Gewebeveränderungen am Muttermund (Dysplasien)

Foto von Mutter und Tochter (Design Pics / Thinkstock) Bei Früherkennungsuntersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs können Gewebeveränderungen am Muttermund entdeckt werden. Oft sind sie harmlos und bilden sich von selbst wieder zurück. Sie können sich aber auch zu Gebärmutterhalskrebs weiterentwickeln.

In Deutschland werden Dysplasien in drei Stufen unterteilt, je nachdem, was die Untersuchung der entnommenen Gewebeprobe (Biopsie) ergeben hat:

  • leicht (Fachbegriff: CIN 1 ),
  • mittelgradig (CIN 2) und
  • hochgradig (CIN 3).

Bei allen Dysplasien befinden sich die veränderten Zellen nur in der obersten Zellschicht. Bei einer hochgradigen Dysplasie sind die Zellen bereits stark verändert. Von einem Karzinom „in situ“ (lateinisch: „am Ort“) spricht man, wenn Krebszellen vorhanden sind, sich aber noch nicht ausgebreitet haben. Haben sie sich bereits über die oberste Zellschicht der Schleimhaut hinaus in das umliegende Gewebe ausgebreitet, wird dies als invasiver Gebärmutterhalskrebs bezeichnet.

Was bedeutet es, wenn eine Gewebeveränderung (Dysplasie) gefunden wird?

Eine leichte oder mittelgradige Dysplasie ist meist kein Grund zur Sorge. Viele Frauen haben irgendwann einmal solch eine Dysplasie, ohne davon etwas zu ahnen. Wenn der Körper das Virus bekämpft, bildet sich die Veränderung meist auch wieder zurück – vor allem bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren.

Ob und wann eine Dysplasie entfernt wird, ist eine persönliche Entscheidung. Bei einer leichten oder mittelgradigen Dysplasie geht eine Frau kein Risiko ein, wenn sie diese nicht sofort entfernen lässt. Sie kann zunächst abwarten und kontrollieren lassen, wie sich die Veränderung entwickelt. Dadurch lässt sich ein vielleicht unnötiger Eingriff vermeiden.

Anders sieht es bei hochgradigen Dysplasien aus: Ohne Behandlung entwickelt sich schätzungsweise die Hälfte von ihnen zu Gebärmutterhalskrebs. Aus diesem Grund wird empfohlen, eine hochgradige Dysplasie entfernen zu lassen. Der Eingriff wird Konisation genannt.

Wichtig zu wissen: Eine Dysplasie ist kein Notfall. Wenn eine Gewebeveränderung festgestellt wurde, ist genug Zeit, sich in Ruhe zu informieren und gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Wie werden Dysplasien behandelt?

Bei einer Konisation wird ein etwa kirschgroßes, kegelförmiges Stück von Muttermund und Gebärmutterhals entfernt. Der Eingriff kann die Dysplasie meist vollständig beseitigen und damit Gebärmutterhalskrebs verhindern. Bei der Konisation wird über die Scheide operiert, unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose.

Eine Konisation kann unmittelbar nach dem Eingriff zu leichten Schmerzen und Blutungen führen. In den Tagen danach kann es zu rötlichem Ausfluss und Nachblutungen kommen. Deshalb ist es wichtig, sich körperlich zunächst zu schonen und in den ersten Wochen auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Bei den meisten Frauen hat eine Konisation keine schweren Nebenwirkungen.

Vor allem bei Frauen mit Kinderwunsch sollte möglichst gewebeschonend operiert werden. Denn die Entfernung von Gewebe schwächt den Muttermund und erhöht bei späteren Schwangerschaften das Risiko für Frühgeburten. Dies gilt vor allem, wenn ein größeres Gewebestück entfernt wurde: Durch eine größere Konisation kommt es bei etwa 3 von 100 Schwangerschaften zu einer Frühgeburt (vor der 37. Schwangerschaftswoche). Gewebeschonende Eingriffe verringern dieses Risiko deutlich.

Wenn während einer Schwangerschaft eine hochgradige Dysplasie entdeckt wird, schlagen die Ärztin oder der Arzt meist vor, erst nach der Geburt zu operieren, damit der Muttermund nicht geschwächt wird.

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