Einleitung

Foto von Frau mit Lagerungsschwindel (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Als Schwindel (Vertigo) wird das Gefühl bezeichnet, dass sich um einen herum alles dreht oder schwankt. Das kann im Stehen, beim Gehen oder im Liegen passieren. Je nach Ursache kann ein Schwindelanfall unterschiedlich lange dauern und mit Benommenheit, Übelkeit oder anderen Beschwerden verbunden sein.

Am häufigsten handelt es sich um den gutartigen Lagerungsschwindel. Dabei lösen bestimmte Bewegungen für kurze Zeit Schwindel aus. Der gutartige Lagerungsschwindel lässt sich einfach feststellen und behandeln.

Symptome

Bei einem gutartigen Lagerungsschwindel entsteht der Eindruck, dass sich alles dreht („Karussellgefühl“). In der Regel wird einem bei raschen Bewegungen des Kopfes schwindelig – zum Beispiel, wenn man

  • den Kopf dreht, neigt oder in den Nacken legt,
  • sich hinlegt,
  • sich im Liegen umdreht,
  • aus dem Liegen heraus aufsetzt oder
  • sich bückt.

Typischerweise hält das Schwindelgefühl nur kurz an – für einige Sekunden bis höchstens fünf Minuten.

Zusätzlich kann es während und nach dem Schwindelanfall zu Übelkeit kommen, selten auch zu Erbrechen.

Ursachen

Ein gutartiger Lagerungsschwindel wird wahrscheinlich durch lose Ablagerungen in den sogenannten Bogengängen des Innenohrs verursacht. Dieses mit Flüssigkeit gefüllte Gangsystem ist ein Teil des Gleichgewichtsorgans. Die Sinneszellen in den drei Bogengängen erspüren, ob und in welche Richtung sich der Kopf dreht.

 

Grafik: Aufbau des Ohrs und Gleichgewichtsorgans - wie im Text beschriebenAufbau des Ohrs und Gleichgewichtsorgans

 

Meist haben sich im hinteren Bogengang winzige Steinchen angesammelt – warum, bleibt meist unklar. Bewegt sich der Kopf, „rieseln“ die Steinchen durch den Bogengang, was die Sinneszellen irritiert. Sie geben eine Fehlinformation weiter, die nicht zu den anderen Sinneswahrnehmungen passt. Die widersprüchlichen Informationen lösen ein Schwindelgefühl aus.

 

Grafik: Aufbau des Gleichgewichtsorgan - wie im Text beschriebenAufbau des Gleichgewichtsorgans

 

Seltener tritt ein Lagerungsschwindel infolge von Schädelverletzungen, Ohrentzündungen, Durchblutungsstörungen oder Bettlägerigkeit auf.

Häufigkeit

Etwa 2 von 100 Menschen haben irgendwann in ihrem Leben einen gutartigen Lagerungsschwindel. Frauen erkranken doppelt so oft wie Männer.

Verlauf

Bei einem gutartigen Lagerungsschwindel kann es immer wieder zu kurzen Schwindelanfällen kommen. Mit der Zeit können sich die Steinchen aber im Bogengang festsetzen und vom Körper abgebaut werden. Deshalb verschwindet ein gutartiger Lagerungsschwindel nach einiger Zeit häufig von allein.

Diagnose

In der Regel ist ein gutartiger Lagerungsschwindel anhand der Beschwerden und der Vorgeschichte leicht zu erkennen und gut von anderen Schwindelformen zu unterscheiden. Der Arzt oder die Ärztin kann zum Beispiel danach fragen, ob der Schwindel dauerhaft, anfallsweise oder bei bestimmten Auslösern auftritt.

Mithilfe des sogenannten Hallpike-Tests lässt sich der Verdacht auf gutartigen Lagerungsschwindel bestätigen: Dabei werden Kopf und Rumpf mit ärztlicher Unterstützung  rasch in einer fest vorgegebenen Abfolge bewegt. Dieses sogenannte Provokationsmanöver kann einen Schwindelanfall auslösen. Da es während eines Schwindelanfalls zu ruckartigen Augenbewegungen (Nystagmus) kommt, beobachtet die Ärztin oder der Arzt bei dieser Untersuchung auch die Augen. Es kann sein, dass man während des Tests eine besondere Brille (Frenzelbrille) tragen muss. Die ausgelösten Augenbewegungen sind dann für die Ärztin oder den Arzt besser zu erkennen.

Behandlung

Eine gängige Methode zur Behandlung des gutartigen Lagerungsschwindels sind sogenannte Lagerungsmanöver. Dabei wird die Patientin oder der Patient nach einem bestimmten Muster in Sitz- oder Liegepositionen mit fest vorgegebenen Kopfhaltungen gebracht. Durch die Bewegungsabfolge sollen die Steinchen aus dem hinteren Bogengang in Bereiche des Gleichgewichtsorgans wandern, wo sie die Sinneswahrnehmung nicht mehr stören.

Bei Steinchen im hinteren Bogengang sind das Epley- und das Semont-Manöver sehr einfache und wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Die Manöver werden in der Regel mehrmals mit Unterstützung der Ärztin oder des Arztes durchgeführt. Leicht abgewandelte Lagerungsübungen kann man auch zu Hause machen, um die Therapie zu fördern.

In den anderen beiden Bogengängen des Gleichgewichtsorgans bilden sich nur selten Steinchen. Dann sind andere Lagerungsmanöver möglich.

Falls der Schwindel Übelkeit auslöst, können Medikamente helfen.

Bei anhaltenden Beschwerden kann eine Operation am Gleichgewichtsorgan erwogen werden. Dabei werden entweder die Nervenfasern verödet, die vom betroffenen Bogengang ausgehen, oder der Bogengang selbst. Die Sinneszellen können dann keine Fehlinformation mehr an das Gehirn weitergeben – allerdings auch keine anderen Informationen. Das heißt, das Gleichgewichtsorgan in diesem Ohr ist durch den Eingriff dauerhaft eingeschränkt.

Grafik: Ablauf des Epley-Manövers bei Lagerungsschwindel durch Ablagerungen im linken Ohr - wie im Text beschrieben

Ablauf des Epley-Manövers bei Ablagerungen im linken Ohr:

  1. Aufrechte Sitzhaltung.
  2. Rückenlage, den Kopf leicht nach hinten überstrecken und um etwa 45° zur Seite des betroffenen Ohrs drehen.
  3. Nach etwa 30 Sekunden den weiter leicht überstreckten Kopf um 90° auf die andere Seite drehen.
  4. Nach weiteren 30 Sekunden den Körper aus der Rückenlage um 90° in die seitliche Liegeposition drehen. Der Kopf dreht sich mit.
  5. Aus dieser Position nach wiederum 30 Sekunden aufsetzen.

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