Einleitung

Foto von Mann beim Lesen auf einem Tablet (PantherMedia / Fabrice Michaudeau) Bei jedem Menschen ist es irgendwann soweit: Um ohne Anstrengung lesen zu können und die Buchstaben klar zu erkennen, muss die Zeitung oder das Buch immer weiter weggehalten werden.

Der normale Alterungsprozess der Augen verschlechtert das Sehen im Nahbereich. Bemerkbar macht sich die Alterssichtigkeit, auch Presbyopie genannt, meist mit Mitte 40.

Die Presbyopie lässt sich zwar nicht wirksam behandeln, aber ausgleichen – am besten und einfachsten mit einer Lesebrille.

Symptome

Meist macht sich eine beginnende Alterssichtigkeit beim Lesen bemerkbar – zunächst vor allem, wenn man müde ist oder bei schlechtem Licht. Längeres Lesen wird allmählich anstrengend, weil die Buchstaben verschwimmen. Die Augen können nur mit Mühe scharf gestellt werden und brennen, nach einiger Zeit können auch Kopfschmerzen auftreten.

Ursachen

Für scharfes Sehen ist die Anpassungsfähigkeit der Augenlinse wichtig. Die Augenlinse soll die einfallenden Lichtstrahlen so bündeln, dass sie auf der Netzhaut ein scharfes Bild ergeben. Damit sowohl nahe als auch entfernte Objekte scharf abgebildet werden können, muss sich das Auge an verschiedene Entfernungen anpassen. Dabei ändert die Linse ihre Brechkraft: Um nahe Objekte scharf erkennen zu können, wölbt sie sich – beim Betrachten von Dingen in der Ferne flacht sie ab. Diese Anpassung wird medizinisch Akkommodation genannt.

Die Akkommodation wird von einem ringförmigen Muskel (Ziliarmuskel) gesteuert, der durch feine Fasern mit dem Rand der Linse verbunden ist. Um nah sehen zu können, zieht sich der Muskel zusammen und die Linse wölbt sich. Durch den normalen Alterungsprozess wird die Linse aber starrer und verliert dadurch zunehmend ihre Fähigkeit, sich zu wölben. Auch der Ziliarmuskel wird mit den Jahren schwächer.

Manchmal wird die Alterssichtigkeit auch Altersweitsichtigkeit genannt. Die Ursache der eigentlichen Weitsichtigkeit (Hyperopie), die oft schon im Kindesalter auffällt, ist aber eine andere: Meist ist bei dieser Sehschwäche der Augapfel von Geburt an zu kurz. Beim Blick auf Objekte in der Nähe reicht die Brechkraft der Linse nicht aus, um die einfallenden Lichtstrahlen auf der Netzhaut zu bündeln. Die Folge ist, dass das Auge nur in der Ferne scharf sehen kann, nahe Objekte scheinen unscharf.

 

Grafik: Anpassung an Nah- und Fernrsicht - wie im Text beschriebenAnpassung an Nah- und Fernsicht

Risikofaktoren

Manche Menschen bemerken die nachlassende Sehschärfe beim Lesen schon mit Anfang 40, andere erst viele Jahre später. Wovon diese Unterschiede abhängen, ist nicht klar. Bei bestimmten Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder multipler Sklerose kann es aber früher zu Alterssichtigkeit kommen.

Dass Frauen oft früher eine Lesebrille benutzen als Männer, liegt vor allem daran, dass sie sich eher darum kümmern. Einen Unterschied zwischen Frauen und Männern, wann die Alterssichtigkeit beginnt, gibt es nicht.

Verlauf

Kleinkinder können auch Gegenstände noch scharf sehen, die sich dicht vor ihren Augen befinden. Diese Fähigkeit nimmt mit den Jahren ab. Bei Erwachsenen gelten etwa 35 Zentimeter als normale Leseentfernung. Diese vergrößert sich ab Anfang 40 allmählich, und mit 45 brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille. Mit etwa 60 Jahren schreitet der Prozess der Alterssichtigkeit in der Regel nicht mehr weiter fort.

Kurzsichtige Menschen, die Probleme haben, entfernte Gegenstände scharf zu sehen, merken die Alterssichtigkeit meist etwas schwächer und später. Sie können die Alterssichtigkeit ausgleichen, indem sie ihre Fernbrille abnehmen.

Dagegen fühlt sich ein Weitsichtiger durch die starrer werdende Linse mehr gestört, weil sich seine Anpassungsprobleme für den Nahbereich dadurch noch verstärken.

Diagnose

Eine Diagnose ist in einer Augenarztpraxis oder einem Optikergeschäft möglich. Dabei wird zunächst mit einem kleinen Gerät (Autorefraktometer) die Brechkraft des Auges gemessen und bei einem anschließenden Sehtest die Stärke der erforderlichen Fern- und Nahkorrektur geprüft. Hierbei schaut man auf sogenannte Sehprobentafeln oder auf eine Projektion mit Buchstaben, Zahlen oder an einer Stelle offenen Ringen in abnehmender Größe. Um die (meist unterschiedliche) Sehkraft beider Augen feststellen zu können, wird jeweils ein Auge abgedeckt. Durch den Test wird ermittelt, mit welchen Brillengläsern die Augen am besten sehen.

Die sogenannte Brechkraft der Brillengläser wird ebenso wie die Brechkraft der natürlichen Linse oder einer Kontaktlinse in Dioptrien (dpt) angegeben.

 

Grafik: Korrektur der Alterssichtigkeit - wie im Text beschriebenKorrektur der Alterssichtigkeit

Vorbeugung

Manchmal werden Sehübungen zur Vorbeugung von Alterssichtigkeit empfohlen. Meist sind es Übungen, die die Augenmuskulatur trainieren sollen. Auch wenn es zahlreiche Anleitungen für Sehübungen im Internet oder in Büchern gibt: Alterssichtigkeit lässt sich dadurch nicht aufhalten. Ein Training der Ziliarmuskeln kann nichts daran ändern, dass die Elastizität der Linse mit den Jahren abnimmt.

Behandlung

Alterssichtigkeit lässt sich zwar nicht wirksam behandeln, aber gut ausgleichen. Die einfachste Hilfe, um den Sehverlust im Nahbereich auszugleichen, ist eine Lesehilfe, auch Fertigbrille genannt. Lesehilfen berücksichtigen aber nicht mögliche Unterschiede in der Sehstärke zwischen beiden Augen oder andere Besonderheiten, wie beispielsweise eine Hornhautverkrümmung. Individuell angepasste Lesebrillen sind nur in Optikergeschäften erhältlich. Dort wird nach einem Sehtest eine Brille mit der benötigten Stärke angefertigt. Auch der Abstand der Pupillen beider Augen zueinander und mögliche Besonderheiten werden dabei berücksichtigt. Lesebrillen sind oft so schmal, dass man ohne sie abzusetzen über sie hinwegschauen kann, um auch in die Ferne blicken zu können.

Für Menschen mit einer bereits vorhandenen Fehlsichtigkeit kann eine Mehrstärkenbrille infrage kommen. Zweistärkenbrillen (Bifokalbrillen) haben zwei durch eine sichtbare Kante in der Mitte getrennte Zonen, eine obere für das Sehen in der Ferne und eine untere für den Nahbereich. Eine Dreistärkenbrille (Trifokalbrille) enthält eine dritte sichtbar abgetrennte Zone für scharfes Sehen auch im mittleren Entfernungsbereich. Bei Gleitsichtbrillen ist der Übergang der Zonen in der Mitte glatt geschliffen. Sie werden am häufigsten benutzt.

 

Grafik: Gleitsichtbrille mit stufenlosem Übergang (gleitend)

Eine Alterssichtigkeit kann auch mit Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Da alterssichtige Menschen normalerweise aber nicht ständig eine Sehkorrektur brauchen, kommen Kontaktlinsen eher bei schon vorhandenen anderen Sehschwächen infrage. Kontaktlinsen werden in einer Augenarztpraxis oder einem Optikergeschäft angepasst. Bei Alterssichtigkeit kommen Zwei- oder Mehrstärken-Kontaktlinsen infrage. Zudem werden auch Kontaktlinsen für „Monovision“ angeboten. Dabei wird ein Auge für die Ferne korrigiert, das andere für die Nähe („Leseauge“). Das Benutzen solcher Linsen erfordert einige Eingewöhnung. Außerdem ist dann beim Autofahren eine Fernbrille nötig, damit auch das „Leseauge“ in der Ferne gut sieht und räumliches Sehen möglich ist.

Oft werden Laserbehandlungen in Zeitschriften und im Internet beworben und manchmal auch von Ärztinnen und Ärzten empfohlen. Zur Korrektur einer reinen Alterssichtigkeit sind sie jedoch nicht geeignet. Sie können zwar den Effekt haben, dass man keine oder erst später eine Lesebrille braucht. Diesem rein kosmetischen Ergebnis stehen aber mögliche Nachteile wie etwa Probleme beim räumlichen Sehen oder beim Sehen in der Ferne gegenüber. Zudem gibt es Risiken wie eine Verschlechterung der gesamten Sehkraft und mögliche Komplikationen des Eingriffs.

Das gleiche gilt auch für weitere operative Methoden wie dem Einsetzen von Kunststofflinsen oder von Hornhautimplantaten. Dem Verzicht auf die Lesebrille stehen die Risiken und Folgen gegenüber, die mit einer Operation am Auge verbunden sein können.

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