Wie funktioniert die stabile Seitenlage?

Fast jeder hat schon einmal geübt, wie man eine bewusstlose Person stabil lagert. Doch wenn das Wissen aus dem Erste-Hilfe-Kurs verblasst, kann Unsicherheit entstehen: Welche Handgriffe sind nötig, wenn es darauf ankommt? Und wann ist es überhaupt wichtig, jemanden in eine stabile Seitenlagerung zu bringen?

Stabile Seitenlage – wann und warum?

Wenn eine Person bewusstlos ist, dabei aber selbstständig und normal atmet, ist die stabile Seitenlage angebracht. Sie verhindert, dass zum Beispiel Blut oder Erbrochenes in den Mund und von dort in die Atemwege fließt und die Atmung blockiert.

So erkennen Sie, ob jemand bewusstlos ist und dabei normal atmet: Nähern Sie sich der Person und sprechen Sie sie laut und deutlich an – etwa mit „Hallo! Können Sie mich hören?“ Reagiert die Person nicht, rütteln Sie sanft an ihrer Schulter, als wollten Sie sie wecken. Zeigt sie auch dann keine Reaktion, ist sie bewusstlos. Überprüfen Sie dann rasch die Atmung. Halten Sie dazu Ihr Ohr über Mund und Nase der oder des Bewusstlosen und blicken Sie dabei auf den Rumpf: Wenn Sie regelmäßige Atemgeräusche hören, den Atemlufthauch spüren und sehen können, wie sich Brustkorb und Bauch heben und senken, atmet die Person normal. Wenn nicht, ist eine sofortige Wiederbelebung nötig! Das gilt auch, wenn die Atmung unnormal erscheint, also die Atemzüge unregelmäßig, sehr tief, langsam oder mit einem Schnarchgeräusch verbunden sind.

Wie bringt man jemanden in die stabile Seitenlage?

Hier erklären wir den Ablauf ausführlicher, damit Sie sich jeden Schritt gut vorstellen können. Am Ende des Textes ist alles noch einmal kompakt zusammengefasst.

Schritt 1: Hinknien und „nahe“ Hand in Stellung bringen

  • Legen Sie die bewusstlose Person mit ausgestreckten Beinen auf den Rücken.
  • Jetzt knien Sie sich seitlich neben ihren Oberkörper. Ein Tipp: Rechtshänder knien sich an die rechte Körperseite der Person (dann zeigen deren Füße nach rechts); Linkshänder entsprechend umgekehrt.
  • Bringen Sie den Arm, der direkt vor Ihnen liegt, in eine angewinkelte Position. Er soll in der Schulter und im Ellenbogen etwa im rechten Winkel neben der Person auf dem Boden liegen. Ihre Handfläche soll dabei nach oben zeigen.

Grafik: So wird der „nahe“ Arm positioniert

Grafik: So wird der „nahe“ Arm positioniert

Schritt 2: „Ferne“ Hand in Stellung bringen und halten

  • Legen Sie nun den anderen Arm über die Brust.
  • Führen Sie die Hand dabei nah an das Gesicht heran – und zwar so, dass die Hand an der Ihnen zugewandten Wange anliegt.
  • Damit die Hand in dieser Stellung bleibt, müssen Sie sie festhalten. Wenn Sie Rechtshänder sind und sich (wie abgebildet) an die rechte Seite der Person gekniet haben, nehmen Sie dafür Ihre linke Hand, dann haben sie Ihre rechte Hand für die nächsten Schritte frei.

Grafik: So wird die „ferne“ Hand positioniert

So wird die „ferne“ Hand positioniert

Schritt 3: Alles vorbereiten und dann rollen

  • Fassen Sie mit Ihrer rechten Hand den „fernen“ Oberschenkel und ziehen ihn nach oben, sodass sich das Bein angewinkelt aufstellt. Das gelingt gut, wenn Sie in den Kleidungsstoff greifen.
  • Greifen Sie den Oberschenkel so, dass Sie die Person nun gut zu sich rollen können.

Grafik: So sollte die Person liegen, bevor Sie sie zu sich rollen

So sollte die Person liegen, bevor Sie sie zu sich rollen

Schritt 4: Position stabil und Atemwege frei

  • Nach dem Rollen liegt die Person nun automatisch auf der Seite. Das zuvor „ferne“ Bein liegt oben. Durch das vorherige Aufstellen ist es in der Hüfte angezogen, und der Oberschenkel zeigt etwa im rechten Winkel vom Rumpf weg. Die beiden Unterschenkel liegen parallel auf dem Boden. Ist beim Drehen doch etwas verrutscht, können Sie die Lage der Beine jetzt korrigieren.
  • Neigen Sie nun noch den Kopf der Person in den Nacken.
  • Drücken Sie außerdem behutsam das Kinn etwas nach unten, damit sich der Mund leicht öffnet und die Atemwege frei sind.
  • Durch das Herumrollen liegt die Hand des jetzt oben liegenden Armes unter dem Kopf der bewusstlosen Person und hält ihn stabil. Wenn nicht, schieben Sie diese Hand vorsichtig in die richtige Position unter den Kopf. Achten Sie darauf, dass die Atemwege weiter frei bleiben.

Grafik: So ist die Person stabil gelagert

So ist die Person stabil gelagert

Alle Schritte auf einen Blick

Für den Ernstfall sehen Sie hier alle Schritte noch einmal in einer Abbildung zusammengefasst – zum Ausdrucken, oder zum Abspeichern im Handy.

Grafik: Alle 4 Schritte auf einen Blick

Alle 4 Schritte auf einen Blick

Vorschaubild PDF: Stabile Seitenlage kurz erklärt

Stabile Seitenlage – kurz erklärt

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Stabil gelagert – und jetzt?

Wenn noch nicht erledigt – zum Beispiel von einer dritten Person – sollten Sie spätestens jetzt die Notrufnummer 112 anrufen. Decken Sie die bewusstlose Person zu, damit sie nicht auskühlt – zum Beispiel mit einer Rettungsdecke. Bleiben Sie bei ihr, bis das Notfall-Team eintrifft und vergewissern Sie sich während dieser gesamten Zeit, dass sie weiter normal atmet. Sollte es länger als eine halbe Stunde dauern, bis der Rettungswagen eintrifft, drehen Sie die bewusstlose Person stabil auf die andere Seite.

Sollte die normale Atmung aussetzen, drehen Sie die Person sofort wieder auf den Rücken und beginnen mit der Wiederbelebung.

Deutsches Rotes Kreuz e.V. (DRK). Stabile Seitenlage. 2021.

Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2017.

Zideman DA, De Buck ED, Singletary EM et al. European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015 Section 9. First aid. Resuscitation 2015; 95: 278-287.

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Erstellt am 21. April 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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