Patella-Luxation: Wann wird eine Operation empfohlen?

Foto von Teenager und Arzt im Krankenhaus (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Eine Operation kann das Knie stabiler machen und das Risiko senken, dass die Kniescheibe wiederholt herausspringt. Ein Eingriff kommt nach der zweiten Luxation infrage – oder wenn das Knie sehr instabil ist.

Eine herausgesprungene Kniescheibe renkt die Ärztin oder der Arzt zunächst wieder ein. Anschließend gibt es zwei Behandlungsmöglichkeiten:

  • Konservative Behandlung: Die Kniescheibe wird für einige Wochen mit einer Orthese oder Bandage stabilisiert. Parallel dazu beginnt eine Physiotherapie mit dem Ziel, die Muskeln zu stärken, die der Kniescheibe Halt geben.
  • Operation: Das Knie wird operiert, um die Kniescheibe zu stabilisieren. Manchmal werden bei der Operation auch Verletzungen an Knorpel oder Knochen behandelt oder zum Beispiel Fehlstellungen korrigiert. An die Operation schließt sich ebenfalls eine Physiotherapie an.

Was wird derzeit empfohlen?

Bislang gibt es keine einheitlichen Empfehlungen zur Frage, wann operiert werden sollte. Wenn die Kniescheibe zum ersten Mal herausgesprungen ist, wird in der Regel konservativ behandelt. Passiert dies erneut oder immer wieder, wird meist eine Operation erwogen. Dabei spielen noch weitere Faktoren eine Rolle:

  • Welche konservativen Behandlungen bereits versucht wurden
  • Ob Knorpel oder Knochen verletzt wurden
  • Ob Fehlstellungen oder andere Risikofaktoren vorliegen
  • Das Alter und die sportlichen Ziele

Sinnvoll ist, die Vor- und Nachteile einer Operation mit der Orthopädin oder dem Orthopäden ausführlich zu besprechen und für sich selbst abzuwägen.

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Verfahren, um eine instabile Kniescheibe zu operieren. Sie lassen sich grob einteilen in:

  • Operationen an der Gelenkkapsel und den Bändern: Hierbei werden Teile der Kapsel und der Bänder gestrafft oder ersetzt, die die Kniescheibe auf der Innenseite des Knies stabilisieren. Dazu gehört insbesondere das „mediale patellofemorale Ligament“ (kurz: MPFL, siehe Grafik). Dieses Band reißt meist bei der ersten Luxation. Dann kann es durch ein Stück Sehne aus der hinteren Oberschenkelmuskulatur ersetzt werden. Diese Verfahren sollen dafür sorgen, dass die Kniescheibe nicht mehr so leicht nach außen wegrutscht.
  • Operationen an den Knochen zur Korrektur anatomischer Fehlstellungen: Bei diesen Eingriffen kann die Führungsrinne der Kniescheibe am Oberschenkel vertieft werden. Möglich ist auch, die Patellasehne am Unterschenkelknochen seitlich zu versetzen. Dadurch soll die Kniescheibe bei Belastung besser in der Mitte der Rinne gehalten werden. Manchmal wird auch die Beinachse korrigiert, indem Unter- und Oberschenkel begradigt und mit einer Platte stabilisiert werden.

Welche Techniken infrage kommen, hängt von der anatomischen Form des Knies und des Beins ab.

 

Grafik: rechtes Knie von vorne mit Haltebändern und Oberschenkelmuskelnrechtes Knie von vorne mit Haltebändern und Oberschenkelmuskeln

Was zeigen Studien zur Wirksamkeit von Operationen?

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat sechs Studien zum Vergleich von Operationen und konservativen Behandlungen ausgewertet. An den Studien hatten knapp 350 Jugendliche und junge Erwachsene teilgenommen.

Sie wurden entweder konservativ behandelt oder operiert. Bei dem Eingriff wurde das gerissene MPFL-Band genäht und gestrafft oder durch eine Ersatzsehne ausgetauscht. Zu anderen Operationsverfahren gibt es bislang keine vergleichenden Studien.

Die Studien zeigten, dass der Eingriff das Risiko für weitere Luxationen senken kann:

  • Ohne Operation kam es in den folgenden Jahren bei 21 von 100 Teilnehmenden zu weiteren Luxationen.
  • Mit Operation kam es bei 12 von 100 Teilnehmenden zu weiteren Luxationen.

Ob sich die Beschwerden und die Kniefunktion durch die Operation besserten, ist unklar. Bisherige Studien zeigten hierzu keine Vorteile durch die Operation. Weil diese Aspekte nur in einzelnen Studien untersucht wurden, ist hierzu weitere Forschung nötig.

Auch die Häufigkeit von Komplikationen wurde nur in einer Studie berichtet. In dieser Studie kam es nach den Operationen vereinzelt zu Komplikationen wie einer Infektion oder Wundheilungsstörungen.