Wie sind Haare aufgebaut und wie wachsen sie?

Die Haare sind für viele Menschen ein natürlicher Schmuck und Ausdruck der Persönlichkeit. Haare haben aber auch schützende Eigenschaften: Sie schirmen zum Beispiel die Kopfhaut gegen Sonnenstrahlen ab. Wimpern und Augenbrauen verhindern, dass Staub, Schmutz oder Schweiß in die Augen geraten. Auch in der Nase und den Ohren schützen Haare vor Eindringlingen. Die Körperhaare helfen bei der Regelung der Körpertemperatur: Stellen sie sich bei Kälte auf, können sie die vom Körper erwärmte Luft an der Hautoberfläche halten – wie ein wärmendes Luftpolster.

Welche Haarformen gibt es?

Bis auf wenige Stellen, zum Beispiel den Handinnenflächen und Fußsohlen, ist die gesamte Körperoberfläche behaart. Dabei unterscheidet man die feinen, kurzen Wollhaare am Körper und die sogenannten Lang- oder Terminalhaare. Dazu gehören die Haare am Kopf, die Barthaare, Wimpern, Augenbrauen, Schamhaare und auch die männliche Körperbehaarung, etwa an Brust oder Bauch.

Die Verteilung von Woll- und Langhaaren ist individuell unterschiedlich und alters- wie geschlechtsabhängig. Zum Beispiel ist bei Kindern der Körper vorwiegend von Wollhaaren bedeckt. Bei erwachsenen Frauen sind dagegen 30 Prozent und bei Männern ungefähr 90 Prozent der Körperoberfläche mit Langhaaren bedeckt.

Wie ist das Haar aufgebaut?

Jedes Haar besteht aus einem Haarschaft und einer Haarwurzel. Der Schaft ist der sichtbare Teil des Haares, der aus der Haut herausragt. Die Haarwurzel steckt in der Haut und reicht bis in das Unterhautgewebe. Sie ist von Haut- und Bindegewebe eingehüllt – dem Haarfollikel, in den auch eine Talgdrüse mündet.

An jedem Haarfollikel setzt zudem ein kleiner Muskel an, der das Haar aufrichten kann. Am Haarfollikel enden auch viele Nervenfasern. Dadurch können wir Haarbewegungen wahrnehmen und selbst einen leichten Luftzug gut spüren.

Am unteren Ende ist die Haarwurzel kugelig verdickt und wird deshalb an dieser Stelle Haarzwiebel genannt. In die Haarzwiebel reicht von unten die sogenannte Haarpapille hinein, ein gut durchblutetes Knötchen. An der Grenze zwischen Papille und Haarzwiebel entstehen ständig neue Haarzellen.

 

Grafik: Aufbau eines Haares - wie im Text beschriebenAufbau eines Haares

 

Wie wächst ein Haar?

In der Haarzwiebel werden ständig neue Zellen gebildet, die miteinander verkleben und dabei verhornen. Aus diesem Hornstrang setzt sich das gesamte Haar zusammen. Weil sich von unten immer neue verhornte Zellen an das Haar ankleben, schiebt es sich allmählich aus der Haut heraus. Ein Haar am Kopf wird auf diese Weise pro Monat etwa einen Zentimeter länger. Die Barthaare, aber vor allem Wimpern, Augenbrauen und die Körperbehaarung wachsen langsamer.

Ob das Haar glatt oder lockig ist, hängt mit dem Querschnitt des Haares zusammen. Ist er rund, wächst das Haar glatt aus der Haut. Je ovaler sein Querschnitt, desto lockiger sind die Haare.

Die Haarfarbe entsteht durch den unterschiedlichen Gehalt des Farbstoffs Melanin in den verhornten Zellen. Sie kann von Person zu Person stark variieren und sich im Laufe des Lebens verändern. Mit zunehmendem Alter nimmt der Melaningehalt bei den meisten Menschen ab, gleichzeitig wird vermehrt Luft in das Haar eingeschlossen – es verliert seine Farbe und wird weiß. Je nach ursprünglicher Haarfarbe und Anteil der weißen Haare erscheint das Kopfhaar dann insgesamt grau bis weiß.

Was ist der Haarzyklus?

Solange in der Haarzwiebel immer neue Hornzellen entstehen, wächst das Haar in die Länge. Diese Wachstumsphase nennen Fachleute auch anagene Phase. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich etwa 90 Prozent aller Haare eines Menschen in der Wachstumsphase.

Je nachdem, wo am Körper ein Haar wächst, ist die Wachstumsphase unterschiedlich lang: Bei den Haaren der Kopfhaut kann sie zum Beispiel mehrere Jahre dauern. Deshalb können Kopfhaare, wenn sie nicht abgeschnitten werden, weit über einen Meter lang werden. Besonders kurz ist die Wachstumsphase bei Wimpern, Augenbrauen oder den Haaren am Eingang von Ohr und Nase. Sie wachsen nur etwa 100 bis 150 Tage lang. Darum können diese Haare auch nicht so lang werden.

Am Ende der Wachstumsphase löst sich die Haarwurzel von der Papille ab. Dieser Abschnitt wird als Übergangsphase bezeichnet und dauert etwa zwei bis vier Wochen. Ist das Haar gänzlich von der Papille und damit von der Blutversorgung abgetrennt, beginnt die Ruhephase des Haares – auch telogene Phase genannt. Das Haar wird dabei langsam aus der Haut gedrückt und fällt schließlich aus. Die Ruhephase kann einige Monate dauern.

Am Grund des „leeren“ Haarfollikels beginnen sich aber wieder Haarzellen zu vermehren und sich zu einem neuen Haar zusammenzusetzen: Wieder startet eine Wachstumsphase und der Haarzyklus beginnt von Neuem.

Wann ist ein Haarausfall verstärkt?

Weil immer wieder Haare in die Ruhephase übergehen und dann ausfallen, verliert ein Mensch ständig Haare. Bei einem gesunden Erwachsenen können es am Kopf etwa 70 bis 100 Haare am Tag sein. Weil aber gleichzeitig immer neue Haare nachwachsen, bleibt dieser natürliche Haarausfall unbemerkt.

Wenn die Haarwurzeln aber während der Wachstumsphase geschädigt werden oder viele Haare auf einmal in die Ruhephase übergehen, kommt es zu einem verstärkten Haarausfall (Effluvium). Wachsen keine neuen Haare mehr nach, entsteht eine kahle Stelle. Unabhängig davon, ob die Stelle klein ist, die gesamte Kopfhaut oder die Körperbehaarung betrifft, bezeichnet man diese Haarlosigkeit als Alopezie. Manche Alopezie-Formen können wieder verschwinden, und die Haare wachsen wieder nach. Eine Haarlosigkeit kann aber auch bestehen bleiben – ein typisches Beispiel ist die dauerhafte Glatzenbildung bei Männern.