Hilft Memantin?

Foto von älterem Mann (PantherMedia / Anna Lurye) Medikamente mit dem Wirkstoff Memantin sollen an Alzheimer-Demenz erkrankten Menschen helfen, sich zu erinnern und ihren Alltag besser zu bewältigen. Studien zeigen, dass Memantin den Abbau geistiger Fähigkeiten etwas verzögern kann. Möglicherweise bleiben auch alltagspraktische Fähigkeiten länger erhalten.

Die Alzheimer-Demenz ist nicht heilbar. Es gibt verschiedene Medikamente und andere Maßnahmen, die die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen sollen. Zu den nicht medikamentösen Behandlungen gehören zum Beispiel das Gedächtnistraining oder die Förderung von sozialen Aktivitäten. Es stehen aber auch Medikamente wie Cholinesterasehemmer und Memantin sowie das pflanzliche Arzneimittel Ginkgo biloba zur Verfügung.

Wirkung von Memantin

Zur medikamentösen Behandlung einer Alzheimer-Demenz sind in Deutschland unter anderem die Arzneimittel Axura und Ebixa zugelassen. Beide enthalten den Wirkstoff Memantin. Er ist für Menschen mit einer mittelschweren bis schweren Alzheimer-Demenz zugelassen. Memantin soll verhindern, dass ein Überschuss des Stoffes Glutamat das Gehirn schädigt. Glutamat ist ein Stoff, der Nervensignale überträgt. Tierexperimente legen nahe, dass im Gehirn von Alzheimer-Erkrankten zu viel Glutamat vorhanden sein könnte. Memantin soll verhindern, dass dadurch Nervenzellen absterben, ohne die normale Übertragung von Nervensignalen zu stören.

Bewertung von Memantin

In mehreren systematischen Übersichten wurde geprüft, ob Menschen mit Alzheimer-Demenz von Memantin profitieren.  Es wurde unter anderem untersucht, ob die Medikamente die geistige (kognitive) Leistungsfähigkeit verbessern, psychische Beschwerden mildern oder die Bewältigung des Alltags erleichtern. Zudem wurde untersucht, ob sich die Medikamente auf die Pflegebedürftigkeit auswirken. Bei den Untersuchungen sollte auch festgestellt werden, ob Memantin besser oder schlechter wirkt als andere Medikamente wie beispielsweise Ginkgo-Präparate oder Cholinesterasehemmer.

In den Studien wurde Memantin entweder mit einem Scheinmedikament (Placebo), mit anderen Medikamenten oder mit nicht medikamentösen Maßnahmen verglichen. Es liegen einige gute Studien vor, sodass sich die kurzfristigen Vor- und Nachteile gut beurteilen lassen. Der Nutzen einer mehrjährigen Einnahme ist bisher noch nicht untersucht.

Memantin kann den Abbau bestimmter Fähigkeiten etwas verzögern

Alle Studien untersuchten die Auswirkungen von Memantin auf alltagspraktische Fähigkeiten, die geistige Leistungsfähigkeit und psychische Beschwerden. Auch die emotionale Belastung der Angehörigen wurde in den meisten Studien erfasst. Weniger Daten gibt es zur Lebensqualität der Betroffenen und zu ihrem Betreuungs- und Pflegebedarf. Deshalb bleiben einige Fragen offen.

Alltagspraktische Fähigkeiten wie Zähneputzen, Anziehen oder mit Bus oder Straßenbahn fahren nahmen über die Studiendauer bei allen Teilnehmergruppen ab. Aus den Studien ergibt sich aber ein Hinweis, dass Memantin diesen Prozess verzögern kann.

Die Studien zeigen zudem, dass Memantin den Abbau von geistigen Fähigkeiten (zum Beispiel etwas lernen oder sich merken) etwas verzögern kann. In Zahlen ausgedrückt, konnte Memantin den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit über einen Zeitraum von sechs Monaten bei ungefähr einem von 10 Menschen hinauszögern.

Zudem deuten Studien an, dass sich starke Unruhe verringern kann. In den Studien finden sich aber keine Angaben dazu, ob Memantin beeinflusst, wie lange Menschen mit Demenz noch zu Hause gepflegt werden können.

Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die Therapie Angehörige entlastet, etwa indem sie den Pflegebedarf oder die emotionale Belastung verringert. Die Wirkung von Memantin war unabhängig von Alter, Geschlecht oder Schweregrad der Erkrankung der Teilnehmenden.

Nebenwirkungen

Menschen, die Memantin einnahmen, brachen die Studien nicht häufiger wegen Nebenwirkungen ab als Menschen, die ein Placebo einnahmen. Dies spricht dafür, dass Memantin gut verträglich ist. Insgesamt führte das Medikament auch nicht häufiger zu Nebenwirkungen als ein Placebo. Allerdings nahmen zu wenige Menschen an den Studien teil, um mögliche seltene Nebenwirkungen zu erfassen. Zudem waren die Teilnehmenden abgesehen von ihrer Alzheimer-Demenz bei relativ guter Gesundheit. Daher ist unklar, ob auch Menschen, die wegen weiterer Erkrankungen noch zusätzliche Medikamente nehmen, Memantin gut vertragen.

Offene Fragen

Da keine der bisher durchgeführten Studien länger als zwölf Monate dauerte, bleiben die Folgen einer langfristigen Behandlung mit Memantin weiterhin unklar. Zudem lässt sich bislang schlecht beurteilen, wie Memantin im Vergleich zu anderen medikamentösen oder nicht medikamentösen Behandlungen einer Alzheimer-Demenz abschneidet.