Was kann ich selbst tun?

Foto von Mann (PantherMedia / Peter Werner) Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Männer versuchen können, mehr Kontrolle über ihren Samenerguss zu bekommen. Aussagekräftige Studien zu ihrer Wirksamkeit gibt es allerdings nicht. Viele entwickeln auch eigene Techniken.

Manche Männer kommen bereits zum Höhepunkt, bevor sie ihren Penis eingeführt haben – oder kurz danach. Wenn dies fast immer passiert und zur Belastung wird, spricht man medizinisch von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).

Männer können allein oder mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner verschiedene Methoden ausprobieren, um den Samenerguss mit der Zeit besser zu steuern.

Die Start-Stopp-Methode

Hierbei stimuliert man den Penis bis kurz vor dem Höhepunkt, hört dann auf und wartet, bis der Drang zum Samenerguss vorüber ist. Dies wird mehrmals wiederholt, um ein besseres Gefühl für den mittleren Erregungsbereich zu entwickeln. Damit ist die Phase vor dem Höhepunkt gemeint, in der die Erregungsstärke noch kontrolliert und der Samenerguss für eine gewisse Zeit hinausgezögert werden kann.

Die Drück-Methode (Squeeze-Methode)

Bei der Drück-Methode wird der Penis ebenfalls bis kurz vor dem Höhepunkt stimuliert. Dann übt man für ein paar Sekunden leichten Druck auf die Eichel aus, um die Erregung zu verringern. Dazu legt man den Zeigefinger auf die Unterseite der Eichel und den Daumen auf die Oberseite und drückt die Finger leicht zusammen. Anschließend wartet man etwa 30 Sekunden und wiederholt dies mehrere Male hintereinander.

Beckenbodentraining

Eine weitere Möglichkeit ist ein regelmäßiges Beckenbodentraining. Der Beckenboden ist die Muskelplatte, die unter anderem den Schließmuskel der Harnröhre unterstützt. Ziel des Trainings ist es zu lernen, die Muskeln des Beckenbodens willkürlich zu bewegen und durch die Übungen zu stärken.

Wie wirksam sind diese Methoden?

Wie gut diese Methoden bei vorzeitigen Samenergüssen helfen, ist nicht gut erforscht. Es gibt nur einzelne Studien, an denen jeweils weniger als 40 Paare oder Männer teilgenommen haben.

In einer kleinen Studie konnten die Start-Stopp-Methode und die Drück-Methode die Zeit bis zum Samenerguss nach zwölf Wochen Training um einige Minuten verlängern. In den Studien wurden die Methoden allerdings im Rahmen einer Sexualtherapie eingesetzt. In einer Sexualtherapie werden mögliche psychische Ursachen für vorzeitige Samenergüsse behandelt – aber auch Probleme wie Selbstzweifel oder Beziehungskonflikte. Was sie bringt, wenn ein Mann sie für sich allein anwendet, ist daher unklar.

Eine weitere kleine Studie untersuchte das Beckenbodentraining. Das Training konnte die Zeit bis zum Samenerguss im Durchschnitt von einer halben Minute auf zwei Minuten verlängern.

Was Männer sonst noch ausprobieren können

Manchmal wird empfohlen, während des Sex an etwas Anderes zu denken, um sich abzulenken und dadurch den Samenerguss hinauszuzögern. Einige Männer finden dies hilfreich. Bei anderen wird dabei die Erektion aber schwächer oder verschwindet ganz. Manche Männer finden es auch unehrlich ihrer Partnerin oder ihrem Partner gegenüber, beim Sex an etwas Anderes zu denken.

Eine andere Möglichkeit ist, Kondome zu benutzen, um den Penis weniger empfindlich zu machen – sofern man dies nicht ohnehin tut. Einige Männer finden es hilfreich, vor dem Sex zu masturbieren. Wenn sie dann ein zweites Mal erregt sind und Sex haben, kommt es später zum Samenerguss. Dies setzt allerdings voraus, dass ein Mann eine zweite Erektion aufbauen kann. Man kann auch ausprobieren, ob es hilft, das Tempo beim Vorspiel zu verringern oder Pausen einzulegen.

In einer festen Partnerschaft ist es sinnvoll, offen über das Problem zu sprechen, um gemeinsam Lösungen finden zu können – auch wenn es sich um ein heikles Thema handelt.