Einleitung

Ramucirumab (Handelsname Cyramza) ist seit September 2019 zur Therapie von Erwachsenen mit Leberzellkrebs zugelassen, die zuvor mit dem Wirkstoff Sorafenib behandelt wurden. Ramucirumab kommt infrage, wenn der Leberzellkrebs fortgeschritten ist oder nicht operiert werden kann und im Blut der Tumormarker Serum-Alpha-Fetoprotein deutlich erhöht ist (über 400 ng pro ml).

Ein Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) entsteht durch bösartige Veränderungen von Leberzellen. Ursache des Tumors ist meist eine Leberzirrhose, bei der die Leber vernarbt und immer schlechter arbeitet. Anfangs macht sich der Krebs meist nicht bemerkbar. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten häufig Beschwerden wie Übelkeit oder Appetitverlust auf. Große Tumore verursachen einen Druckschmerz im rechten Oberbauch. Außerdem kann der Bauch durch eine Flüssigkeitsansammlung anschwellen (Aszites). Ein Leberzellkrebs lässt sich nur schwer behandeln. Bei der Diagnose kann er bereits so stark gewachsen sein, dass eine Operation ihn nicht mehr heilen kann.

Der Wirkstoff Ramucirumab ist ein Antikörper, der die Bildung neuer Blutgefäße stört. Er soll so das Wachstum des Tumors hemmen und ein Voranschreiten der Erkrankung verhindern.

Anwendung

Ramucirumab wird über einen Tropf als Infusion alle 2 Wochen verabreicht. Die Infusion dauert ungefähr 60 Minuten. Die Dosis hängt vom Körpergewicht und von Nebenwirkungen ab. Die Behandlung wird beendet, wenn der Krebs weiter fortschreitet oder Ramucirumab nicht mehr vertragen wird.

Andere Behandlungen

Für erwachsene Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkrebs kommt der Wirkstoff Cabozantinib oder eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC) infrage. Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob Ramucirumab im Vergleich zu Cabozantinib oder einer BSC für Personen mit fortgeschrittenem Leberzellkrebs Vor- oder Nachteile hat.

Für diesen Vergleich legte der Hersteller zwei Studien vor. In diesen wurden 316 Patientinnen und Patienten mit Ramucirumab behandelt, 226 Personen erhielten ein Placebo. Beide Gruppen bekamen zusätzlich eine BSC. Es wurden nur Personen einbezogen, bei denen auf Heilung abzielende Eingriffe wie eine Entfernung des Tumors nicht mehr infrage kamen und sich die Leberfunktion nur leicht verschlechtert hatte. Die Patientinnen und Patienten waren trotz der fortgeschrittenen Erkrankung zu Beginn der Studie in einem guten Allgemeinzustand. Für diese Personen zeigten sich in der Studie folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Ramucirumab?

Lebenserwartung: Hier zeigen die Studien einen Vorteil von Ramucirumab: In diesen Gruppen waren die Teilnehmenden im Mittel (Median) innerhalb von etwa 8 Monaten verstorben, mit einem Placebo innerhalb von 5 Monaten.

Schwere Magen-Darm-Erkrankungen: Bei diesen schweren Nebenwirkungen geben die Studien einen Hinweis auf einen Vorteil von Ramucirumab. Traten diese mit Ramucirumab bei 9 von 100 Personen auf, war das mit Placebo bei 15 von 100 der Fall.

Hyperbilirubinämie (Erhöhung der Bilirubinkonzentration im Blut): Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Hämoglobins, dem Farbstoff der roten Blutkörperchen. Bei dieser schweren Nebenwirkung geben die Studien ebenfalls einen Hinweis auf einen Vorteil von Ramucirumab im Vergleich zu Placebo.

Welche Nachteile hat Ramucirumab?

Schwerer Bluthochdruck: Hier geben die Studien einen Hinweis auf einen Nachteil von Ramucirumab. Bei 11 von 100 Personen trat stark erhöhter Blutdruck als Nebenwirkung auf, mit Placebo war das nur bei 3 von 100 Personen der Fall.

Kopfschmerzen: Auch hier geben die Studien einen Hinweis auf einen Nachteil: Bei 18 von 100 Patientinnen und Patienten mit Ramucirumab traten Kopfschmerzen auf, während das mit Placebo nur bei 6 von 100 Personen der Fall war.

Auch bei Ödemen an den Unterschenkeln oder Füßen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse geben die Studien Hinweise auf einen Nachteil von Ramucirumab.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Schwere Nebenwirkungen: Obwohl sich bei einzelnen schweren Nebenwirkungen Vor- und Nachteile zeigten, war dies bei den schweren Nebenwirkungen insgesamt nicht der Fall: In beiden Gruppen traten bei etwa der Hälfte der Personen schwere Nebenwirkungen auf. Zwischen Ramucirumab und Placebo ergab sich somit kein Unterschied.

Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen: Auch hier gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen.

Welche Fragen sind noch offen?

Beschwerden, Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität: Hierzu legte der Hersteller keine verwertbaren Daten vor.