Vakuumversiegelung bei Wunden

Foto von Wundbehandlung (PantherMedia / Sanda Stanca) Schwer heilende Wunden oder bestimmte Operationswunden können mit einer Vakuumversiegelungstherapie behandelt werden. Einige Studien deuten darauf hin, dass diese Behandlung die Wundheilung fördern kann.

Eine Wunde wird normalerweise gereinigt und dann verschlossen. Bei kleinen Wunden genügt meist ein Pflaster als Wundauflage, und die Wunde verschließt sich selbst. Bei größeren können die Wundränder zum Beispiel genäht, geklammert oder verklebt und danach mit einer Wundauflage versorgt werden. Wunden, die etwa wegen ihrer Größe oder einer Entzündung nicht gleich verschlossen werden können, versorgt man direkt mit einer Wundauflage. Je nach Art der Wunde werden verschiedene Auflagen aus unterschiedlichen Materialien verwendet. Sie sollen die Wunde vor Schmutz und Infektionen schützen und die Wundheilung fördern.

Wenn sich eine Wunde trotz Behandlung über mehrere Wochen nicht schließt, gilt sie als chronisch. Entzündete oder chronische Wunden werden regelmäßig gereinigt. Zusätzlich wird abgestorbenes oder entzündetes Gewebe entfernt. Diese Behandlung nennt man „Débridement“.

Bei manchen Wunden wird zusätzlich eine spezielle Versorgung empfohlen, die Vakuumversiegelungstherapie.

Vakuumversiegelungstherapie

Bei der Vakuumversiegelungstherapie wird die Wunde luftdicht mit einer besonderen Wundauflage aus Schwamm oder Gaze abgedeckt. An der Auflage ist über einen dünnen Schlauch eine Pumpe angeschlossen, die Wundflüssigkeit absaugt. Dadurch entsteht im Wundbereich ein Unterdruck, um die Durchblutung der Wunde zu erhöhen. Außerdem bleibt die Wunde feucht, was die Heilung ebenfalls fördern soll. Meist wird der Wundverband regelmäßig gewechselt. Dies hängt unter anderem von der Art der behandelten Wunde ab.

Primäre und sekundäre Wundheilung

Wunden heilen auf unterschiedliche Arten – je nachdem, wie sie beschaffen sind. Man unterscheidet folgende Arten der Wundheilung:

  • Primäre Wundheilung: Wenn die Ränder einer Wunde nahe beieinanderliegen und glatt sind, lassen sie sich aneinanderfügen, zum Beispiel durch eine Naht wie bei einer Operationswunde.
  • Sekundäre Wundheilung: Fehlt ein Stück Gewebe, ist es stark beschädigt oder abgestorben, oder ist die Wunde infiziert, lassen sich die Wundränder nicht aneinanderfügen. Um die Lücke zu füllen, muss der Körper zunächst neues Gewebe bilden. Damit die Wunde abheilen kann, sind manchmal auch Eingriffe wie zum Beispiel eine Hauttransplantation nötig.

Außerdem gibt es die epitheliale Wundheilung. Wenn die Wunde auf die oberen Hautschichten begrenzt ist, heilt sie schnell, komplikationslos und ohne Narbe, indem das verletzte Gewebe neu gebildet wird.

Studienergebnisse zur Vakuumversiegelungstherapie

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat untersucht, welche Vor- oder Nachteile eine Vakuumversiegelungstherapie im Vergleich zur herkömmlichen Wundbehandlung und -versorgung hat. Dabei wurde zwischen Wunden mit primärer und sekundärer Wundheilung unterschieden.

Vakuumversiegelungstherapie bei Wunden, die primär heilen

Die Wissenschaftlergruppe des IQWiG fand insgesamt 45 Studien mit verwertbaren Ergebnissen zur Frage, welche Vor- oder Nachteile eine Vakuumversiegelungstherapie bei der primären Wundheilung im Vergleich zur Standardbehandlung (zum Beispiel mit einer herkömmlichen Wundauflage) hat. In den Studien wurden jeweils Operationswunden untersucht. Bei den meisten teilnehmenden Patientinnen und Patienten war eine erschwerte Wundheilung zu erwarten.

Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Vakuumversiegelungstherapie die Heilung einer Wunde verbessern kann:

  • Bei etwa 88 von 100 Menschen heilte die Wunde innerhalb von sechs Wochen, wenn sie die Standardbehandlung erhielten.
  • Bei etwa 95 von 100 Menschen heilte die Wunde innerhalb von sechs Wochen, wenn sie eine Vakuumversiegelungstherapie bekamen.

Das heißt: Mit der Vakuumversiegelungstherapie konnten in sechs Wochen zusätzlich 7 von 100 Wunden geheilt werden.

Die Studien weisen außerdem darauf hin, dass die Vakuumversiegelungstherapie hilft, leichtere Infektionen zu vermeiden.

Zu Komplikationen, insbesondere schwerwiegenden, kam es bei beiden Behandlungen insgesamt gleich häufig. Bei welchem der Verfahren weniger Schmerzen auftreten oder kürzere Krankenhausaufenthalte möglich sind, lässt sich nicht sagen: Die Studien zeigten hier widersprüchliche Ergebnisse. Kein Unterschied ergab sich bei der Lebensqualität.

Vakuumversiegelungstherapie bei Wunden, die sekundär heilen

Die Wissenschaftlergruppe des IQWiG fand insgesamt 48 Studien mit verwertbaren Ergebnissen zur Frage, welche Vor- oder Nachteile eine Vakuumversiegelungstherapie bei der sekundären Wundheilung im Vergleich zu einer herkömmlichen Wundversorgung hat.

Die Studien weisen insgesamt darauf hin, dass die Vakuumversiegelungstherapie auch die Heilung dieser Wunden fördern kann. Unter anderem zeigte sich:

  • Bei etwa 35 von 100 Menschen dauerte die Wundheilung höchstens sechs Monate, wenn sie die Standardbehandlung erhielten.
  • Bei etwa 46 von 100 Menschen dauerte die Wundheilung höchstens sechs Monate, wenn sie eine Vakuumversiegelungstherapie bekamen.

Das heißt: Mit der Vakuumversiegelungstherapie konnten innerhalb von sechs Monaten zusätzlich 11 von 100 Wunden geheilt werden.

Zudem verkürzte die Therapie den Aufenthalt im Krankenhaus. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, deren Wunde standardmäßig behandelt wurde, blieben im Mittel (Median) 23 Tage im Krankenhaus. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die mit der Vakuumversiegelung behandelt wurden, konnten im Durchschnitt fünf Tage früher nach Hause gehen.

Zu Schmerzen oder Komplikationen, insbesondere schwerwiegenden, kam es bei beiden Behandlungsverfahren gleich häufig. Dies gilt auch für die Zahl der durchgeführten Amputationen. Die Lebenserwartung war in beiden Behandlungsgruppen gleich.

Wie eine Vakuumversiegelungstherapie die Lebensqualität beeinflusst, lässt sich nicht sagen: Die Studien zeigten widersprüchliche Ergebnisse. Die Auswirkungen auf Hilfe- und Pflegebedürftigkeit wurde nicht untersucht.

Vorteile der Vakuumversiegelungstherapie möglich

Insgesamt zeigen die Studienergebnisse, dass die Vakuumversiegelung die Heilung von Wunden im Vergleich zu einer Standardbehandlung verbessert. Dabei war das Ausmaß an Nebenwirkungen vergleichbar.

Allerdings haben die Forscher zahlreiche weitere Studien identifiziert, deren Ergebnisse bisher nicht veröffentlicht wurden. Da nicht auszuschließen ist, dass diese ein anderes Bild ergeben, könnte es auch sein, dass die Vorteile der Vakuumversiegelung im Moment überschätzt werden.