HPV-Impfung zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Foto von Impfung (PantherMedia / Adam Gregor) Bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielen Humane Papillomviren (HPV, HP-Viren) eine entscheidende Rolle. Gegen diese sexuell übertragbaren Viren gibt es mittlerweile eine Impfung. Sie wirkt gegen die häufigsten krebsauslösenden HP-Viren, bietet aber keinen völlig sicheren Schutz gegen Krebs.

Die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs nimmt in einigen Ländern, auch in Deutschland, seit Jahrzehnten ab. Dennoch ist diese Krebsart immer noch eine lebensbedrohliche Erkrankung. Als Hauptursache für diesen Krebs gilt eine Infektion mit bestimmten Humanen Papillomviren (HPV, HP-Viren). HP-Viren kommen nur beim Menschen vor und befallen Zellen der Haut und Schleimhaut. Direkter Kontakt mit infizierten Haut- oder Schleimhautstellen kann zu Ansteckung führen. Eine Infektion mit HPV verläuft in der Regel unbemerkt, verursacht keine Beschwerden und heilt von selbst aus.

Bis heute sind über 100 verschiedene Typen von HP-Viren bekannt. Manche können die Bildung von Hautwarzen (Papillome) auslösen. Etwa 40 HPV-Typen können zu Infektionen von Haut- und Schleimhautzellen vor allem im Genitalbereich führen und sind sexuell übertragbar. Dabei steckt man sich nicht über Körperflüssigkeiten, sondern über (Schleim-)Hautkontakt an.

Weil die Viren sehr verbreitet sind, infizieren sich nach Schätzungen bis zu 90 % der sexuell aktiven Mädchen und Frauen.

Welche Folgen hat eine Infektion mit HPV?

Bei den meisten Mädchen oder Frauen werden die Viren folgenlos von der körpereigenen Abwehr wieder beseitigt. Eine Infektion dauert durchschnittlich acht Monate. Wenn die Infektion nicht ausheilt und die Viren sich in den (Schleim)Hautzellen festsetzen, kann sich befallenes Gewebe mit der Zeit verändern. Bei Frauen geschieht dies am häufigsten am Gebärmutterhals, äußerst selten auch in der Schleimhaut der Scheide. Solche Veränderungen bezeichnet man als Dysplasien. Sie werden in drei Schweregrade eingeteilt: „leicht“, „mittelgradig“ und „hochgradig“. Ärztinnen und Ärzte sprechen oft auch von „CIN“-Stufen (CIN1 bis CIN3).

Die entscheidende Voraussetzung für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist die Infektion mit bestimmten Viren. Insbesondere zwei Virentypen, die sogenannten HPV 16 und 18, gelten als riskant: Nach Schätzungen sind sie an der Entstehung von 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs weltweit beteiligt. Eine Infektion mit diesen krebsauslösenden HPV gilt seit den 1980er Jahren als Ursache für Gebärmutterhalskrebs.

Die Infektion mit anderen HPV-Typen kann im Genitalbereich lästige, aber harmlose Warzen („Feigwarzen“, Kondylome) entstehen lassen. Viele dieser Warzen sind nicht sicht- und spürbar, andere entwickeln sich zu festen Knötchen mit unregelmäßiger Oberfläche. 90 % von ihnen werden von den HP-Viren 6 und 11 ausgelöst. Feigwarzen finden sich bei durchschnittlich etwa 1 % der Bevölkerung, häufiger aber bei sexuell aktiven jungen Menschen. Bei 20 bis 30 % der betroffenen Menschen verschwinden Feigwarzen auch unbehandelt von selbst wieder.

Wovor schützt die HPV-Impfung?

Seit 2006 gibt es einen Impfstoff (Handelsnamen Gardasil oder Silgard) gegen die Virustypen HPV 16 und 18, 6 und 11. Die letzten beiden Typen gelten nicht als krebsauslösend, können aber Feigwarzen entstehen lassen. Der zweite zugelassene Impfstoff (Handelsname Cervarix) wirkt ausschließlich gegen HPV 16 und 18. Er bietet keinen Schutz gegen Feigwarzen.

Es gibt keine veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, die die beiden Impfstoffe direkt daraufhin miteinander verglichen haben, wie gut sie vor Dysplasien schützen. Die Impfung wirkt nicht gegen schon bestehende HPV-Infektionen oder vorhandene Feigwarzen.

Für wen ist die Impfung gedacht?

Seit August 2014 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut allen Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren eine Impfung gegen HPV. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Spätestens im Alter von 17 Jahren sollte eine versäumte Impfung nachgeholt werden. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten auch über diese Grenze hinaus. Die Frage, ob auch Jungen geimpft werden könnten oder sollten, wird noch diskutiert.

Um zu verhindern, dass sich junge Frauen mit HPV infizieren, wird empfohlen, die Impfung möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr abzuschließen. Es lässt sich aber nicht genau sagen, welches Alter der beste Zeitpunkt für eine Impfung ist. An den meisten Untersuchungen dazu, wie gut HPV-Impfstoffe Dysplasien vorbeugen, haben Mädchen und Frauen im Alter ab 15 Jahren teilgenommen.

Was passiert bei der Impfung?

Der Impfstoff wird als Spritze in die Muskulatur des Oberarms verabreicht. Er enthält keine vermehrungsfähigen Viren, sondern Eiweißstoffe, die der Virushülle entsprechen. Der Impfstoff kann keine Infektion auslösen, führt aber trotzdem zu einer Abwehrreaktion: Es werden schützende Antikörper gebildet.

Abhängig vom Alter bei der ersten Impfung werden zwei oder drei Spritzen verabreicht.

Wie wirksam ist die Impfung?

Randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass die Impfungen vor mittel- und hochgradigen Dysplasien schützen, die von den HP-Virentypen 16 oder 18 verursacht werden.

Die größte Studie mit mehr als 17.000 Mädchen und Frauen zeigt beispielsweise folgendes Ergebnis:

  • Ohne Impfung: Bei 2 von 100 ungeimpften Teilnehmerinnen entwickelte sich innerhalb von vier Jahren eine hochgradige Dysplasie (CIN 3).
  • Mit Impfung: Bei 1 von 100 geimpften Teilnehmerinnen entwickelte sich im gleichen Zeitraum eine hochgradige Dysplasie (CIN 3).

Im Vergleich schützte die Impfung also 1 von 100 Mädchen und Frauen vor einer hochgradigen Dysplasie.

Das ist für diese Frauen ein spürbarer Nutzen der Impfung, denn ihnen bleibt eine Operation erspart: Bei hochgradigen Dysplasien besteht ein gewisses Risiko, dass sie sich zu Gebärmutterhalskrebs weiterentwickeln. Deshalb schlagen Ärzte in aller Regel vor, CIN-3-Dysplasien in einer Operation zu entfernen.

Ein weiteres Ergebnis der Impfung gegen vier Virustypen: Die geimpften Teilnehmerinnen bekamen weniger Feigwarzen, wie zwei Studien mit 6000 Mädchen und Frauen zeigten. Ohne Impfung bekamen 4 von 100 Teilnehmerinnen Feigwarzen, mit Impfung nur 1 von 100 Teilnehmerinnen.

Einige Fragen konnten die Studien nicht beantworten: So hatte nicht jede Teilnehmerin alle drei Impfstoffspritzen erhalten. Die Ergebnisse hätten bei einer vollständigen Immunisierung möglicherweise besser ausfallen können. Zudem bleibt unklar, wie lange der Impfschutz anhält, da die meisten der Studien die Teilnehmerinnen nur über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren nachbeobachteten. Gebärmutterkrebs entwickelt sich aber meist über einen Zeitraum von Jahren bis Jahrzehnten.

Welche Nebenwirkungen hat die Impfung?

In den Studien haben sich keine ernsthaften Nebenwirkungen gezeigt. Dies gilt zumindest für die Studiendauer von bis zu vier Jahren. Über mögliche langfristige Nebenwirkungen des Impfstoffs ist noch nichts bekannt.

Laut der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC können Hautreaktionen an der Einstichstelle auftreten, wie Schmerzen (bei 80 von 100 Impfungen), Rötung (20 von 100 Impfungen) und Gewebeschwellung (3 von 100 Impfungen). Seltener kommt es zu Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Muskelschmerzen.

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA weist auf das allgemeine Risiko hin, dass Jugendliche nach einer Spritze ohnmächtig werden können. Auch bei der HPV-Impfung ist es deshalb wichtig, dass ein Mädchen nach der Impfung noch für etwa 15 Minuten in der Arztpraxis bleibt.

Ein Mädchen sollte nicht geimpft werden, wenn es zum Beispiel Fieber hat. Falls es bei der ersten Impfung zu allergischen Reaktionen gekommen ist, sollte keine zweite Spritze gegeben werden.

Kann die Impfung vor Gebärmutterhalskrebs schützen?

Die HPV-Impfung schützt vor einer Infektion mit bestimmten HPV-Typen, die Krebs auslösen können. Sie kann auch die Zahl der hochgradigen Dysplasien (CIN 3) senken. Das spricht dafür, dass die HPV-Impfung langfristig auch vor Gebärmutterhalskrebs schützen könnte. Weil Gebärmutterhalskrebs sich aber meist über mehrere Jahre oder Jahrzehnte entwickelt, wird es bis zur sicheren Beantwortung dieser Frage noch etwas dauern. In den Studien wurden die Mädchen und Frauen nach der Impfung nur bis zu vier Jahre beobachtet.

Eine weitere Möglichkeit, Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen, ist eine regelmäßige Abstrichuntersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs (Pap-Test). Diese kann Dysplasien in den meisten Fällen entdecken und ermöglicht dann eine frühzeitige Behandlung.

Generell ist es für junge Frauen wichtig zu wissen, wie sie sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können. Das gilt nicht nur für HPV.

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