Wann ist eine Operation sinnvoll oder notwendig?

Foto von Patient im Krankenhaus (PantherMedia / Lilyana Vynogradova) Die meisten Menschen mit einem Karpaltunnelsyndrom erwägen eine Operation erst, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend helfen. Eine Operation kann die Beschwerden lindern oder ganz verschwinden lassen. Sie ist jedoch nicht ohne Risiko.

Bei einem Karpaltunnelsyndrom wird der sogenannte Mittelnerv eingeengt, der im Karpaltunnel des Handgelenks verläuft. Dies kann zu Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen und eingeschränkter Beweglichkeit führen. Bei einer Operation wird das Karpalband durchtrennt, das an der Beugeseite der Handwurzel verläuft. Dadurch wird der Mittelnerv entlastet. Der Eingriff gehört in Deutschland zu den häufigsten Operationen.

Eine Operation kann die Beschwerden dauerhaft beseitigen. Sie ist jedoch nicht immer notwendig. Gerade zu Beginn der Erkrankung wird in der Regel zunächst eine andere Behandlung gewählt. Eine rasche Operation ist meist nur beim seltenen akuten Karpaltunnelsyndrom nötig.

Es gibt zwei Operationsverfahren:

  • offener Eingriff: Dabei wird ein Hautschnitt an der Innenseite des Handgelenks gemacht. Anschließend wird das Karpalband durchtrennt.
  • endoskopischer Eingriff: Dafür ist ein kleiner Hautschnitt jeweils an der Handinnenfläche und am Handgelenk erforderlich. Durch den einen Schnitt wird eine kleine Kamerasonde (Endoskop) eingeführt, um den Eingriff zu überwachen. Durch den anderen wird ein Instrument eingeführt, um das Karpalband zu durchtrennen. Bei einer anderen endoskopischen Operationstechnik wird nur über einen kleinen Schnitt am Handgelenk operiert.

Beide Verfahren können die Beschwerden gleich gut lindern und haben ähnliche Risiken. Nach einer endoskopischen Operation erholt man sich möglicherweise etwas schneller und kann früher wieder arbeiten.

Der Eingriff wird meist ambulant durchgeführt, kann aber auch im Krankenhaus stattfinden. Es ist meist nur eine örtliche Betäubung der Hand oder des Arms nötig. Möglich ist aber auch eine kurze Teil- oder Vollnarkose.

Wie gut hilft eine Operation?

Eine Operation kommt meist erst dann infrage, wenn die Beschwerden trotz anderer Behandlungen wie Schienen oder Kortisonspritzen regelmäßig wiederkehren und Beeinträchtigungen durch schmerzhafte Gefühlsstörungen zunehmen. In solchen Situationen kann ein Eingriff die Beschwerden besser lindern als eine wiederholte Spritzen- oder Schienenbehandlung.

Ein akutes Karpaltunnelsyndrom mit plötzlich einsetzenden starken Schmerzen ist selten. Es tritt vor allem nach Verletzungen, Entzündungen oder Blutungen im Handgelenk auf. Dann kann oft nur ein rascher Eingriff die Beschwerden ausreichend lindern.

Die meisten Menschen werden durch den Eingriff beschwerdefrei: Wenn sie noch keine anhaltenden Empfindungsstörungen und keine Muskelausfälle haben, bessern sich die Symptome meist rasch. Wie schnell man sich erholt, hängt auch davon ab, wie stark der Nerv bereits geschädigt war. Besonders bei starken Beschwerden kann es aber einige Wochen oder Monate dauern, bis sie ganz verschwinden. Die Schmerzen vergehen meist nach kurzer Zeit, die Empfindungsstörungen brauchen länger. Aus diesen Gründen kann es sinnvoll sein, einen Eingriff nicht zu lange hinauszuschieben.

Es kommt jedoch vor, dass die Operation nicht ausreichend hilft. Bei manchen Menschen bleiben die Beschwerden bestehen oder treten erneut auf. Wie die Chancen auf Besserung sind, lässt sich nicht genau vorhersagen. Dies kann unter anderem von der Dauer und Stärke der Beschwerden abhängen und davon, ob jemand weitere Erkrankungen hat. Die Erfolgsaussichten sind beispielsweise höher, wenn das Karpaltunnelsyndrom noch nicht weit fortgeschritten ist. Etwa 75 bis 90 von 100 Menschen berichten noch einige Jahre nach dem Eingriff, dass ihre Beschwerden nachgelassen haben oder ganz verschwunden sind. Allerdings hätte dies bei einigen von ihnen auch ohne Operation eintreten können.

Wenn ein Eingriff nicht den gewünschten Erfolg hat, kann das mehrere Gründe haben:

  • Die Krankheit war schon so weit fortgeschritten, dass auch eine Operation die Beschwerden nicht mehr vollständig zum Verschwinden bringen kann.
  • Die Diagnose wurde nicht sorgfältig genug gestellt. Das heißt, es wurde operiert, obwohl die Beschwerden eigentlich eine andere Ursache haben.
  • Auch Operationsfehler oder eine unvollständige Durchtrennung des Karpalbands können dazu führen, dass Beschwerden bestehen bleiben oder sich verschlechtern.

Welche Risiken hat der Eingriff?

Nach einem Eingriff können Blutergüsse in der Hand und vorübergehende Taubheitsgefühle auftreten. Sie verschwinden meist nach einigen Wochen wieder. Es kann aber auch zu Problemen kommen, die länger andauern, etwa Schmerzen und Beschwerden an der Operationsnarbe. Etwa 5 von 100 der offen operierten Menschen müssen mit solchen kleineren Komplikationen rechnen. Bei einer endoskopischen Operation sind es etwa 3 von 100 Menschen.

Bei weniger als einem von 100 Menschen treten nach einer Operation größere Komplikationen auf. Bei ihnen kann die Hand anschwellen oder der Mittelnerv wurde verletzt. Dann können Bewegungsstörungen, Schmerzen und Taubheitsgefühle bestehen bleiben.

Wie hoch das Risiko für Komplikationen ist, hängt auch von der Erfahrung der operierenden Ärztinnen und Ärzte ab. Dies gilt besonders für endoskopische Eingriffe, die etwas schwieriger durchzuführen sind.

Was muss man nach dem Eingriff beachten?

Nach dem Eingriff trägt man einen Verband um das Handgelenk. Nach etwa zwei Wochen werden die Fäden entfernt. Zur Frage, wie lange man die Hand nach dem Eingriff schonen sollte, gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen, sie für einige Tage in einer Schiene ruhigzustellen. Dass dies Vorteile hat, ist jedoch nicht nachgewiesen. Daher spricht in der Regel nichts dagegen, die Hand schon am ersten Tag nach dem Eingriff zu bewegen und leicht zu belasten.

Schwere Belastungen sollten für einige Wochen vermieden werden, damit die Wunde gut heilen kann. Wann man wieder arbeiten kann, hängt deshalb sehr vom Beruf ab. Wird die Hand bei der Arbeit nicht sehr belastet, ist man meist nach etwa drei Wochen wieder einsatzfähig. In handwerklichen Berufen kann dies 4 bis 5 Wochen dauern.