Kann es bei Neurodermitis helfen, bestimmte Lebensmittel wegzulassen?

Foto von Vater und Tochter am Kühlregal im Supermarkt (PantherMedia / Pavel Losevsky) Ob das ungezielte Weglassen von Nahrungsmitteln Neurodermitis-Beschwerden bei Kindern ohne nachgewiesene Lebensmittelallergie lindert, ist nicht belegt. Zu Auslassdiäten bei Erwachsenen mit Neurodermitis gibt es kaum gute Studien.

Viele Menschen versuchen, Neurodermitis-Symptome zu lindern, indem sie auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Dies nennt man Auslass- oder Eliminationsdiät. Lebensmittel, die oft mit Neurodermitis in Verbindung gebracht werden, sind Eier, Kuhmilch, Fisch und Erdnüsse. Zucker und glutenhaltige Lebensmittel spielen bei Neurodermitis dagegen keine Rolle. Manchmal werden dabei auch mehr als ein oder zwei Lebensmittel weggelassen. Auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten ist aber nur sinnvoll, wenn eine Allergie gegen diese Lebensmittel nachgewiesen wurde (gezielte Auslassdiät).

Meistens fällt es zudem schwer, eine ungezielte Diät strikt einzuhalten. Für Kinder ist es oft besonders hart, wenn sie zum Beispiel auf Kuchen oder andere Leckereien verzichten sollen. Kleine Kinder können zudem kaum verstehen, was der Grund dafür ist, wenn andere Kinder etwas essen dürfen, das ihnen verboten ist. Bei einer Auslassdiät ist es außerdem wichtig, darauf zu achten, dass trotz der Diät noch ausreichend Nährstoffe, Mineralien und Vitamine aufgenommen werden.

Es ist schwierig, herauszufinden, ob eine bestimmte Substanz Neurodermitis auslöst, da die Symptome ohnehin mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt sind. Man kann also schnell den Eindruck bekommen, dass ein Lebensmittel einen Schub ausgelöst hat, obwohl sich die Beschwerden ohnehin verschlechtert hätten. Deshalb werden Neurodermitis-Schübe häufig irrtümlich mit bestimmten Lebensmitteln in Zusammenhang gebracht.

Untersuchungen auf Lebensmittelallergien

Um herauszufinden, ob jemand eine allergiebedingte Neurodermitis hat, können verschiedene Tests gemacht werden. In der Regel werden dazu ein Allergietest an der Haut (Prick-Test) und eine Blutuntersuchung auf IgE-Antikörper gemacht.

Die Aussagekraft der Testergebnisse ist allerdings begrenzt. Bei einem unauffälligen Testergebnis ist ziemlich sicher, dass keine Allergie besteht. Ein auffälliges Testergebnis ist aber schwieriger zu interpretieren. Zwar zeigt es, dass der Körper sensibel auf das Lebensmittel reagiert. Ob es jedoch die Neurodermitis auslöst oder die Beschwerden verstärkt, lässt sich aus den Tests nicht ableiten. Außerdem reagieren viele Menschen bei solchen Tests auf bestimmte Stoffe. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie ihnen auch im Alltag Probleme bereiten.

Weil Allergietests nur eine begrenzte Aussagekraft haben, empfiehlt die dermatologische Fachgesellschaft in Deutschland sie nur, wenn ein konkreter Allergieverdacht besteht. Außerdem sollten die Testergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden: Ein auffälliger Test allein ist noch kein Grund, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Anders ist es, wenn mit einem sogenannten Provokationstest bestätigt wurde, dass die Haut tatsächlich auf ein bestimmtes Nahrungsmittel reagiert.

Forschung zu Auslassdiäten bei Neurodermitis

Um die Frage beantworten zu können, ob eine Auslassdiät bei Neurodermitis helfen kann oder nicht, werden gute wissenschaftliche Studien benötigt. In solchen Studien wird geprüft, was passiert, wenn Menschen mit Neurodermitis auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Dazu werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip in zwei Teilnehmergruppen eingeteilt. Anschließend wird eine Gruppe gebeten, sich wie gewohnt zu ernähren und die andere Teilnehmergruppe, sich an eine bestimmte Diät zu halten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben neun geeignete Studien ausgewertet, die untersucht hatten, ob Auslassdiäten einen Einfluss auf Neurodermitis-Beschwerden haben. In sechs dieser Studien wurde eine ei- und milchfreie Diät getestet. Zwei Studien prüften die Wirkung einer auf wenige Nährstoffe reduzierten flüssigen Babynahrung ohne Allergene. Eine Studie prüfte eine Diät, die aus nur wenigen Lebensmitteln bestand. Nur in einer dieser Studien wurden die Teilnehmenden daraufhin untersucht, ob sie eine Lebensmittelallergie hatten.

An den meisten Studien nahmen Säuglinge und Kinder teil, an einer Studie ausschließlich Erwachsene. Die Studien waren relativ klein, ihre Teilnehmerzahl lag zwischen 11 und 85. Außerdem hatten alle Studien Mängel: So hatten sich die Teilnehmenden einiger Studien nicht strikt an die strenge Diät gehalten. Nur zwei Untersuchungen beobachteten die Teilnehmenden länger als sechs Monate. In der Hälfte der Studien, die eine milchfreie Diät untersuchten, wurde Milchersatz auf Sojabasis verwendet. Dies könnte ihre Aussagekraft mindern, denn andere Forschung hat ergeben, dass Sojamilch selbst manchmal eine Allergie auslösen kann.

Auslassdiäten helfen vermutlich nur bei nachgewiesener Lebensmittelallergie

In 8 der 9 Studien zeigte sich kein eindeutiger Unterschied zwischen den Teilnehmergruppen, die eine spezielle Diät machten, und den Vergleichsgruppen. Allerdings wurden die meisten Teilnehmenden in diesen Studien nicht daraufhin untersucht, ob sie überhaupt eine Lebensmittelallergie hatten. Der generelle Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, gegen die kein Allergieverdacht besteht, hilft also vermutlich nicht.

Ein etwas anderes Bild zeigte eine Studie mit Säuglingen, bei denen vor Beginn der Studie durch einen Bluttest festgestellt worden war, dass sie allergisch auf Eier reagieren. In dieser Studie erhielt eine Gruppe der Babys über vier Wochen eine eifreie Kost, während die andere Gruppe normal gefüttert wurde. Dabei zeigte sich, dass die eifreie Kost den Ausschlag der Säuglinge verringern konnte. Allerdings umfasste die Studie nur 62 Babys.