt. Während einer Krebsbehandlung kann es jedoch schwierig sein, die Infektion ganz zum Ausheilen zu bringen. Umso wichtiger ist es, dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst dazu kommt.

Eine Möglichkeit ist, schon während der Krebstherapie vorbeugend Antipilzmittel (Antimykotika) anzuwenden. Einige sind als Mundspülung, Mundgel oder -salbe erhältlich. Andere Präparate werden als Lutschpastillen, Kapseln oder Tabletten eingenommen oder über eine Infusion gegeben.

Welche Antimykotika können vor Pilzinfektionen schützen?

Um diese Frage zu beantworten, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration 28 Studien ausgewertet. In ihnen wurde untersucht, ob Antimykotika oralen Candidosen vorbeugen können, wenn sie im Rahmen einer Chemotherapie und Strahlentherapie zur Krebsbehandlung eingesetzt werden.

An den Studien nahmen insgesamt mehr als 4200 Krebspatientinnen und -patienten teil, in der Mehrzahl Erwachsene. Die Teilnehmenden hatten verschiedene Krebserkrankungen, am häufigsten aber Blutkrebs (Leukämie).

Antimykotika wirken unterschiedlich. Wie sie vom Körper aufgenommen werden, hängt von der Darreichungsform und vom jeweiligen Wirkungstoff ab. Man unterscheidet zwischen

  • Medikamenten mit örtlicher (lokaler) Wirkung,
  • Medikamenten, die im ganzen Körper (systemisch) wirken, und
  • Mischformen.

Antimykotika mit örtlicher Wirkung

Antimykotika mit örtlicher Wirkung werden – beispielsweise als Salbe oder Gel – direkt an den gefährdeten Stellen im Mund aufgetragen, oder die Mundhöhle wird mit einer Lösung gespült. Die Wirkstoffe werden nicht über den Verdauungstrakt aufgenommen. In den Studien konnten solche Mittel während einer Krebstherapie nicht vor einer Pilzinfektion schützen.

Antimykotika mit systemischer Wirkung

Medikamente, die im gesamten Körper (systemisch) wirken, können über den Verdauungstrakt in die Blutbahn aufgenommen werden. Sie sind beispielsweise als Kapseln oder Tabletten erhältlich. Die Studien zeigten, dass solche Antimykotika während einer Tumortherapie das Risiko für eine Pilzinfektion in der Mundhöhle verringern:

  • 28 von 100 Teilnehmenden, die lediglich ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen, bekamen eine Candidose – verglichen mit
  • 13 von 100 Teilnehmenden, die systemisch wirkende Antimykotika einnahmen.

Antimykotika mit kombinierter Wirkung

Antimykotika, die sowohl in der Mundhöhle als auch im gesamten Körper wirken, konnten das durchschnittliche Risiko für eine Pilzinfektion der Mundhöhle ebenfalls senken:

  • Etwa 56 von 100 Teilnehmenden, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen oder nicht mit Medikamenten vorbeugten, bekamen eine Candidose – verglichen mit
  • etwa 9 von 100 Teilnehmenden, die Antimykotika mit einem kombinierten Wirkmechanismus einnahmen.

Die Ergebnisse waren bei Erwachsenen und Kindern ähnlich.

In 13 der 28 Studien wurden Nebenwirkungen der Antimykotika erfasst. Sie traten bei bis zu 18 von 100 Teilnehmenden auf. Die häufigsten Nebenwirkungen dieser Medikamente waren Kopfschmerzen, Hautausschläge, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

Leider enthielten die Studien kaum Informationen darüber, ob die Antimykotika Candidose-Beschwerden wie Schmerzen und Schluckstörungen beeinflussten. Unklar blieb auch, ob die Mittel die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verkürzen konnten und wie sich die Behandlung auf die Lebensqualität auswirkte. Die Frage, ob Antimykotika vermeiden helfen, dass eine Infektion auf den gesamten Organismus übergreift, wurde in den 28 Studien ebenfalls nicht ausreichend untersucht.