Einleitung

Brivaracetam (Handelsname Briviact) ist seit Januar 2016 als Zusatztherapie für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene mit epileptischen Krampfanfällen zugelassen. Seit Juli 2018 können bereits Kinder ab 4 Jahren mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Epileptische Anfälle werden durch eine gestörte Aktivität von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Die Anfälle äußern sich unter anderem durch Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen, Muskelzuckungen bis hin zu starken Krämpfen und Unwohlsein. Meist geht ein Krampfanfall innerhalb einiger Sekunden bis Minuten vorüber.

Je nach Ausbreitung werden fokale und generalisierte epileptische Anfälle unterschieden. Generalisierte Krampfanfälle betreffen den ganzen Körper. Fokale Anfälle bleiben dagegen auf einen kleinen Teil des Gehirns begrenzt, Muskelzuckungen oder -krämpfe betreffen dann nur einzelne Körperstellen. Ein fokaler Anfall kann sich aber über den gesamten Körper ausbreiten – man spricht dann von einer „sekundären Generalisierung“.

Brivaracetam ist zur Behandlung von fokalen Krampfanfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung bei Personen ab 16 Jahren zugelassen. Der Wirkstoff beeinflusst die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn und soll so Krampfanfällen vorbeugen.

Anwendung

Brivaracetam wird zusätzlich zu einer Standardbehandlung eingesetzt. Der Wirkstoff ist verfügbar als:

  • Tablette (10, 25, 50, 75 oder 100 mg)
  • Lösung zum Einnehmen (10 mg)
  • Injektions- oder Infusionslösung (10 mg): Der Wirkstoff kann direkt in eine Vene gespritzt oder über einen Tropf gegeben werden.

Die Dosierung richtet sich bei Kindern und Jugendlichen nach dem Körpergewicht und wird individuell nach der Schwere der Anfälle und dem Auftreten von Nebenwirkungen angepasst.

Andere Behandlungen

Für Personen mit fokalen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung gibt es für die Zusatzbehandlung mehrere Alternativen, deren Einsatz von der individuellen Situation abhängt. Infrage kommen Levetiracetam, Valproinsäure, Gabapentin, Lamotrigin und einige weitere Wirkstoffe.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2018 geprüft, ob Brivaracetam für Menschen ab 4 Jahren mit fokalen epileptischen Krampfanfällen Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse mehrerer Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Brivaracetam (Briviact).