Vorbeugung: Wie können sich ältere Menschen, die zu Hause wohnen, vor Stürzen schützen?
Nicht jeder Sturz lässt sich vermeiden. Doch das Risiko zu stürzen lässt sich senken, indem man beispielsweise Stolperfallen in der Wohnung beseitigt, unnötige Psychopharmaka absetzt oder eine Sportart wie Tai Chi ausübt. Von welchen Maßnahmen ältere Menschen profitieren – und welche eher schaden können – hängt vor allem vom persönlichen Gesundheitszustand ab.
Stürze können in jedem Alter passieren. Weil ein Knochenbruch aber gerade bei älteren Menschen ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann, lohnt es sich für diese Altersgruppe besonders, Stürzen so gut wie möglich vorzubeugen.
Bis zu 3 von 10 Männern und Frauen über 65 Jahren stürzen einmal im Jahr (30 %). Bei Heimbewohnern ist die Rate noch höher. Glücklicherweise gehen die meisten Stürze glimpflich aus und bleiben ohne ernsthafte Folgen. Nur manchmal kommt es zu einer behandlungsbedürftigen Prellung oder Hautabschürfung. Knochenbrüche treten bei weniger als einem von 10 Stürzen auf (unter 10 %). Allerdings haben Menschen, die bereits gestürzt sind, im Allgemeinen ein höheres Risiko erneut zu stürzen.
Es gibt zahlreiche Maßnahmen, um Stürze zu vermeiden – doch nicht alle sind für jeden Menschen gleich gut geeignet. Im Gegenteil: Von welchen Maßnahmen ältere Menschen profitieren können, hängt vor allem vom persönlichen Gesundheitszustand ab.
Aktuelle Forschung zur Vorbeugung von Stürzen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration sind der Frage nachgegangen, was ältere Menschen tun können, um Stürzen vorzubeugen. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das Studien zu medizinischen Fragen systematisch auswertet.
Da Menschen, die in einem Pflegeheim leben oder sich vorübergehend in einem Krankenhaus aufhalten, in der Regel stärker gesundheitlich beeinträchtigt sind als andere, macht es einen Unterschied, ob eine Maßnahme zur Sturzvorbeugung für die häusliche Umgebung oder den Einsatz in einem Pflegeheim oder Krankenhaus gedacht ist. Dies haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihren Analysen berücksichtigt, indem sie die Studien mit Heimbewohnern und Krankenhauspatienten getrennt ausgewertet haben.
Hier berichten wir über Studien mit älteren Menschen, die zu Hause wohnen. Die Wissenschaftlergruppe hat insgesamt 111 Forschungsarbeiten mit über 55.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gefunden und ausgewertet. Die Frauen und Männer in den Studien waren mindestens 60 Jahre alt; viele von ihnen waren zwischen 70 und 80.
Risiko für Stürze lässt sich verringern
In den Studien erwiesen sich verschiedene Maßnahmen als nützlich. So konnten Trainingsprogramme mit verschiedenen Übungen das Sturzrisiko senken und sogar einige Knochenbrüche verhindern. Die Übungen zielten zum Beispiel darauf ab, das Gleichgewichtsgefühl zu verbessern, die Muskulatur zu stärken oder die Ausdauer zu erhöhen. Tai Chi – auch Schattenboxen genannt – machte Stürze bei Menschen, die regelmäßig trainierten, in mehreren Studien ebenfalls weniger wahrscheinlich. Allerdings nahmen an den Studien zu körperlichem Training und Tai Chi nur relativ gesunde Menschen teil. Daher ist unklar, ob auch Menschen mit ernsthafteren gesundheitlichen Problemen wie Parkinson, Bewegungseinschränkungen nach einem Schlaganfall oder einem stark eingeschränkten Sehvermögen davon profitieren können – oder ob sich das Risiko zu stürzen durch ein körperliches Training bei ihnen erhöhen könnte.
In einigen Studien bewerteten Fachleute wie Ärzte, Pflegekräfte, Physio- oder Ergotherapeuten das individuelle Sturzrisiko der älteren Menschen und schlugen auf dieser Grundlage Maßnahmen zur Sturzvorbeugung vor. Beispielsweise wurde überprüft, ob die Teilnehmenden eine Sehschwäche oder andere gesundheitliche Probleme hatten, die das Sturzrisiko erhöhen, und ob sie beispielsweise von einer Brille oder von Gehhilfen profitieren könnten. Diese Maßnahmen erwiesen sich als hilfreich.
In einer Studie wurden „Schneeketten“ für Schuhe erprobt. Die Ketten werden um die Sohle des Schuhs gelegt und sollen ähnlich wie Schneeketten beim Auto verhindern, dass man bei Glätte ins Rutschen kommt. Auch diese Hilfsmittel halfen, Stürze zu vermeiden.
Was Menschen mit bestimmten Gesundheitsproblemen tun können
Menschen mit Beschwerden wie starker Unruhe, Schlaflosigkeit, Angst oder Erschöpfung greifen manchmal zu Psychopharmaka. Doch bestimmte Psychopharmaka – zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine – erhöhen bei älteren Menschen das Risiko für Stürze. Diese Medikamente schrittweise abzusetzen erwies sich in den Studien als eine wirksame Maßnahme zur Vorbeugung von Stürzen. Es ist nicht immer einfach, von diesen Medikamenten loszukommen, da sie schon in niedriger Dosierung nach wenigen Wochen abhängig machen können. Was helfen könnte, ohne solche Medikamente auszukommen, erfahren Sie hier. Wenn Sie vor allem beim Schlafen Probleme haben und gerne auf Schlafmittel verzichten möchten, finden Sie hier weitere Informationen dazu, welche andere Möglichkeiten zu einem geruhsameren Schlaf verhelfen können.
In einigen Studien zeigte sich, dass typische Stolperfallen in der Wohnung bei einer geringen Sehkraft problematisch sind. Wenn solche Stolperfallen erkannt und beseitigt wurden, sank die Wahrscheinlichkeit für einen Sturz. Älteren Menschen, die einen grauen Star haben, kann eine Operation helfen, bei der die eingetrübte Linse ersetzt wird, sodass sie wieder besser sehen können.
Wer bestimmte Herzrhythmusstörungen hat, könnte von einem Herzschrittmacher profitieren und dadurch weniger durch Stürze gefährdet sein.
Was noch helfen könnte
Es gibt noch andere Mittel und Maßnahmen, die eingesetzt werden, um Stürze zu vermeiden, zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D, die die Muskulatur stärken sollen. Allerdings sind die Forschungsergebnisse hierzu widersprüchlich. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Merkblatt.
Auch wenn Sie viel tun können, um Stürzen vorzubeugen, lässt sich nicht jeder Sturz verhindern. Daher ist es gerade für ältere Menschen und Personen mit brüchigen Knochen (Osteoporose) wichtig zu wissen, wie sie ihre Knochen kräftigen und dadurch schützen können. Welche Mittel und Wege es hier gibt, haben wir hier für Sie zusammengestellt.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Erstellt am: 23. April 2006 19:33
- Letzte Aktualisierung: 20. August 2010 09:55
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Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Gillespie LD, Robertson MC, Gillespie WJ, Lamb SE et al. Interventions for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. [PubMed-Zusammenfassung]
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