Der Impfstoff AstraZeneca (AZD1222, AstraZeneca) zur Impfung gegen Corona

Foto der Impfung eines Mannes
PantherMedia / lacheev

Der Impfstoff von AstraZeneca („COVID-19 Vaccine AstraZeneca“) ist ein Impfstoff gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2. Der Impfstoff wurde bislang in vier Studien mit knapp 24.000 Teilnehmenden erprobt. Nach den Ergebnissen kann er vor Covid-19 schützen, der Erkrankung durch dieses . Vorübergehende Nebenwirkungen der Impfungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, und Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen sind zwar häufig, bleiben aber meist leicht. Viele Fragen zur längerfristigen Wirkung des Impfstoffs lassen sich im Moment noch nicht beantworten.

Art des Impfstoffs

Der Impfstoff AstraZeneca (vorher: AZD1222) ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff. Der Impfstoff besteht aus den "Hüllen" harmloser Viren, die den „Bauplan“ (Abschrift der ) für ein Eiweiß auf der Oberfläche des Coronavius SARS-CoV-2 enthalten. Diese Vektoren werden von Körperzellen aufgenommen, die dann für eine kurze Zeit dieses Corona-Eiweiß (S-Protein) herstellen. Dadurch wird das angeregt, Abwehrstoffe ( und T-Zellen) gegen das S-Protein zu bilden. Wenn die geimpfte Person später in Kontakt mit diesem Coronavirus kommt, wird dieser schnell durch das erkannt und gezielt bekämpft.

Durch die entstehen keine Coronaviren. Auch die Vektoren können sich nicht vermehren.

Informationen zu weiteren Inhaltsstoffen finden sich im Beipackzettel.

Für wen ist der Impfstoff AstraZeneca zugelassen?

Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat am 29. Januar 2021 die Zulassung des Corona-Impfstoffs für Personen ab 18 Jahren empfohlen. Die EU-Kommission erteilte am selben Tag die Zulassung. In Großbritannien ist der Impfstoff bereits länger zugelassen.

Anfangs hieß der Impfstoff AZD1222. Im Rahmen der Zulassung hat der Impfstoff den Namen "COVID-19 Vaccine AstraZeneca" erhalten - kurz "AstraZeneca".

Informationen dazu, welchen Personengruppen in Deutschland eine Corona-Impfung angeboten werden soll, veröffentlicht die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch Instituts.

Die STIKO empfiehlt den Impfstoff AstraZeneca nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Sie begründet die Einschränkung damit, dass für Personen ab 65 Jahren ausreichende Daten zur Wirksamkeit fehlen.

Zugelassene Corona-Impfstoffe

In Deutschland stehen folgende Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zur Verfügung:

Tabelle: In Deutschland zugelassene Corona-Impfstoffe
Name des Impfstoffs Hersteller Zulassung
Comirnaty Biontech/Pfizer Dezember 2020
Covid-19 Vaccine Moderna Moderna Biotech Januar 2021
Covid-19 Vaccine AstraZeneca AstraZeneca Januar 2021

Wie läuft die Impfung ab?

AstraZeneca wird in die Muskulatur eines Oberarms gespritzt. Es sind insgesamt zwei Spritzen erforderlich: Die zweite Impfdosis soll 4 bis 12 Wochen nach der ersten gegeben werden.

Wie wurde der Impfstoff AstraZeneca untersucht?

Der Impfstoff wurde in vier Studien mit insgesamt etwa 24.000 Teilnehmenden untersucht.

Die EMA hat bei der Prüfung der Wirksamkeit nur Daten zu Teilnehmenden ausgewertet, die zwei volle Impfdosen innerhalb von 4 bis 12 Wochen Abstand erhalten haben. Die Daten wurden im Mittel knapp 2 Monate nach der zweiten erhoben.

Die Studien haben untersucht, wie gut der Impfstoff AstraZeneca eine Erkrankung mit Covid-19 verhindern konnte. Darunter fielen alle Arten von Erkrankungen, von leicht bis schwer.

Wer nahm an der Studie teil?

Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 88 Jahren alt. Etwa 6 % waren älter als 70 Jahre. Die Personen entsprachen grundsätzlich in etwa der normalen Bevölkerung: Neben Gesunden nahmen auch Personen mit leichteren chronischen Erkrankungen teil. Unter letzteren waren auch Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes, bei denen das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöht ist. Es nahmen etwas mehr Frauen als Männer teil.

Welche Studiengruppen gab es?

Eine Hälfte der Teilnehmenden bekam den Impfstoff AstraZeneca, die andere entweder einen Meningokokken-Impfstoff oder ein Scheinmedikament () in Form einer Kochsalzlösung.

Wer wurde von der Teilnahme ausgeschlossen?

Ausgeschlossen wurden Personen mit sehr schweren chronischen Erkrankungen, einer Immunschwäche oder anderen speziellen Risiken. Auch Kinder und Jugendliche sowie Schwangere und stillende Mütter nahmen nicht teil.

Wie gut wirkt der Impfstoff AstraZeneca?

In den Studien wurde untersucht, wie gut die eine durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Covid-19-Erkrankung verhindern konnte. Covid-19-Erkrankung hieß: neben einem positiven PCR-Test mussten Symptome wie beispielsweise Fieber, Husten oder Atemnot vorliegen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Wirksamkeit von AstraZeneca auf Basis von Daten zu etwa 10.500 Personen ausgewertet. Diese Personen hatten 2 Impfungen mit der vollen Dosis im Abstand von 4 bis 12 Wochen erhalten.

Wie gut beugt die Impfung einer Covid-19-Erkrankung vor?

Bei der Berechnung der folgenden Ergebnisse wurden nur die Personen betrachtet, die beide Impfdosen innerhalb von 4 bis 12 Wochen bekommen haben. Um die Zahlen besser vergleichen zu können, haben wir alle Ergebnisse auf 10.000 Personen umgerechnet.

Tabelle: Wirksamkeit des Impfstoffs AstraZeneca
Wie viele Personen erkrankten an Covid-19? Kontrolle
(Meningokokken-Impfstoff oder Kochsalzlösung)
AstraZeneca Prozentuale Verringerung des Risikos
Teilnehmende mit 2 vollen Impfdosen 296
von
10.000
122
von
10.000
ca. 60 %

Die Tabelle zeigt: Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, sank durch die mit AstraZeneca um etwa 60 %.

Bei Menschen mit Vorerkrankungen war der Impfstoff ebenso wirksam.

Es gibt bislang nur wenige Daten zur Wirksamkeit bei Menschen über 55 Jahren. Deshalb ist noch offen, ob die Corona-Impfung bei ihnen ebenso wirksam ist wie bei Jüngeren.

Die EMA geht aber davon aus, dass auch ältere Menschen einen Schutz durch die haben. Die Frage wird in Studien weiter untersucht.

Wie gut beugt die Impfung schweren Verläufen vor?

Es wurde auch untersucht, ob eine mit AstraZeneca schwere Krankheitsverläufe vermeiden kann. Eine schwere Covid-19-Erkrankung hieß unter anderem: Jemand hatte eine sehr niedrige Sauerstoffsättigung, sodass er zum Beispiel eine Behandlung mit Sauerstoff benötigte, einen Kreislaufschock, Lungenversagen, wurde auf eine Intensivstation verlegt oder starb an Covid-19.

Bis zur Auswertung der Daten trat nur bei einer Person ein schwerer Verlauf auf. Daher lässt sich bislang noch nicht sicher beurteilen, wie gut der AstraZeneca-Impfstoff auch schwere Verläufe verhindern kann. Allerdings wurde in der Impfstoff-Gruppe niemand in ein Krankenhaus aufgenommen. In der Vergleichsgruppe dagegen wurden 8 Menschen in einem Krankenhaus behandelt.

Schützt auch schon die erste Impfdosis?

Etwa 2 Wochen nach der ersten Dosis hat man schon einen gewissen Schutz gegen eine Covid-19-Erkrankung. Den mit dem Impfstoff AstraZeneca maximal erreichbaren Schutz hat man etwa 2 Wochen nach der zweiten Dosis.

Wie wirksam ist der Impfstoff gegen Varianten des Corona-Virus?

In verschiedenen Ländern und Regionen treten Varianten des Corona-Virus auf. Diese Varianten unterscheiden sich zum Beispiel durch Mutationen des S-Proteins voneinander. Sie werden wissenschaftlich untersucht, unter anderem um festzustellen, ob sie leichter von Mensch zu Mensch übertragbar sind und wie gut die vorhandenen Impfstoffe schützen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht bislang davon aus, dass der Impfstoff AstraZeneca gegen die derzeit in Deutschland häufig vorkommenden Varianten wirksam ist. Das RKI aktualisiert seine Einschätzung regelmäßig.

Kann man trotz Impfschutz das Coronavirus übertragen?

Die Studien haben in erster Linie untersucht, ob der Impfstoff AstraZeneca Covid-19-Erkrankungen verhindern kann. Es ist aber noch unklar, ob man sich trotz Impfschutz mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 anstecken kann, dann aber ohne Beschwerden bleibt. Ob eine geimpfte Person das dann trotzdem übertragen kann, muss ebenfalls weiter untersucht werden.

Welche Nebenwirkungen treten auf?

Es ist normal, dass nach einer bestimmte Nebenwirkungen auftreten. Denn es kann zeigen, dass der Körper auf den Impfstoff reagiert und Abwehrstoffe bildet. Meist sind die Nebenwirkungen leicht und legen sich innerhalb einiger Tage wieder.

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat die Nebenwirkungen von AstraZeneca auf Basis von Daten zu etwa 24.000 Personen ausgewertet.

Um die Zahlen besser vergleichen zu können, haben wir alle Ergebnisse auf Prozent umgerechnet.

Tabelle: Nebenwirkungen der mit AstraZeneca
Wie häufig traten vorübergehende Nebenwirkungen auf? Kontrolle
(Meningokokken-Impfstoff oder Kochsalzlösung)
AstraZeneca
Reaktionen an der Einstichstelle
(Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Rötung oder Schwellung)
bei 50 % bei 75 %
Körperliche Beschwerden
(Erschöpfung, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Muskelschmerzen)
bei 60 % bei 73 %

Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass es durch die zu schweren Nebenwirkungen kommt.

In der Studie traten nur vereinzelt schwerere Erkrankungen auf, zwischen geimpften und ungeimpften Personen gab es dabei keinen Unterschied. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass diese Erkrankungen durch den Impfstoff verursacht wurden. Die Arzneimittelbehörden beobachten und prüfen solche Fälle weiter gründlich.

Welche Vorsichtsmaßnahmen werden empfohlen?

Die Arzneimittelbehörden empfehlen, Geimpfte nach der Spritze für mindestens 15 Minuten zu beobachten, um auf unmittelbare Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen reagieren zu können.

Bei bestimmten Menschen könnte das Risiko für Nebenwirkungen durch den Impfstoff höher sein. Deshalb ist es wichtig, beim Aufklärungsgespräch vor der zu klären, ob jemand

  • schon einmal eine schwere allergische Reaktion nach einer früheren hatte,
  • nach einer schon einmal ohnmächtig wurde (beispielsweise aus Stress oder Angst vor der Spritze),
  • gerade eine schwere Erkrankung oder eine mit hohem Fieber hat,
  • eine Störung der hat oder leicht zu Blutungen neigt,
  • schwanger ist (oder dies vermutet) oder stillt.

Das gilt auch für Personen mit einem geschwächten , beispielsweise durch HIV oder durch die Einnahme von Medikamenten wie .

Der Vektor-Impfstoff AstraZeneca ist kein Lebendimpfstoff. Er kommt deshalb grundsätzlich auch für Menschen mit einen geschwächten infrage.

Wie wird die Sicherheit der Impfstoffe überwacht?

Sehr seltene Nebenwirkungen können während der Zulassungsstudien eines Impfstoffs meist nicht erkannt werden. Deshalb überwachen internationale Behörden nach der Zulassung von Impfstoffen immer die Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen. In Deutschland veröffentlicht das Paul-Ehrlich-Institut dazu regelmäßig "Sicherheitsberichte".

Wenn jetzt nach und nach in Deutschland und weltweit Millionen von Menschen gegen Corona geimpft werden, ist allein aufgrund von Zufall zu erwarten, dass immer wieder nach einer schwerere Erkrankungen auftreten.

Die Behörden müssen dann genau prüfen, ob tatsächlich ein Zusammenhang mit der besteht oder ob es sich um Zufall handelt. Diese Prüfung führt dann unter Umständen dazu, dass die Liste der möglichen Nebenwirkungen im Laufe der Zeit ergänzt wird.

Welche Fragen sind noch offen?

Unklar ist:

  • Wie lange hält der Impfschutz an?
  • Gibt es seltene Nebenwirkungen, die sich in der Studie nicht zeigten?
  • Gibt es verzögerte Nebenwirkungen, die sich erst Monate nach der zeigen?
  • Wie wirksam und sicher ist der Impfstoff bei Gruppen, die in den Studien entweder gar nicht oder kaum eingeschlossen waren (zum Beispiel Kinder, Schwangere oder Menschen mit einer starken Immunschwäche)?
  • Ist die für Personen sinnvoll, die bereits eine Covid-19-Infektion hatten?
  • Wie gut schützt die vor Langzeitschäden durch Covid-19?
  • Wie wirksam werden auch asymptomatische Infektionen verhindert?
  • Wie gut verhindert der Impfstoff die Übertragung des Coronavirus?

Die Zulassungsstudien zum Impfstoff AstraZeneca werden fortgesetzt, zudem wurden weitere Studien begonnen. Deshalb kann es in den nächsten Monaten noch weitere Erkenntnisse zur Wirksamkeit und zu Nebenwirkungen geben.

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Aktualisiert am 26. Februar 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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