Behandlung eines eingewachsenen Zehennagels

Foto von Fußbad (PantherMedia / Kzenon) Wächst ein Zehennagel in die Haut ein, kann es zu einer schmerzhaften Entzündung kommen. Leichte Beschwerden lassen sich zum Beispiel häufig mit antiseptischen Salben lindern. Wenn sich der eingewachsene Nagel chronisch entzündet hat oder eitert, kann aber eine Operation erforderlich sein.

Eingewachsene Zehennägel sind häufig. Je nachdem wie stark die Beschwerden sind, kommen unterschiedliche Behandlungen infrage.

Bei leichten Beschwerden genügen normalerweise unter anderem Salben, Tamponaden oder Nagelspangen. Dafür ist nicht gleich ein Arztbesuch nötig. Wer sich bei der Behandlung unsicher ist, kann eine Praxis für medizinische Fußpflege (Podologie) aufsuchen.

Wenn diese Maßnahmen nicht helfen oder der eingewachsene Nagel stark schmerzt, eitert oder dauerhaft entzündet ist, kommt eine Operation infrage. In der Regel schneidet die Ärztin oder der Arzt dann das entzündete Gewebe heraus und entfernt etwa ein Drittel des Nagels, manchmal auch den ganzen Nagel.

Was kann man selbst tun?

Man kann zunächst versuchen, die schmerzende Stelle mit einem warmen, seifenhaltigen Fußbad zu reinigen und etwa 10 bis 20 Minuten einzuweichen. Die Haut lässt sich dann vom einwachsenden Nagelrand etwas wegschieben, sodass die kleine Wunde versorgt werden kann. Wichtig ist, den Fuß nach dem Bad gründlich abzutrocknen. Antiseptische und entzündungshemmende Tinkturen, Gele oder Salben beugen Infektionen vor und können die Haut beruhigen. Dabei sollte das Mittel nicht zu dick aufgetragen werden, damit das Gewebe nicht zu sehr aufweicht.

Ziel der Behandlung ist es, Beschwerden zu lindern und dafür zu sorgen, dass der eingewachsene Nagel wieder normal weiterwachsen kann.

Deshalb sollte man darauf achten, dass nichts auf den eingewachsenen Bereich drückt – auch nicht die Nachbarzehe. Hier kann zum Beispiel ein kleiner Schaumstoff- oder Silikon-Keil helfen, der als Abstandshalter in den Zehenzwischenraum eingelegt und mit einer Mullbinde fixiert wird.

Zusätzlich gibt es spezielle Hilfsmittel, die den Nagelrand dauerhaft von der angrenzenden Haut (Nagelwall) abspreizen, sodass er wieder frei wachsen kann. Einige davon sind in Drogerien und Apotheken ohne Rezept erhältlich. Ein Besuch in einer Arztpraxis ist nicht notwendig. Es kann aber hilfreich sein, sich an eine Podologin oder einen Podologen zu wenden. Ob und wann bestimmte Hilfsmittel besonders geeignet sind, muss noch in Studien überprüft werden. Infrage kommen:

  • Tamponaden: Dabei wird der Nagelrand vorsichtig angehoben und ein steriler Kompressen-Streifen zwischen Nagel und Haut gelegt.
  • Zugverbände aus Pflaster: Sie werden so angebracht, dass sie die entzündete Haut an der Seite des Nagels vom Nagelrand wegziehen.
  • Nagelspangen: Diese Hilfsmittel werden auf den Nagel gesetzt und hinter einem oder beiden seitlichen Nagelrändern eingehakt. Durch den Zug der Spange hebt sich der Nagel etwas an. Es gibt auch Spangen, die nicht eingehakt werden müssen, sondern auf den Zehennagel aufgeklebt werden.
  • Kunststoffschienen: Sie werden über den Nagelrand geschoben und sorgen so für Abstand zwischen Nagel und Haut.

 

Grafik: Spange oder Schiene als Behandlungsmöglichkeit - wie im Text beschriebenSpange oder Schiene als Behandlungsmöglichkeit

Behandlungen wie Spangen oder Schienen haben in der Regel wenige Nebenwirkungen, erfordern aber Geduld: Bis der Nagel aus dem Bereich der Entzündung herausgewachsen ist, können manchmal mehrere Monate vergehen. Außerdem sind sie nicht für jeden geeignet: Wenn es zum Beispiel aufgrund eines Diabetes zu Empfindungsstörungen in den Füßen kommt oder wenn der Zeh bereits entzündet ist, sollte man diese Hilfsmittel erst nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt anwenden.

Wie kann eine Operation ablaufen?

Wenn sich die Beschwerden durch Maßnahmen wie Einweichen, Salbenverbände oder Nagelspangen nicht bessern oder wenn der eingewachsene Zehennagel von vornherein stark entzündet ist, eitert oder heftige Schmerzen verursacht, empfehlen Fachleute meist eine Operation.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um einen eingewachsenen Zehennagel operativ zu behandeln. Bei kleineren Eingriffen wird das entzündete Gewebe am seitlichen Rand des Nagels entfernt (Nagelwall-Resektion). Dadurch hat der Nagel wieder mehr Platz. Manchmal wird dabei nur der eingewachsene Nagelrand weggeschnitten (Keilresektion).

Größere Eingriffe: Teilweise und komplette Nagelentfernung

In der Regel versuchen Ärztinnen und Ärzte jedoch in etwas größeren Eingriffen, das entzündete Gewebe und den betroffenen Nagelbereich bis zur Nagelwurzel zu entfernen.

Eine häufige Operation ist dabei die sogenannte Drittel-Resektion. Dabei wird auf der eingewachsenen Seite ein Drittel des Nagels und das entzündete Gewebe herausgeschnitten. Manchmal reicht es auch aus, ein Viertel des Nagels wegzuschneiden. Um die Wunde zu verschließen, nähen die Chirurgin oder der Chirurg den Restnagel an der Seite mit der verbliebenen Haut zusammen (Kocher-Emmert-Plastik). Manchmal ist es sinnvoll, die Wunde offen ausheilen zu lassen – etwa bei einer sehr starken Entzündung. Wenn der Nagel an beiden Rändern in die Haut eingewachsen ist, kann der Nagel auch vollständig entfernt werden.

Direkt nach einem Eingriff ist es ratsam, den Fuß erst einmal hoch zu lagern. Die Wundschmerzen lassen sich durch Schmerzmittel lindern. Wurde die Wunde genäht, werden in der Regel zehn Tage nach der Operation die Fäden gezogen. Heilt die Wunde offen aus, sind in den ersten Wochen regelmäßige Verbandswechsel und Kontrollen nötig, zum Beispiel bei der Hausärztin oder dem Hausarzt.

Nagelmatrix teilweise entfernen oder veröden

Eine Operation soll auch gewährleisten, dass der Nagel später nicht erneut einwächst. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Nagelmatrix, in welcher der Nagel wie in einer Tasche steckt. Die Zellen in der Matrix sorgen dafür, dass der Nagel kontinuierlich nachwächst. Aber genau das kann später wieder zu Problemen führen. Deshalb versuchen Ärztinnen und Ärzte vor allem bei einem wiederholt eingewachsenen Nagel nicht nur einen Teil des Nagels zu entfernen, sondern auch den entsprechenden Teil der Matrix. Der betroffene Bereich der Nagelmatrix wird herausgeschnitten oder ausgekratzt. Der Nagel ist dann in Zukunft schmaler. Die Operateure können einen Teil der Matrix auch mit einer ätzenden Flüssigkeit wie Phenol oder Natronlauge veröden. Alternativ kann er mit Hitze verdampft werden, zum Beispiel mithilfe von elektrischem Strom (Elektro-Kauterisation) oder einem Laser.

Betäubung

Für die verschiedenen Eingriffe ist in der Regel keine Vollnarkose notwendig – eine örtliche Betäubung reicht aus. Dafür wird ein Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) in den Zeh gespritzt, nahe am Übergang zum Fuß. Manchmal wird statt der örtlichen Betäubung auch ein Beruhigungsmittel gespritzt, sodass man während des Eingriffs schläft. Damit die Schnitte während der Operation nicht zu stark bluten, wird der Zeh außerdem mit einem Gummiband abgebunden.

Welche Risiken haben die verschiedenen Operationen?

Zu den allgemein möglichen Komplikationen bei einer Operation zählen Wundinfektionen, Wundheilungsstörungen, Blutungen oder die Schädigung von Nervenfasern. Wird der Nagel entfernt, besteht zudem das Risiko, dass die Strecksehne des Zehs verletzt wird, sodass der Zeh nur noch eingeschränkt bewegt werden kann.

Wundinfektionen, Blutungen und Schmerzen kommen bei allen Eingriffen ähnlich häufig vor. Die Operationswunden heilen nach verschiedenen Eingriffen auch ähnlich schnell – etwa innerhalb von zwei Wochen. Eine begleitende Antibiotika-Therapie senkt das Risiko für Wundinfektionen nicht. Auch die Heilung dauert mit Antibiotika genauso lange wie ohne diese Medikamente.

Welche Behandlung verhindert am ehesten ein erneutes Einwachsen?

Wer einmal einen eingewachsenen Nagel hatte, will verhindern, dass der Nagel erneut Probleme bereitet. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das Risiko für ein erneutes Einwachsen nach einer Operation niedriger ist als nach einer Behandlung mit einer Kunststoffschiene:

  • Nach einer Behandlung mit einer Kunststoffschiene kommt es bei etwa 49 von 100 Personen innerhalb einen Jahres zu einem Rückfall.
  • Nach dem chirurgischen Eingriff wächst bei etwa 31 von 100 Personen der Nagel wieder ein.

Mehrere Studien haben auch untersucht, ob eine Operation ein erneutes Einwachsen besser verhindern kann, wenn sie mit einer chemischen Verödung der Nagelmatrix kombiniert wird. In diesen Studien wurden allerdings häufig unterschiedliche Eingriffe miteinander verglichen. Deshalb lässt sich bislang lediglich schlussfolgern, dass größere Eingriffe mit zusätzlicher Matrixverödung Rückfällen eher vorbeugen als kleinere Eingriffe mit Verödung.

Nur in einer Studie wurden alle 123 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dieselbe Weise operiert: Ihnen wurde der Nagel teilweise entfernt. Bei 63 Personen wurde zusätzlich der entsprechende Teil der Matrix mit Phenol verödet. Diese zusätzliche Verödung verringerte das Rückfallrisiko:

  • Nach einer Nagel-Teilentfernung hatten 41 von 100 Operierten innerhalb eines Jahres einen Rückfall.
  • Wurde bei dem Eingriff auch der entsprechende Teil der Matrix mit Phenol verödet, wuchs der Nagel innerhalb eines Jahres nur bei 14 von 100 Personen erneut ein.

Die zusätzliche Phenol-Behandlung bewahrt also möglicherweise 27 von 100 Personen davor, dass der Zehennagel wieder einwächst. Die Vor- und Nachteile der Matrixverödung lassen sich aber noch nicht sicher beurteilen. Die Gründe dafür liegen in der verbesserungswürdigen wissenschaftlichen Qualität der Studien.

Schlagwörter: Eingewachsener Nagel, Haut und Haare, Krankheiten der Nägel, L60, Nagelkrankheiten, Onychocryptosis, Unguis incarnatus