Nahrungsmittelallergie: Diagnose und Behandlung

Foto von zwei Jungen beim Frühstück (PantherMedia / oksun70) Die Behandlungsmöglichkeiten von Nahrungsmittelallergien sind begrenzter als bei anderen Allergien. Sie bestehen vor allem darin, den Kontakt mit dem Auslöser zu vermeiden und zu lernen, mit akuten Beschwerden umzugehen.

Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz) werden häufig verwechselt. Die folgende Tabelle zeigt, worin sich Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit unterscheiden. 

Nahrungsmittelallergie Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Eiweiße und bildet Antikörper.
  • Häufige Beschwerden sind Juckreiz, Schwellung in Mund und Rachen, Hautausschlag, Übelkeit und Durchfall. Es können auch stärkere Reaktionen wie Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit auftreten.
  • Beschwerden treten meist unmittelbar auf.
  • Schon kleine Mengen führen zu teils starken Reaktionen.
  • Der Körper kann bestimmte Stoffe schlecht verdauen oder abbauen.
  • Häufige Beschwerden sind Blähungen, Magenkrämpfe, Erbrechen und Durchfall.
  • Die Beschwerden treten meist nach einigen Stunden auf.
  • Kleine Mengen werden meist vertragen.

Wie werden Nahrungsmittelallergien festgestellt?

Im Diagnosegespräch wird die Ärztin oder der Arzt zunächst danach fragen, welche Beschwerden aufgetreten sind und was gegessen und getrunken wurde. Bei dauerhaften Beschwerden kann es zudem sinnvoll sein, dies für einige Tage bis Wochen in einem Ernährungs- und Beschwerde-Tagebuch festzuhalten.

Wie bei anderen Allergien können ein Hauttest und eine Blutuntersuchung Aufschluss geben. Bei der Blutuntersuchung wird geprüft, ob der Körper bestimmte Antikörper (meist IgE-Antikörper) gegen ein Nahrungsmittel gebildet hat. Beim Hauttest wird eine Lösung mit Nahrungsmitteleiweiß auf die leicht angeritzte Haut gegeben und beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen.

Auch eine Auslassdiät (Eliminationsdiät) kann bei der Diagnose helfen. Dabei wird für 1 bis 4 Wochen auf die verdächtigen Nahrungsmittel verzichtet und in einem Ernährungs-Tagebuch festgehalten, wie sich die Beschwerden entwickeln.

Um eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen, ist meist ein Provokationstest nötig, bei dem man kleine Mengen des verdächtigen Nahrungsmittels unter ärztlicher Beobachtung zu sich nimmt. Dies soll die Beschwerden gezielt auslösen. Je nach vermuteter Schwere der allergischen Reaktion wird der Test in der Praxis oder in der Klinik unter Notfallbereitschaft gemacht.

Allergietests werden bei Kindern und Jugendlichen regelmäßig wiederholt, um zu überprüfen, ob sie die Nahrungsmittel wieder vertragen. Der Zeitpunkt hängt von der Art des Auslösers ab: Bei Milchallergien wird beispielsweise in kürzeren Zeitabständen getestet als bei Schalenfrüchten oder Erdnüssen, da sich eine Milchallergie häufiger nach wenigen Jahren wieder zurückbildet. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird nur das Blut untersucht und auf Hauttests verzichtet.

Welche Tests sind zur Diagnose ungeeignet?

Die Bestimmung anderer Antikörper im Blut (sogenannte IgG/IgG4-Antikörper) wird in manchen Praxen als Privatleistung angeboten. Diese Untersuchung wird derzeit allerdings nicht empfohlen, da sie nicht sehr aussagekräftig ist.

Vor allem Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker bieten „alternative“ Allergietests an. Dazu zählen zum Beispiel die Bioresonanz, die Haaranalyse, die Irisdiagnostik oder der ALCAT-Test, eine Blutuntersuchung auf Entzündungsreaktionen. Solche Verfahren sind zur Feststellung einer Allergie jedoch ungeeignet.

Wie werden Nahrungsmittelallergien behandelt?

Die wichtigste Behandlung besteht darin, auf die auslösenden Nahrungsmittel zu verzichten. Wie dies gelingt, hängt vom Nahrungsmittel ab. Eine Ernährungsberatung oder ein Schulungsprogramm können helfen: Dort erfährt man, wie sich die Allergieauslöser vermeiden und bei Bedarf ersetzen lassen. Man lernt, die entsprechenden Nahrungsmittel beim Kauf, bei der Zubereitung oder bei Restaurantbesuchen zu erkennen. Zudem ist der Umgang mit anaphylaktischen Reaktionen ein Thema.

Medikamente spielen bei der Behandlung leichterer Beschwerden bislang fast keine Rolle. Wie gut sie helfen, ist kaum untersucht. Die wenigen Studien sprechen jedoch dafür, dass sogenannte H1-Antihistaminika akute Hautbeschwerden etwas lindern können. Wirksame Medikamente zur regelmäßigen Einnahme stehen derzeit nicht zur Verfügung.

Immer mal wieder wird behauptet, dass Prä- und Probiotika wirksam sind, um Nahrungsmittelallergien zu behandeln. Dafür gibt es jedoch keine Belege.

Wie wird eine anaphylaktische Reaktion behandelt?

Um eine anaphylaktische Reaktion sofort behandeln zu können, ist es wichtig, ein Notfallset in der Nähe zu haben. Es enthält eine Adrenalin-Spritze, ein Antihistaminikum und eine kortisonhaltige Tablette oder Flüssigkeit. Bei leichteren Beschwerden ohne Luftnot oder Kreislaufsymptome können zunächst das Antihistaminikum und die Kortisontablette eingenommen werden. Bei schweren Reaktionen mit Atemnot und Kreislaufproblemen, ist es wichtig, zuerst möglichst rasch das Adrenalin in einen Muskel zu spritzen – am besten in den Oberschenkelmuskel. Dazu muss man nicht auf die Notärztin oder den Notarzt warten. Die Adrenalinspritze kann man sich selbst setzen oder von Angehörigen geben lassen.

Kann eine Hyposensibilisierung helfen?

Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie), wie sie bei anderen Allergien möglich ist, wird bei Nahrungsmittelallergien bislang noch nicht angeboten. Die dazu nötigen Wirkstoffe sind in Deutschland derzeit nicht zugelassen. Es gibt einige Studien, die die Wirksamkeit einer Hyposensibilisierung bei verschiedenen Nahrungsmittelallergien überprüft haben – etwa bei Allergien gegen Erdnüsse oder Hühnerei. In diesen Studien kam es aber häufig zu anaphylaktischen Reaktionen auf die Behandlung. Deshalb wird empfohlen, eine Hyposensibilisierung nur im Rahmen von Studien durchführen zu lassen.

Welche Nahrungsmittel muss ich ersetzen?

Auf manche Nahrungsmittel wie Nüsse, Fisch oder Fleisch kann meist ohne gesundheitliche Nachteile verzichtet werden. Andere müssen vielleicht ersetzt werden, da sonst wichtige Nährstoffe wie Eiweiß oder Kalzium fehlen können. Ein Beispiel dafür ist Kuhmilch für Kinder. Vor allem bei Kindern sollte man regelmäßig überprüfen, ob der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel noch nötig ist.

Kuhmilch kann für Säuglinge durch eine allergenarme Spezialnahrung ersetzt werden, die sogenannte Hydrolysatnahrung. Sojamilch wird für Kinder unter einem Jahr nicht empfohlen, da manche Säuglinge sie nicht gut vertragen.

Wie erkenne ich, ob ein Nahrungsmittel Allergieauslöser enthält?

Es gibt eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für die 14 wichtigsten Nahrungsmittel und -bestandteile, die Allergien auslösen können:

  1. glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer
  2. Krebstiere
  3. Eier
  4. Fisch
  5. Erdnüsse
  6. Sojabohnen
  7. Milch
  8. Schalenfrüchte wie Mandeln, Hasel- und Walnüsse
  9. Sellerie
  10. Senf
  11. Sesamsamen
  12. schwefelhaltige Konservierungsstoffe (Sulfite)
  13. Lupinen
  14. Schalen- und Weichtiere wie Muscheln, Austern oder Tintenfische

Diese Nahrungsmittel und Stoffe müssen auf der Verpackung hervorgehoben werden, etwa durch eine besondere Schriftart oder Hintergrundfarbe. Unbeabsichtigte Spuren solcher Nahrungsmittel müssen laut Gesetz nicht gekennzeichnet werden. Allerdings wird bei vielen Lebensmitteln darauf hingewiesen.

Auch bei unverpackten Lebensmitteln muss über Allergene informiert werden. Das betrifft beispielsweise Kuchen und Brot beim Bäcker, Gerichte im Restaurant oder Wurst vom Metzger. Die Informationen können mündlich oder schriftlich wie in der Speisekarte, auf einem Informationsblatt oder elektronisch auf der Website des Geschäfts zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Informationen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln finden sich auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Was kann ich tun, wenn ich durch die Allergie im Beruf belastet bin?

Manche Menschen sind durch Nahrungsmittelallergien im Beruf beeinträchtigt. Meist betrifft dies Menschen, die über die Atemwege oder die Haut Kontakt mit den Allergenen haben. So können Beschäftigte in Bäckereien eine Mehlstauballergie bekommen, die allergischen Schnupfen und asthmatische Beschwerden auslösen kann. Manche Köche bekommen durch den Kontakt mit Lebensmitteln einen Hautausschlag an den Händen.

Die Folgen einer Nahrungsmittelallergie können als Berufskrankheit anerkannt werden. Dann übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten für bestimmte Maßnahmen wie Schutzkleidung. Sie kann auch dabei helfen, den Kontakt mit Allergenen zu vermeiden oder zu verringern. Wie gut dies gelingt, hängt von der Art der Tätigkeit und der Allergie ab.