Einleitung

Foto von Familien beim Picknick (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Jeder wird hin und wieder von Insekten gestochen – was meist nur eine kleine juckende Rötung und leichte Schwellung rund um die Einstichstelle hinterlässt. Bei Menschen mit einer Insektengiftallergie kann ein Stich dagegen heftige Reaktionen hervorrufen, die selten auch lebensgefährlich werden können.

Bei der Insektengiftallergie wehrt sich das Immunsystem gegen bestimmte Eiweißbestandteile eines Gifts. Einige Menschen sind grundsätzlich anfälliger gegenüber Allergien. Warum aber manche eine Insektengiftallergie bekommen und andere nicht, lässt sich bislang nicht sagen. Die Allergie entsteht auch nicht nach dem ersten Stich: So kann jemand über Jahre immer wieder gestochen werden, ohne dass es zu besonderen Reaktionen kommt. Im Laufe der Zeit entwickelt der Körper jedoch eine Anfälligkeit (Sensibilisierung) gegenüber einem Gift und reagiert plötzlich allergisch.

Symptome

Bei einer Insektengiftallergie kommt es zu einer starken Schwellung an der Einstichstelle. Sie hat häufig einen Durchmesser von mehr als 10 cm und hält länger als 24 Stunden an. Sie ist meist schmerzhaft, juckt heftig oder brennt.

Bei einem Stich im Mund und Rachen kann die Schwellung die Atemwege verengen und das Atmen erschweren. Menschen mit einer Allergie sind besonders gefährdet. Die Schwellung ist aber nur selten so stark, dass Erstickungsgefahr besteht.

Die Beschwerden können aber auch den gesamten Körper betreffen. Man spricht dann von einer anaphylaktischen Reaktion. Sie kann leichte bis lebensbedrohliche Beschwerden auslösen. Leichtere Reaktionen sind Quaddelbildung (Nesselsucht), Juckreiz am ganzen Körper, Schwindel, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden. Darüber hinaus kann es zu Schluckbeschwerden, allgemeiner Schwäche und Schwellungen im Gesicht oder an den Händen kommen. Bei einem schweren Verlauf kommt es zu Atemnot, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit oder sogar Herz-Kreislauf-Stillstand.

Meist treten die allergischen Reaktionen unmittelbar nach dem Stich auf, selten erst Stunden später. Es kann aber sein, dass eine anaphylaktische Reaktion zunächst abklingt und innerhalb von acht Stunden erneut auftritt.

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Ursachen und Risikofaktoren

Am häufigsten löst das Gift von Bienen oder Wespen allergische Reaktionen aus. Stiche von Bienen führen eher zu schweren Reaktionen als die von Wespen. Deutlich seltener sind Reaktionen auf Hornissengift (meist bei Menschen mit Wespengiftallergie) oder Hummelgift (meist bei Bienengiftallergie). Durch Mücken-, Bremsen- oder Ameisengifte kommt es außer direkt an der Stich- oder Bissstelle hierzulande fast nie zu allergischen Reaktionen.

Die Unterschiede im Verhalten von Bienen und Wespen zu kennen, kann helfen, ihnen auszuweichen und bei einem Stich richtig zu reagieren. Zudem kann es für die Diagnose wichtig sein zu wissen, von welchem Insekt man gestochen wurde:

Bienen Wespen
  • verhalten sich eher friedlich – es sei denn, sie fühlen sich bedroht
  • fliegen von Frühjahr bis Spätsommer
  • verlieren beim Stechen ihren Stachel; er bleibt meist in der Haut stecken
  • fliegen meist in der Nähe von Bienenstöcken und Blüten
  • verhalten sich schneller aggressiv – sie fühlen sich durch Bewegungen und Wegpusten eher bedroht
  • fliegen vorwiegend von Sommer bis Spätherbst
  • behalten ihren Stachel nach dem Stich
  • umschwirren oft Speisen und Abfall

Häufigkeit

Etwa 2 % der Bevölkerung reagieren auf Insektenstiche mit Beschwerden, die über die Einstichstelle hinausgehen.

Manche Menschen werden häufiger von Insekten gestochen als andere und erkranken entsprechend öfter. Dazu zählen Imkerinnen, Imker und deren Angehörige. Ein höheres Risiko haben auch Menschen, die in Bäckereien arbeiten, Obst verkaufen oder in der Landwirtschaft tätig sind.

Folgen

Zu bleibenden Schäden führt eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich in aller Regel nicht.

Pro Jahr werden in Deutschland etwa 20 Todesfälle durch allergische Reaktionen auf Bienen-, Wespen- und Hornissenstiche gemeldet. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich etwas höher, da allergische Reaktionen als Todesursache nicht immer erkannt werden.

Diagnose

Vor der körperlichen Untersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den genauen Beschwerden. Da sich Wespen- und Bienenstiche nicht immer klar unterscheiden lassen, ist auch wichtig, an welchem Ort das Insekt zugestochen und wie es sich verhalten hat. Zudem geben Betroffene zwar meist an, von einer Wespe oder Biene gestochen worden zu sein, verwechseln diese jedoch häufiger.

Haut- und Bluttests werden nur dann gemacht, wenn die Beschwerden über Reaktionen an der Einstichstelle hinausgehen. Bei diesen Tests wird untersucht, ob das Immunsystem auf bestimmte Auslöser übermäßig reagiert.

Beim Hauttest wird eine Lösung mit Insektengift auf die leicht angeritzte Haut gegeben und beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen. Bei der Blutuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob der Körper Antikörper gegen ein Insektengift gebildet hat.

Im Gegensatz zu anderen Allergien wird bei einem Verdacht auf eine Insektengiftallergie in der Regel auf einen Provokationstest verzichtet. Bei einem Provokationstest werden dem Körper nach und nach höhere Dosen des vermuteten Auslösers zugeführt und die Reaktion geprüft. Weil dieser Test bei einer Insektengiftallergie schwere Reaktionen hervorrufen kann, wird er nur in Ausnahmefällen und in spezialisierten Zentren durchgeführt.

Vorbeugung

Um Beschwerden vorzubeugen, ist es vor allem wichtig, Insektenstiche zu vermeiden. Folgende Verhaltensweisen werden empfohlen, um das Risiko zu senken:

  • Beim Essen im Freien achtgeben und danach gleich den Tisch abräumen. Auf Essen im Freien verzichten, wenn gerade viele Insekten in der Luft sind.
  • Sich nicht in der Nähe von Abfall aufhalten.
  • Trinkgläser abdecken und einen Strohhalm benutzen.
  • Nach dem Essen Mund und Hände säubern.
  • Nicht nach Wespen und Bienen schlagen – die meisten Insekten stechen, um sich zu verteidigen. Sich ruhig verhalten und langsam bewegen.
  • Die Haut durch Kleidung schützen.
  • Wohnungsfenster tagsüber schließen.
  • Die Nähe von Bienenstöcken und Wespennestern meiden.

Behandlung

Wie man mit einem Insektenstich umgeht, hängt vor allem davon ab, welche Beschwerden auftreten und ob jemand hyposensibilisiert ist. Als erstes wird eine Antihistaminikum-Tablette eingenommen und je nach Stärke der Hautreaktion zusätzlich ein Kortisonpräparat. Bei stärkeren Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund und Rachen ist es wichtig, rasch Adrenalin zu spritzen.

Bei stärkeren Reaktionen ist eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) sinnvoll. Diese führt meist dazu, dass die Reaktion auf einen Insektenstich deutlich schwächer ausfällt oder sogar ausbleibt.

Bei gesicherter Insektengiftallergie ist es wichtig, sich von einer Ärztin oder einem Arzt einen Allergiepass ausstellen zu lassen und diesen immer bei sich zu tragen.

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