Was tun bei gutartigem Lagerungsschwindel?

Foto von Paar im Freien (PantherMedia / mariis) Wenn ein gutartiger Lagerungsschwindel stark belastet oder nicht von allein verschwindet, kommt eine einfache Behandlung infrage. Sie besteht aus einer Abfolge bestimmter Kopfbewegungen und Körperhaltungen. Sie sollen die Störungen im Gleichgewichtsorgan beseitigen.

Ungefähr die Hälfte der Menschen mit gutartigem Lagerungsschwindel haben nur 1 bis 3 Monate lang Beschwerden. Eine Behandlung ist deshalb nicht immer nötig.

Wenn sich die Schwindelanfälle nicht von selbst wieder legen oder sehr belastend sind, können sogenannte Lagerungsmanöver helfen. Sie sind eine gängige Methode zur Behandlung des gutartigen Lagerungsschwindels.

Wie funktionieren Lagerungsmanöver?

Bei einem Lagerungsmanöver nimmt man unter ärztlicher Anleitung nacheinander verschiedene Sitz- und Liegepositionen mit bestimmten Kopfhaltungen ein.

Ursache des Lagerungsschwindels sind lose Steinchen im Gleichgewichtsorgan des Ohrs, die die Wahrnehmung stören. Durch die festgelegte Bewegungsabfolge sollen sich die winzigen Steinchen so verschieben, dass sie keinen Schwindel mehr auslösen.

Das Gleichgewichtsorgan besteht unter anderem aus drei Bogengängen. Bei Steinchen im hinteren Bogengang sind das Epley- und das Semont-Manöver sehr einfache und wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Die Manöver werden in der Regel mehrmals mit ärztlicher Unterstützung wiederholt. Leicht abgewandelte Lagerungsübungen kann man ergänzend auch zu Hause machen.

Die Behandlung ist nebenwirkungsarm. Es kann aber währenddessen – ähnlich wie bei einer Schwindelattacke – zu Übelkeit oder Erbrechen kommen. Für manche Menschen sind Lagerungsmanöver nicht geeignet – zum Beispiel, wenn ihre Halswirbelsäule nur eingeschränkt beweglich ist.

Wie läuft ein Lagerungsmanöver ab?

Bei einem Epley-Manöver wird folgendermaßen vorgegangen – hier am Beispiel von Ablagerungen im linken Ohr:

  1. Aufrecht sitzen.
  2. Den Kopf leicht nach hinten überstrecken und um etwa 45° zur linken Seite drehen.
  3. Auf den Rücken legen, dabei bleibt der Kopf zur linken Seite gedreht. Dann etwa 30 Sekunden warten.
  4. Den weiter leicht überstreckten Kopf jetzt um 90° auf die rechte Seite drehen. Etwa 30 Sekunden warten.
  5. Nun den ganzen Körper nach rechts drehen. Der Kopf dreht sich mit, bis man fast nach unten schaut. Etwa 30 Sekunden warten.
  6. Wieder aufsetzen.

Nach der Behandlung kann man sich normal bewegen oder hinlegen.

 

Grafik: Ablauf des Epley-Manövers bei Ablagerungen im linken Ohr - wie im Text beschriebenAblauf des Epley-Manövers bei Ablagerungen im linken Ohr

 

Meistens sind Steinchen im hinteren Bogengang für die Beschwerden verantwortlich. In den beiden anderen Bogengängen des Gleichgewichtsorgans bilden sich nur selten Steinchen. Wenn doch, können Lagerungsmanöver angewendet werden, die sich etwas vom Epley- und Semont-Manöver unterscheiden – zum Beispiel das Gufoni-Manöver.

Was Studien sagen

Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Wenn ein Epley- oder Semont-Lagerungsmanöver nicht hilft, nicht möglich ist oder nicht gewünscht wird, kommen bestimmte Bewegungsübungen infrage. Man kann sie sich in der ärztlichen Praxis erklären lassen und sie zu Hause selber machen.

Andere Behandlungen wie Medikamente gegen Übelkeit sind bei gutartigem Lagerungsschwindel nur in Ausnahmen nötig.

Bei sehr starken und anhaltenden Beschwerden kann eine Operation am Gleichgewichtsorgan erwogen werden. Dabei werden entweder die Nervenfasern des betroffenen Bogengangs oder der Bogengang selbst verödet. Die Sinneszellen können dann gar keine Informationen mehr an das Gehirn weitergeben. Deshalb lösen die losen Steinchen zwar keinen Schwindel mehr aus, aber das Gleichgewichtsorgan in diesem Ohr ist durch den Eingriff dauerhaft eingeschränkt.