Einleitung

Erenumab (Handelsname Aimovig) ist seit Juli 2018 in Deutschland zur Vorbeugung von Migräne zugelassen. Es kommt für Erwachsene infrage, die mindestens vier Tage im Monat Migräne haben.

Bei einem Migräneanfall setzen plötzlich heftige Schmerzen auf einer Kopfseite ein. Sie sind deutlich stärker als gewöhnliche Kopfschmerzen und werden als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden. Meist tritt eine Migräne mit zusätzlichen Beschwerden auf: Übelkeit, Erbrechen oder auch Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusche. Unbehandelt halten die Beschwerden zwischen vier Stunden und drei Tagen an. Eine Migräne kann den Alltag erheblich einschränken.

Erenumab ist ein Antikörper. Er hemmt die Wirkung eines bestimmten Proteins (Calcitonin Gene-Related Peptide, abgekürzt CGRP), das bei der Entstehung von Migräneanfällen eine Rolle spielt. Dadurch soll Migräneanfallen vorgebeugt werden.

Anwendung

Erenumab wird alle vier Wochen unter die Haut (subkutan) gespritzt. Die Dosierung beträgt 70 mg und kann in bestimmten Fällen auf 140 mg gesteigert werden. Zeigt sich nach 3 Monaten keine Verbesserung der Beschwerden, sollte ein Absetzen der Therapie abgewogen werden.

Andere Behandlungen

Für nicht vorbehandelte Personen oder Patientinnen und Patienten, bei denen mindestens eine vorbeugende Therapie nicht ausreichte oder nicht vertragen wurde, kommt abhängig vom bereits ausprobierten Wirkstoff Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat oder Amitriptylin infrage. Bleiben auch diese Wirkstoffe ohne Erfolg oder sind sie nicht geeignet, können Valproinsäure oder bei bestimmten Patientinnen und Patienten Clostridium botulinum Toxin Typ A zum Einsatz kommen. Sind alle Therapien zur Vorbeugung ungeeignet, kommt eine bestmögliche unterstützende Behandlung infrage. Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob Erenumab Vor- oder Nachteile für Personen mit Migräne im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte eine Studie mit Personen vor, die bereits mindestens 2 Therapien erfolglos ausprobiert hatten und an vier bis vierzehn Tagen pro Monat Migräne hatten. Es konnten die Daten von 193 Personen ausgewertet werden. 88 Personen wurden 3 Monate lang mit Erenumab behandelt, während die anderen 105 Patientinnen und Patienten ein Scheinmedikament (Placebo) bekamen. Beide Gruppen erhielten zusätzlich eine bestmögliche unterstützende Behandlung. Nach 3 Monaten zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Erenumab?

  • Migränetage pro Monat: Erste Ergebnisse deuten hier auf einen Vorteil von Erenumab hin. Nach Beginn der Behandlung mit Erenumab hatten etwa 30 von 100 Personen nur noch die Hälfte oder weniger Migränetage als vorher. Mit einem Placebo hatten nur etwa 14 von 100 Personen diese Linderung.
  • Beeinträchtigung durch Kopfschmerzen: Hier weist die Studie auf einen Vorteil hin: 51 von 100 Personen mit Erenumab fühlten sich durch die Kopfschmerzen im Alltag weniger beeinträchtigt. Mit einem Placebo war dies nur bei etwa 27 von 100 Personen der Fall.
  • Auch insgesamt fühlten sich die Personen, die Erenumab einnahmen, weniger in ihren Aktivitäten beeinträchtigt.

Welche Nachteile hat Erenumab?

Es zeigten sich keine Nachteile von Erenumab im Vergleich zu dem Placebo.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Körperliche Funktion und Arbeitsproduktivität: Hier ließ sich kein relevanter Unterschied zwischen Erenumab und dem Placebo nachweisen.
  • Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Es zeigte sich kein Unterschied. Schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen nur vereinzelt auf.
  • Gesundheitszustand: Auch hier zeigte sich kein Unterschied zwischen Erenumab und dem Placebo.

Welche Fragen sind noch offen?

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Hierzu legte der Hersteller keine Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis desr Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Erenumab (Aimovig).