Wie gut helfen Cholinesterasehemmer?

Foto von Großvater und Enkelkind (PantherMedia / Martin Novak)

Cholinesterasehemmer können bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern. Sie können aber auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel haben.

Die Alzheimer-Demenz kann nicht geheilt werden, aber es gibt verschiedene Medikamente und andere Maßnahmen, die die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen sollen. Zu den nicht medikamentösen Behandlungen gehören zum Beispiel das Gedächtnistraining oder die Förderung von sozialen Aktivitäten. Es stehen aber auch Medikamente wie Cholinesterasehemmer und Memantin sowie das pflanzliche Arzneimittel Ginkgo biloba zur Verfügung.

Cholinesterasehemmer

Bestimmte Nervenzellen sind bei Menschen mit fortgeschrittener Alzheimer-Demenz deutlich weniger aktiv. Dies verlangsamt die Signalübertragung im Gehirn. Cholinesterasehemmer sollen die Kommunikation zwischen den Nervenzellen wieder anregen und somit die Symptome der Erkrankung mildern. Sie sind zur Behandlung von leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz zugelassen. In Deutschland sind derzeit drei Cholinesterasehemmer auf dem Markt: Donepezil, Galantamin und Rivastigmin. Sie werden als Tabletten eingenommen. Rivastigmin ist auch als Pflaster erhältlich, dessen Wirkstoff über die Haut in den Körper gelangt.

Bewertung des Nutzens

In verschiedenen systematischen Übersichtsarbeiten wurden kontrollierte Studien zur Wirkung von Cholinesterasehemmern bei Menschen mit Alzheimer-Demenz ausgewertet. In den Studien erhielt entweder eine Teilnehmergruppe einen der drei Cholinesterasehemmer und eine Kontrollgruppe ein Scheinmedikament (Placebo), oder die Wirkstoffe wurden direkt miteinander verglichen. Untersucht wurde unter anderem, ob die Medikamente die kognitive (geistige) Leistungsfähigkeit verbessern, psychische Beschwerden mildern oder die Bewältigung des Alltags erleichtern. Zu diesen Fragen liegen viele gute Studien vor, sodass die kurzfristigen Vor- und Nachteile recht gut beurteilt werden können. Da die meisten Studien jedoch über höchstens sechs Monate liefen, lässt sich schlecht beurteilen, wie sich eine längerfristige Einnahme auswirkt.

Positiver Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit

Die Studien zeigen, dass die Cholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern können. Einige Menschen mit Alzheimer-Krankheit, die eines der Medikamente regelmäßig einnehmen, können sich dadurch beispielsweise Dinge etwas besser merken.

Für Galantamin bedeutet dies konkret: Bei etwa 14 von 100 Menschen, die Galantamin einnehmen, hat das Medikament einen positiven Einfluss auf die Denk- und Merkfähigkeit. Galantamin steht hier nur beispielhaft und nicht, weil es besser wirkt als die anderen Wirkstoffe. Bisher geht man davon aus, dass die verschiedenen Mittel die geistige Leistungsfähigkeit ähnlich beeinflussen.

Das Rivastigmin-Pflaster wird in verschiedenen Dosierungen angeboten. Für das Pflaster gibt es im Gegensatz zu der Darreichungsform als Kapsel nur einen Hinweis, dass es die geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Dies gilt jedoch nur für die höhere Dosierung, bei der das Pflaster pro 24 Stunden 9,5 mg Rivastigmin freisetzt.

Unklarer Nutzen für viele andere Therapieziele

Die bisherigen Studien belegen nicht, dass Menschen durch Cholinesterasehemmer ihren Alltag besser bewältigen können. Ob die Medikamente auch psychische Begleitsymptome einer Demenz wie Depressionen oder Angstzustände lindern können, ist unklar.

Bislang lässt sich nicht beurteilen, ob die Mittel die krankheitsbezogene Lebensqualität verbessern und den Einzug in ein Pflegeheim hinauszögern können. Auch ist nicht bekannt, ob Alter, Geschlecht oder Begleiterkrankungen die Wirkung beeinflussen.

Keine der drei Substanzen kann gegenüber einer der anderen als überlegen bezeichnet werden. Es hat sich gezeigt, dass alle drei Cholinesterasehemmer in höherer oder mittlerer Dosierung stärker wirken, als wenn sie sehr niedrig dosiert werden. Donepezil wirkt allerdings auch schon in niedrigeren Dosierungen – Galantamin und Rivastigmin wahrscheinlich nicht.

Nebenwirkungen

Alle drei Substanzen können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Schwindel oder Durchfall haben. Dies führt dazu, dass manche Menschen die Einnahme abbrechen. Höhere Dosierungen rufen öfter Nebenwirkungen hervor. So wird – je nach Wirkstoff – etwa einem bis 3 von 10 Menschen von dem Mittel schlecht oder sie müssen erbrechen.

Rivastigmin als Pflaster hat zwar insgesamt nicht weniger Nebenwirkungen als die Kapsel. Das Pflaster führt aber seltener zu Problemen im Magen-Darm-Bereich. Allerdings kann es Hautprobleme wie Juckreiz und Rötungen auslösen:

  • Bei etwa 13 von 100 Menschen kommt es durch das Pflaster zu Hautrötungen.
  • Bei etwa 10 von 100 Menschen führt das Pflaster zu Juckreiz.

Zu schweren Nebenwirkungen kam es durch die Medikamente nicht. Informationen über seltene oder erst nach längerer Einnahmedauer auftretende Nebenwirkungen lieferten die Studiendaten nicht.

Auch der langfristige Nutzen einer Therapie mit Cholinesterasehemmern und im Vergleich zu anderen medikamentösen und nicht medikamentösen Behandlungen ist bisher noch unklar.