Ich habe gelernt, mit den Schmerzen umzugehen

Foto von zwei Männern beim Heben eines Kartons (Jupiterimages / Stockbyte / Thinkstock) Werner, 62 Jahre

„Es war viele Jahre überhaupt nicht klar, was ich eigentlich habe. Irgendwann haben mir auch keine Medikamente mehr geholfen.“

Ich habe als Lastkraftwagenfahrer gearbeitet, habe Waren ab- und aufgeladen. Hin und wieder hatte ich durch diese Arbeit einen Hexenschuss. Das war aber nie wirklich schlimm und ging immer wieder weg. Später habe ich Radlader, Muldenkipper, Müllwagen und Streufahrzeige gefahren. Auch dabei musste ich viele Dinge auf- und abladen.

Etwa seit 1975 habe ich Rückenschmerzen. Am Anfang war das immer phasenweise durch die Hexenschüsse, später wurde es immer schlimmer. Es war viele Jahre überhaupt nicht klar, was ich eigentlich habe. Irgendwann haben mir auch keine Medikamente mehr geholfen.

1987 und 1988 war ich wegen meiner Rückenschmerzen in einer Rehaklinik. Die Schmerzen sind aber nicht ganz weggegangen. 1993 wurde ich dann erneut zur Kur geschickt.

Das Schlafen ging damals ganz gut – mit recht starken Medikamenten. Damit habe ich den Schmerz betäubt. Die Tabletten sind mir aber irgendwann auf den Magen geschlagen und ich habe Sodbrennen bekommen. Dagegen hat mir mein Arzt ein Mittel gegeben, dass das besser wurde. Das hat ganz gut funktioniert.

Ich habe meine Beschwerden immer auf die Arbeit geschoben

1996 hatte ich sehr starke Beschwerden bis hin zu Lähmungserscheinungen in einem Bein. Ich habe meine Beschwerden immer auf die Arbeit geschoben. Ich musste ja öfter schwere Dinge tragen. Erst mit den Lähmungserscheinungen habe ich gedacht, dass das nicht mehr normal sein kann. Daraufhin wurde bei mir eine Kernspintomografie gemacht. Dabei wurde festgestellt, dass eine Bandscheibe verletzt ist und ich wurde an der Bandscheibe operiert.

Nach der Operation war erst mal alles prima. Einige Jahre später habe ich jedoch wieder starke Schmerzen bekommen. Es wurde mit der Zeit immer schlimmer. Erst hatte ich Lähmungserscheinungen in einem Bein, dann in beiden und ich konnte nicht mehr laufen und musste in die Notaufnahme. Im Krankenhaus haben sie dann festgestellt, dass ich einen schweren Bandscheibenvorfall habe. Ich wurde sofort operiert, weil die Gefahr bestand, dass ich gelähmt werde. Das war für mich schon sehr belastend mit der Operation. Ich habe ja Frau und Kinder daheim und damals auch die Arbeit. Nach der Operation war ich sehr erleichtert. Die Verbesserung war gleich zu spüren. Das war ein tolles Gefühl.

Die Ärzte haben mir damals gesagt, dass das alles mit dem LKW-fahren zusammenhängen könnte. Mein Arbeitgeber hat das aber nicht so gesehen. Ich wurde dann in eine andere Abteilung versetzt und musste nicht mehr schwere Dinge heben oder tragen. Dennoch sind die Schmerzen geblieben. Drei Jahre nach der Operation bin ich in Altersteilzeit gegangen und nun seit drei Jahren in Rente.

Beide Operationen waren große Eingriffe für mich. Ich hatte schon Angst davor. Aber beide liefen ja gut und ich hatte keine Schwierigkeiten.

Ich darf nicht für längere Zeit in einer Position bleiben

Momentan habe ich schon noch Schmerzen. Aber ich komme in der Regel ohne Medikamente klar. Also wenn ich irgendwo länger sitzen muss, beispielsweise im Kino, dann kann es sein, dass ich zwischendurch mal aufstehen muss. Das Beste für mich ist, abwechselnd zu laufen, zu sitzen, zu liegen und zu stehen. In der Mischung funktioniert das gut, aber ich darf für längere Zeit nicht in einer Position bleiben.

Ich gehe jetzt seit vier Jahren einmal in der Woche zur Rückengymnastik. Das tut mir sehr gut. Und mit meiner Frau mache ich Nordic Walking. Das mache ich sehr gerne.

Als ich noch gearbeitet habe, war es schwierig, etwas für meinen Rücken zu tun. Da war gar keine Zeit zu. Ich war ja mit dem LKW viel unterwegs, einen Tag hier übernachtet und den anderen Tag dort.

Die Physiotherapie hat mir sehr geholfen. Ich habe dort gelernt, welche Bewegungen und Übungen ich machen kann, um Verspannungen zu lösen und mich zu entspannen. Das habe ich dann versucht zu Hause umzusetzen. Mir wurde gezeigt, wie ich mit Geräten in einem Kraftraum oder Fitnessstudio üben kann. Durch die Bewegung und den Sport fühle ich mich körperlich stabiler.

Mit der Zeit habe ich gelernt, mit den Schmerzen umzugehen. Ich weiß mittlerweile genau, was ich dagegen machen muss. Bewegung, Sport und Ablenkung helfen mir enorm.

Was mir auch sehr hilft, ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Wir treffen uns einmal im Monat und an der Gruppe nehmen Menschen teil, die chronische Schmerzen haben. Der Austausch ist für mich sehr hilfreich.

Ich habe noch Angst, die Schmerzen könnten wieder stärker werden. Daher habe ich immer Medikamente zu Hause. Zum Glück brauche ich sie aber nicht mehr so oft.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

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