Wie gut hilft eine Kortisonbehandlung?

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PantherMedia / Dmitriy Shironosov

Eine Behandlung mit kann die Beschwerden bei einem Karpaltunnelsyndrom vorübergehend lindern. Kortisonspritzen in den Karpaltunnel sind wirksamer als Kortisontabletten.

Wenn die Hand schmerzt, kribbelt und sich taub anfühlt, kann ein Karpaltunnelsyndrom die Ursache sein. Dabei wird ein Nerv eingeengt, der den Daumenballen und Teile der Hand versorgt und im Karpaltunnel des Handgelenks verläuft. Zu den wirksamen Behandlungen gehört das Einspritzen von ().

ist ein Hormon, das in der Nebenniere gebildet wird. Es hemmt unter anderem Entzündungen und wirkt abschwellend. Für Medikamente wird künstlich hergestellt. Bei einem Karpaltunnelsyndrom kommt eine Behandlung mit meist dann infrage, wenn das Tragen einer Schiene keine Erleichterung gebracht hat. Kortison wird als Lösung in das betroffene Gewebe gespritzt oder in Tablettenform eingenommen. Spritzen sind üblicher und wirksamer als Tabletten.

Wie wirken Kortisonspritzen?

in den Bereich des Karpaltunnels zu spritzen, ist eine gängige Behandlung. führt zum Abschwellen des Bindegewebes im Karpaltunnel und damit zu einer Druckentlastung des Mittelnervs. Der Nutzen von Kortisonspritzen wurde in mehreren Studien untersucht. Dabei wurden Kortisonspritzen entweder mit anderen nicht operativen Behandlungen oder mit Spritzen ohne Wirkstoff () verglichen.

Die Studien zeigen, dass die Beschwerden in den ersten 2 bis 4 Wochen nach der Behandlung bei vielen Menschen nachließen:

  • Bei etwa 30 von 100 Menschen besserten sich die Beschwerden von allein.
  • Bei etwa 75 von 100 Menschen besserten sich die Beschwerden nach einer Kortisonspritze.

In anderen Worten: Die Behandlung konnte die Beschwerden bei etwa 45 von 100 Menschen kurzfristig spürbar lindern.

Eine der Studien deutet darauf hin, dass eine Spritze ähnlich wirksam ist wie die Aufteilung der Dosis auf zwei Spritzen, die im Abstand von acht Wochen gegeben werden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Durch die Spritzen kann es zunächst zu leichten oder mittelstarken Schmerzen an der Hand kommen, die aber nach wenigen Tagen verschwinden. Außerdem gehen Spritzen immer mit einer Infektionsgefahr einher. Eine kann Sehnen und Nerven schädigen. Selten kommt es zu schweren Komplikationen wie einer der ganzen Hand. Auch wenn die Spritze falsch gesetzt wird, ist eine Schädigung der Nerven möglich. Es wird geschätzt, dass dies bei weniger als einem von 1000 Menschen passiert. Schwere Nebenwirkungen sind insgesamt sehr selten.

Wie lange hält die Wirkung an?

Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass die Wirkung von Kortisonspritzen auch nach zehn Wochen noch anhält. Langfristig helfen Kortisonspritzen jedoch nicht. Bei vielen Menschen treten die Beschwerden mit der Zeit erneut auf.

Manche Menschen mit anhaltenden Beschwerden überlegen, sich operieren zu lassen. Eine Operation ist oft wirksamer als eine regelmäßige Kortisonbehandlung. Durch Kortisonspritzen lässt sich bei einigen jedoch eine Operation vermeiden oder zumindest längerfristig aufschieben. Es ist auch möglich, sich in regelmäßigen Abständen erneut eine Kortisonspritze verabreichen zu lassen. Allerdings ist unklar, wie wirksam und sicher dies auf Dauer ist. Man vermutet, dass regelmäßige Spritzen das Risiko für Schäden an Nerven oder Sehnen und für andere Nebenwirkungen erhöhen könnten.

Wie wirken Kortisontabletten?

Kortisontabletten können die Beschwerden bei manchen Menschen etwas lindern. Sie können einen Versuch wert sein, wenn die Beschwerden erstmals auftreten und nicht allzu stark sind. Es wird empfohlen, die Tabletten nicht länger als zwei Wochen einzunehmen, da eine längere Einnahme wahrscheinlich keine Vorteile hat. Zudem können Kortisontabletten Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Hautprobleme oder Gewichtszunahme haben.

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Aktualisiert am 02. November 2017
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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