Kann eine Sexualtherapie helfen?

Foto von Paar (PantherMedia / StockbrokerXtra by Monkeybusiness) In einer Sexualtherapie werden mögliche psychische Ursachen für vorzeitige Samenergüsse behandelt – aber auch Probleme wie Selbstzweifel oder Beziehungskonflikte. Sexualtherapien setzen die Bereitschaft voraus, engagiert mitzuarbeiten. Wie gut sie helfen, ist allerdings kaum erforscht.

Sowohl psychologische als auch biologische Faktoren können zu vorzeitigen Samenergüssen beitragen – und sich auch gegenseitig beeinflussen. Von eher biologischen Ursachen gehen manche Fachleute aus, wenn Männer schon immer mit dem Problem zu tun hatten. Psychische Ursachen halten sie für wahrscheinlicher, wenn vorzeitige Samenergüsse erst im Laufe des Lebens auftreten.

Bislang gibt es kaum Forschung dazu, ob und wenn ja, welche psychischen Faktoren tatsächlich für vorzeitige Samenergüsse verantwortlich sind. Eine mögliche psychische Ursache für vorzeitige Samenergüsse sind zum Beispiel Ängste, die Partnerin oder den Partner nicht befriedigen zu können. Ausgeprägte Angst kann dazu führen, dass sich das Problem verstärkt und damit einen „Teufelskreis“ in Gang setzen.

Auch rein biologische Ursachen können psychische Belastungen oder Beziehungsprobleme zur Folge haben. Unabhängig von den Ursachen ist es deshalb sinnvoll, sich mit den Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden, die Partnerin oder den Partner und die Beziehung zu beschäftigen.

Wie können vorzeitige Samenergüsse die Partnerschaft belasten?

Vorzeitige Samenergüsse beeinträchtigen nicht nur den Geschlechtsverkehr. Auch die Intimität zwischen beiden Partnern kann leiden, wenn ein sehr inniger Moment unerwartet und plötzlich unterbrochen wird.

Ein ehrliches und vertrauensvolles Gespräch ist die Grundlage, um eine gemeinsame Lösung des Problems zu finden. Sowohl Männern als auch ihren Partnern kann es schwerfallen, offen über vorzeitige Samenergüsse zu sprechen. Manche Frauen oder Männer tun sich damit schwer, weil sie ihren Partner, dessen Selbstbewusstsein vielleicht ohnehin angeschlagen ist, nicht verletzen wollen. Andere sind verärgert, weil ihr Partner nicht bereit ist, über das Problem zu reden.

Einige Männer haben das Gefühl, der Partnerin oder dem Partner ist gar nicht bewusst, dass sie sich frustriert fühlen. Manche Männer sorgen sich, dass ihr Partner oder ihre Partnerin fremdgehen könnte. Andere gehen irgendwann aus Angst, ihren Partner nicht ausreichend befriedigen zu können, keine Bindungen mehr ein.

Womit beschäftigt man sich in einer Sexualtherapie?

Sexualtherapien setzen bei möglichen psychischen Auslösern vorzeitiger Samenergüsse an und beschäftigen sich gleichzeitig mit ihren psychischen Auswirkungen. Je nach Situation kann die Therapie unterschiedliche Ziele haben:

  • Techniken und Strategien zu lernen, die dabei helfen, den Samenerguss hinauszuzögern.
  • Gedanken zu erkennen und abzubauen, die zu vorzeitigen Samenergüssen beitragen können.
  • Einem Mann oder Paar mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln, um Ängste abzubauen.
  • Das Verständnis von Sexualität und der Art des intimen Zusammenseins zu erweitern. Ziel ist, den Samenerguss weniger wichtig zu nehmen und die Zufriedenheit mit dem Liebesleben zu erhöhen.
  • Hindernisse für Intimität in der Partnerschaft zu erkennen, um wieder mehr Nähe aufbauen zu können.
  • Paaren zu helfen, offener über Bedürfnisse und Probleme zu sprechen.
  • Zu lernen, manche Probleme zu akzeptieren und Wege zu finden, besser damit umzugehen.
  • Paarkonflikte zu lösen.

Wie läuft die Therapie ab?

Eine Sexualtherapie ist als Einzel- oder Paartherapie möglich. Welche Variante infrage kommt und welche Schwerpunkte gesetzt werden, hängt von verschiedenen persönlichen Faktoren ab – unter anderem davon, ob beide Partner für eine Therapie offen sind und welche Probleme im Vordergrund stehen. Sexualtherapien werden zum Beispiel von darauf spezialisierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angeboten. Es gibt auch die Möglichkeit, sich an Beratungsstellen mit dem Schwerpunkt Sexualberatung zu wenden, zum Beispiel von pro familia.

Nachdem sich die Therapeutin oder der Therapeut mit dem Mann oder Paar bekannt und vertraut gemacht hat, vermittelt sie oder er problembezogene Strategien, Techniken oder Übungen.

Ein Beispiel für eine paartherapeutische Methode ist das Sensualitätstraining (englisch: „Sensate Focus“). Es besteht aus einer Reihe von Übungen, bei der das Paar sich zu Hause gegenseitig auszieht und berührt, umarmt, küsst, streichelt und miteinander redet. Dabei sollen die Geschlechtsteile und Brüste aber zunächst unberührt bleiben. Die Aufmerksamkeit soll nicht auf Sex gerichtet sein und die Übung anfangs auch nicht in Sex münden. Es geht vielmehr darum, den gesamten Körper des Partners bewusster wahrzunehmen. Die Übungen werden dann schrittweise im Laufe mehrerer Wochen ausgeweitet. Erst im letzten Schritt kann dann auch Sex hinzukommen.

Bei Männern, die eine Einzeltherapie machen und vor allem mit Ängsten und Selbstzweifeln zu tun haben, werden unter anderem Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt. Ziel dabei ist zum Beispiel, schädliche Gedanken zu erkennen und abzubauen. Beispiele für solche Gedanken sind:

  • Alles-oder-nichts-Gedanken: „Ich bin ein Versager, weil ich meinen Samenerguss nicht unter Kontrolle habe.“
  • Emotionale Beweisführung: „Ich fühle mich wie ein schlechter Liebhaber, deshalb muss ich auch einer sein.“
  • Verdrängung von Positivem: „Frauen sagen nur, dass sie befriedigt sind, weil sie meine Gefühle nicht verletzen möchten.“
  • Katastrophisierung: „Weil ich immer zu früh zum Höhepunkt komme, wird meine Freundin mich verlassen.“

Gedanken wie diese sind „negative“ Vereinfachungen, die schädlich sind. Sie halten einen Mann davon ab, nach Lösungen zu suchen. Bei der kognitiven Therapie werden diese Annahmen und Gedanken positiv umformuliert oder durch andere Sichtweisen ausgetauscht.

Was kann man von einer Sexualtherapie erwarten?

Wie vielen Menschen eine Sexualtherapie hilft, lässt sich nicht sicher sagen, da es dazu bislang kaum gute Studien gibt. Ihr Erfolg hängt außerdem davon ab, wie man ihn bemisst: Geht es nur darum, die Zeit bis zum Samenerguss zu verlängern oder gibt es noch andere Ziele der Therapie?

Eine Therapie bedeutet immer Arbeit an sich selbst und setzt voraus, dass man dazu bereit ist. Zudem kann es bei jeder Therapie zu unerwarteten Erkenntnissen kommen. Zum Beispiel kann sich herausstellen, dass einer der Partner ein tiefergehendes psychisches Problem hat.

Eine Therapie kann auch unerwünschte Wirkungen haben. So können Konflikte zwischen den Partnern überhaupt erst offen zutage treten oder sich verstärken. Das kann zum Beispiel passieren, wenn sich herausstellt, dass ein Partner dem anderen gegenüber unehrlich war oder etwas vorgespielt hat.

Ob man eine Sexualtherapie versuchen möchte, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Dabei ist auch zu bedenken, dass die Kosten häufig nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Daher ist es sinnvoll, eine Kostenübernahme vorher abzuklären.