Kann Akupunktur chronische Nackenschmerzen lindern?

Foto von Akupunkturnadeln
PantherMedia / Tyler Olson

Es ist nicht belegt, dass chronische Nackenschmerzen besser lindern kann als eine Scheinakupunktur, bei der die Nadeln nur oberflächlich oder an der „falschen“ Stelle gesetzt werden.

ist eine Behandlung aus der traditionellen chinesischen Medizin, bei der an bestimmten Körperstellen feine Nadeln in die Haut gestochen werden. Nach traditioneller Vorstellung befinden sich entlang des Körpers Energiebahnen, die die Körperfunktionen beeinflussen. Wenn sie blockiert werden, sollen Krankheiten entstehen können. Akupunkturnadeln werden entlang der Energiebahnen gesetzt und sollen die Störung beheben. Es ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass solche Energiebahnen existieren. Es ist zudem umstritten, wo genau die Nadeln gesetzt werden sollten.

Es gibt aber auch Theorien, die aus anderen Gründen eine schmerzlindernde Wirkung zuschreiben, sowie Hinweise, dass das Setzen von Akupunkturnadeln schmerzlindernde Botenstoffe im Nervensystem freisetzt.

Um herauszufinden, ob bei Nackenschmerzen tatsächlich hilft, sind gut gemachte wissenschaftliche Studien nötig. Damit eine Studie zuverlässige Ergebnisse liefern kann, sollte sie folgendermaßen aufgebaut sein: Eine ausreichend große Zahl von Freiwilligen wird nach dem Zufallsprinzip in zwei oder mehrere Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält eine andere Behandlung, zum Beispiel , , Schmerzmittel oder eine Scheinbehandlung. Am Ende der Studie wird verglichen, welche Behandlung die Schmerzen am besten gelindert hat.

Probleme bei Studien zur Akupunktur

Ob wirksam ist, könnte von vielen Faktoren abhängen, zum Beispiel von der Qualifikation der Therapeutin oder des Therapeuten. Außerdem gibt es verschiedene Akupunkturtechniken, die sich zum Beispiel darin unterscheiden, wo die Nadeln gesetzt werden. Um verlässliche Aussagen zur Wirksamkeit der treffen zu können, sind daher aufwendige Studien nötig.

Eine weitere Herausforderung bei Studien zur besteht darin, eine geeignete Vergleichsbehandlung zu finden. Dafür kommt zum Beispiel eine Scheinakupunktur infrage, bei der die Nadeln an die falsche Stelle gesetzt werden, oder nur oberflächlich oder gar nicht in die Haut gestochen werden.

Bei einer Scheinakupunktur sollten die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht wissen, ob sie eine richtige bekommen oder nicht.

Die Verblindung soll verhindern, dass Suggestion und Annahmen über die Wirkung einer Behandlung die Studienergebnisse beeinflussen.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Eine Wissenschaftlergruppe der US-amerikanischen () hat Studien ausgewertet, in denen zur Behandlung von chronischen Nackenschmerzen untersucht wurde. Sie fanden mehrere Studien, die allerdings nur kleine Teilnehmerzahlen und größtenteils eine begrenzte Aussagekraft hatten.

Einige Studien haben bestimmte Akupunkturtechniken mit einer Scheinakupunktur verglichen. Dort linderte eine richtige Schmerzen nicht besser als eine Scheinakupunktur.

kann Nebenwirkungen haben: Durch das Setzen der Nadeln kann es vor allem zu kleinen Blutungen oder Blutergüssen kommen. Um Infektionen zu vermeiden, ist es wichtig, dass sterile Einwegnadeln verwendet werden. Das Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen ist jedoch gering.

Einige Krankenkasse übernehmen die Kosten für . Bei Nackenschmerzen ist die jedoch keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen.

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Aktualisiert am 30. Januar 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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