Einleitung

Foto von Frau (PantherMedia / Frank Röder)Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, bösartiges Gewebe. Die Diagnose Brustkrebs löst bei den meisten betroffenen Frauen große Ängste und Sorgen aus. An Krebs zu erkranken, stellt das eigene Leben oft für eine gewisse Zeit auf den Kopf. Gut zu wissen ist, dass erstmals aufgetretener, lokal begrenzter Brustkrebs heute mit guten Chancen auf Heilung behandelt werden kann. Und dass es vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung im Alltag, beim Wiedereinstieg in den Beruf und bei der seelischen Bewältigung der Erkrankung gibt.

Symptome

Brustkrebs in einem frühen Stadium macht sich normalerweise nicht durch Schmerzen bemerkbar. Dennoch gibt es einige Anzeichen, die auf einen Tumor in der Brust – aber auch auf einen gutartigen Knoten – hindeuten können. Wenn

  • sich eine Brust in Form oder Größe verändert,
  • ein Knoten in Brust oder Achselhöhle tastbar ist,
  • die Brustwarze oder ein anderer Teil der Brusthaut sich nach innen zieht,
  • die Brusthaut sich rötet oder schuppt und nicht verheilt oder
  • eine Brustwarze klare oder blutige Flüssigkeit absondert,
  • ist es sehr wichtig, dies rasch von einer Ärztin oder einem Arzt abklären zu lassen.

Es ist auch möglich, dass bei der Tast-Früherkennungsuntersuchung, beim Ultraschall oder bei der Mammografie eine verdächtige Stelle in einer Brust gefunden wird, die dann mit weiteren Verfahren genauer untersucht wird.

Ursachen

Brustkrebs kann entstehen, wenn sich die genetischen Informationen von Zellen verändern, sodass sie sich unkontrolliert zu teilen beginnen und Knoten oder Wucherungen bilden. Wie es zu solchen Veränderungen kommt und wie sich die Zellen dann entwickeln, hängt von vielen Faktoren ab, die sich wechselseitig beeinflussen können – dazu gehören beispielsweise das Alter einer Frau, Größe und Gewicht, Immunsystem, Hormone, Schwangerschaften und Stillzeiten. Brustkrebs ist nicht ansteckend.

Manche Frauen sorgen sich, dass sie mit ihrer Lebensweise dazu beigetragen haben, dass sie an Krebs erkrankt sind. Zudem wird immer wieder einmal über Theorien berichtet, nach denen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften eine Krebserkrankung begünstigen sollen. Solche Vermutungen wurden jedoch nie bewiesen und gelten heute als überholt: Niemand ist schuld an einer so schweren Erkrankung. Krebs kann jeden treffen, unabhängig von Lebenswandel und Charaktereigenschaften.

Risikofaktoren

Die meisten Faktoren, die zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko beitragen könnten, gehören nicht zu den veränderbaren (modifizierbaren) Faktoren. Das bedeutet, die Ursachen des Risikos kann eine Frau nicht beeinflussen – wie etwa ein ererbtes Risiko (genetische Faktoren) oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe. Frauen, deren Schwestern oder Mütter an Brustkrebs erkrankt sind, haben ein höheres Risiko. Dagegen gelten Mutterschaft und Stillen als Faktoren, die das Risiko senken.

In manchen Familien tritt Brustkrebs gehäuft auf. Man schätzt, dass 5 bis 10 von 100 Brustkrebserkrankungen auf erbliche Faktoren zurückzuführen sind. Bekannt ist, dass Frauen, bei denen die Gene BRCA1 und BRCA2 verändert sind, ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Die Abkürzung „BRCA“ steht für „Breast Cancer Gene“ (englisch für „Brustkrebsgen“). 50 bis 80 von 100 Frauen mit dieser Genveränderung (Mutation) erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Frauen, die dieses Gen tragen, aber noch nicht an Brustkrebs erkrankt sind, wird eine besondere Betreuung angeboten, die beispielsweise regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen umfassen kann.

Häufigkeit

Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Sie wird meist in einem höheren Alter entdeckt: 60 von 100 Frauen mit Brustkrebs sind älter als 60 Jahre, wenn die Erkrankung festgestellt wird. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, was allerdings nur selten vorkommt.

Verlauf

Wie gut die Chancen sind, den Brustkrebs erfolgreich zu behandeln, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Sie werden beispielsweise davon beeinflusst,

  • wie groß der Tumor ist,
  • ob er nur im Brustgewebe aufgetreten ist und wo in der Brust er liegt,
  • ob das Wachstum des Tumors durch Hormone beeinflusst wird,
  • ob sich auf den Krebszellen Wachstumsfaktor-Rezeptoren (HER2-Rezeptoren) finden,
  • wie stark die Krebszellen verändert sind,
  • wie viele „Krankheitsherde“ es gibt,
  • ob die Krebszellen sich über die Lymphbahnen der Haut ausgebreitet haben (inflammatorischer Brustkrebs),
  • ob das gesamte Tumorgewebe entfernt werden kann,
  • ob es bereits Fernmetastasen gibt und
  • ob eine Frau schon einmal an Brustkrebs erkrankt war.

Manchmal wird ein Brustkrebs erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Dann beschränkt sich der Krebs häufig nicht mehr nur auf die Brust und umgebendes Gewebe, sondern kann Tochtertumore (Metastasen) ausbilden, zum Beispiel in den Knochen oder in den Lymphknoten. Aber auch dann kann die Erkrankung noch behandelt werden.

Wenn ein Tumor vollständig entfernt werden kann und es keine Fernmetastasen gibt, ist eine Heilung von Brustkrebs möglich. Dies gilt auch für einen erneut auftretenden Brustkrebs (Rezidiv).

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Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner beim Verdacht auf Brustkrebs. Nach einem ausführlichen Gespräch über frühere und / oder aktuelle Erkrankungen (die Krankengeschichte) folgt eine körperliche Untersuchung. Zu den Untersuchungen können gehören:

Wenn ein Tumor in der Brust festgestellt wird, prüft die Ärztin oder der Arzt außerdem, ob sich der Krebs auch in der anderen Brust oder anderswo im Körper ausgebreitet hat. Dies kann unter anderem mit einer Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung der anderen Brust, einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax), einer Knochenszintigrafie, einem Ultraschall der Leber oder mittels Computertomografie (CT) geschehen. Zeigen sich bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten, so wird die jeweilige Körperregion genauer untersucht.

Welche Untersuchungen jeweils sinnvoll und am besten geeignet sind, lässt sich im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt klären. Dabei hat man immer das Recht, eine Untersuchung auch abzulehnen.

Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird der Brustkrebs „klassifiziert“. Dabei wird nach einem bestimmten Schema angegeben, wie groß der Tumor ist, ob Lymphknoten betroffen sind und ob es Metastasen gibt. Außerdem wird eingeschätzt, wie schnell die Tumorzellen wachsen und ob ihr Wachstum von Hormonen oder bestimmten Wachstumsfaktoren beeinflusst werden kann. Diese Einstufung ist für die Wahl der Behandlung wichtig.

Behandlung

Eine Brustkrebserkrankung wird individuell behandelt. Die Art der Behandlung ist immer abhängig von der Art des Tumors, seiner Größe und Ausbreitung, dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin und nicht zuletzt von ihren Wünschen. Ein Brustkrebs kann operiert, bestrahlt und mit Medikamenten behandelt werden. Oft werden die Behandlungsansätze kombiniert.

Die Standardtherapie besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Manchmal werden dabei auch benachbarte Lymphknoten entnommen. Bei einem kleinen Tumor stehen viele Frauen vor der Entscheidung: Soll die Brust erhaltend operiert oder vollständig entfernt werden? Bei vielen Frauen ist heute eine brusterhaltende Operation möglich. Manchmal ist eine Entfernung der Brust (Mastektomie) jedoch nötig, um alles Tumorgewebe entfernen zu können.

Um einen großen Tumor besser operieren zu können, kann unter Umständen auch zuerst eine medikamentöse Therapie (Chemotherapie) eingesetzt werden, um ihn zu verkleinern. Eine solche Behandlung wird „neoadjuvante Therapie“ genannt.

Grundsätzlich kann eine Chemotherapie auch im Anschluss an die Operation sinnvoll sein. Bei Frauen mit einem hormonempfindlichen Tumor ist eine sogenannte Antihormontherapie möglich. Diese soll das Wachstum des Tumorgewebes bremsen.

Das umliegende Gewebe wird nach einer brusterhaltenden Operation wenn möglich bestrahlt, um vielleicht noch vorhandene Tumorzellen zu zerstören. Manchmal ist dies auch nach einer Brustentfernung erforderlich. Auch wenn der Tumor nicht operiert werden kann, wird wahrscheinlich eine Strahlentherapie angeboten.

Die Therapieverfahren können sehr belasten und teils schwere Nebenwirkungen haben, manchmal auch zu Folgeerkrankungen führen. Die unerwünschten Wirkungen unterscheiden sich je nach Art der Therapie, können jedoch ihrerseits oft gut behandelt werden. Die Behandlung der Nebenwirkungen gehört zur unterstützenden Therapie (Supportivtherapie).

Vor der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist normalerweise Zeit, sich bei der Ärztin oder dem Arzt über die Chancen und die zu erwartenden Nebenwirkungen zu informieren und mit Angehörigen und nahestehenden Menschen zu sprechen. Man hat zudem immer das Recht, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen und Behandlungen auch abzulehnen.

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Rehabilitation

Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) oder Anschlussrehabilitation (ARH) kann direkt im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt in Anspruch genommen werden. Eine Rehabilitation oder Kur ist auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Solche Maßnahmen werden sowohl ambulant als auch stationär angeboten. Ihr Ziel ist, den Behandlungserfolg zu sichern, den körperlichen und seelischen Zustand zu verbessern und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Meist dauert eine Reha-Maßnahme drei Wochen. Sie muss ärztlich verschrieben und vom Kostenträger genehmigt werden. Der Kliniksozialdienst kann beim Antrag auf eine Anschlussrehabilitation unterstützen.

Reha-Servicestellen bieten Beratung zu den Reha-Maßnahmen verschiedener Träger an. Adressen sind bei der Krankenkasse oder Rentenversicherung erhältlich.

Das „Hamburger Modell“ bietet die Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliederung für Menschen, die nach längerer Krankheit wieder in den Beruf zurückkehren möchten. Dabei können die Arbeitszeiten flexibel angepasst werden. Voraussetzung ist die Zustimmung des Arbeitgebers und der Krankenkasse. Mehr über diese Möglichkeit des beruflichen Wiedereinstiegs ist auf einer Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unter dem Stichwort „Hamburger Modell“ zu finden.

Leben und Alltag

Eine lebensbedrohende Erkrankung, deren Therapie immer wieder körperliche Belastungen mit sich bringt, zieht unweigerlich auch die Psyche in Mitleidenschaft. Fast jeder Mensch erlebt in einer solchen Situation Phasen der Niedergeschlagenheit.

Viele Frauen berichten, dass sie es entlastend finden, Ängste, Sorgen und Verzweiflung zuzulassen und mit Nahestehenden darüber zu reden. Neben Gesprächen mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden sind eine psychosoziale Beratung oder der Austausch in einer Selbsthilfegruppe weitere Möglichkeiten.

In Selbsthilfegruppen finden Patientinnen Kontakte zu anderen Frauen, die die mit der Erkrankung verbundenen Gefühle und praktischen Probleme aus eigener Erfahrung kennen. Dort ist es möglich, Themen anzusprechen, die mit nicht krebskranken Menschen oft schwierig zu erörtern sind. Das kann eine große Entlastung sein. Viele Frauen berichten, dass ihnen die Solidarität und Hilfsbereitschaft in einer Gruppe Kraft gibt. Selbsthilfegruppen machen oft auch weitere Angebote, etwa Sportgruppen oder Hilfe in sozialrechtlichen Fragen.

Bei einer guten onkologischen Therapie wird heute auch eine psychoonkologische Behandlung angeboten. Psychoonkologinnen oder -onkologen sind speziell ausgebildete psychologische, medizinische und / oder sozialpädagogische Fachkräfte, die Patientinnen und ihre Angehörigen bei der seelischen und sozialen Bewältigung der Erkrankung unterstützen, wenn dies gewünscht ist.

Für Frauen mit Brustkrebs ist es sehr wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten. Einige Möglichkeiten, die Behandlung aktiv zu begleiten und sich etwas Gutes zu tun, sind:

  • sich wenn möglich regelmäßig zu bewegen,
  • zu essen, was man mag und wonach einem ist,
  • auf das richtige Maß von Aktivität und Entspannung zu achten,
  • für einen möglichst erholsamen Schlaf zu sorgen und
  • generell Dinge zu tun, die einem in dieser schwierigen Situation gut tun.

Weitere Informationen

Zur Erstellung des Therapieplans und zur Behandlung kommen vor allem zertifizierte Brustzentren oder Tumorzentren sowie onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten spezialisierte Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen, die sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen der Erkrankung und Behandlung auf Körper und Psyche auseinandersetzen. Eine Behandlung ist aber auch in einem nicht zertifizierten Krankenhaus oder einer gynäkologischen Praxis möglich. Möglicherweise kann die Frauenärztin oder der Hausarzt auch bestimmte Behandlungs- und Nachsorgeschritte übernehmen.

Menschen mit oder nach einer Brustkrebs-Erkrankung stehen vielfältige Hilfen und Leistungen zu – dazu gehören zum Beispiel das Krankengeld sowie Hilfen für Haushalt oder Pflege. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die dazu beraten und bei einer Antragstellung helfen können.

Sowohl bei persönlichen Entscheidungen als auch in finanziellen und sozialrechtlichen Fragen können Fachkräfte unterstützen. Dazu gibt es in Deutschland ein Selbsthilfe und Beratungsstellen.

Eine individuelle Beratung – telefonisch oder persönlich – gibt es beispielsweise bei

Adressen von Selbsthilfegruppen gibt es unter anderem beim Krebsinformationsdienst  oder beim örtlichen Gesundheitsamt.

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