Beeinflusst die Ernährung in Schwangerschaft oder Stillzeit das Neurodermitis-Risiko des Kindes?

Foto von Mutter mit Sohn und Kinderwagen (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Es gibt keine Hinweise, dass der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel der Mutter in Schwangerschaft oder Stillzeit das Risiko für Neurodermitis beim Kind beeinflusst. Deshalb gibt es keinen Grund, vorsorglich auf Nahrungsmittel wie Eier oder Kuhmilch zu verzichten.

Ob ein Kind Neurodermitis bekommt, ist zum größten Teil erblich bedingt. Man geht aber davon aus, dass auch andere Faktoren dazu beitragen. Denn allein durch Vererbung lässt sich nur schwer erklären, dass Neurodermitis in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden ist.

Manche Mütter fragen sich, ob sie ihr Kind vor Neurodermitis schützen können, wenn sie während der Schwangerschaft und Stillzeit auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten. Denn allergieauslösende Stoffe (Antigene) können über die Nabelschnur und später über die Muttermilch in den Körper des Kindes gelangen. Allerdings bleiben solche Antigene offenbar nur für kurze Zeit im Kreislauf des Kindes.

Um herauszufinden, ob die Ernährung schwangerer oder stillender Frauen das Neurodermitis-Risiko ihrer Kinder beeinflusst, werden vergleichende Studien benötigt. Wenn manche Studienteilnehmerinnen auf möglicherweise Neurodermitis auslösende Lebensmittel verzichten und andere nicht, lässt sich überprüfen, ob Kinder von den Müttern, die verzichtet haben, seltener an Neurodermitis erkranken.

Studien zum Verzicht auf Lebensmittel

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat zu dieser Frage Studien analysiert. Sie werteten fünf geeignete Studien mit insgesamt etwa 950 Teilnehmerinnen aus. An zwei Studien nahmen Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel teil, an drei Studien stillende Mütter. Alle teilnehmenden Frauen und Kinder hatten ein erhöhtes familiäres Risiko für Neurodermitis oder für eine allergische Erkrankung. In einer der beiden Studien mit stillenden Müttern waren die Säuglinge bereits an Neurodermitis erkrankt.

Die Ernährungsvorgaben in den Studien beinhalteten einen Verzicht oder nur sehr geringen Konsum von Kuhmilch und Eiern. In den Studien, an denen stillende Mütter teilnahmen, wurden auch andere Lebensmittel wie etwa Nüsse und Fisch weggelassen.

Studienergebnisse und Empfehlungen

Die beiden Studien mit schwangeren Frauen zeigten keinen Einfluss der Ernährung auf das spätere Neurodermitis-Risiko ihrer Babys. Die Kinder wurden bis zum 18. Lebensmonat nachuntersucht. Auch der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel während der Stillzeit beeinflusste das Neurodermitis-Risiko oder die Beschwerden nicht.

Diese Ergebnisse sind allerdings nicht verlässlich genug, da es sich insgesamt nur um fünf Studien mit teilweise nur wenigen Teilnehmerinnen handelte. Für sichere Aussagen zur Frage, ob sich das Neurodermitis-Risiko des Kindes durch das Vermeiden bestimmter Lebensmittel verringern lässt, sind mehr und bessere Studien nötig.

Auf Basis der bisherigen Forschungsergebnisse sehen die wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland keinen Grund, die Ernährung in der Schwangerschaft oder Stillzeit einzuschränken. Sie empfehlen schwangeren und stillenden Frauen eine ausgewogene Ernährung, die ihren Bedarf an Nährstoffen ausreichend deckt.

Schlagwörter: Atopische Dermatitis, Ekzem, Haut und Haare, Kind und Familie, L20, L20.8, L22, L29, Neurodermitis, R21